Donnerstag, 21. Januar 2010

Der Laptop-Bomber von München

SATIRE

Der Sicherheitswahn an deutschen Flughäfen treibt mittlerweile seltsame Blüten und nimmt immer skurrilere Züge an.

Obwohl Berichte über die tatsächlichen Umstände und Hintergründe des vereitelten angeblichen Terroranschlags des weihnachlichen Unterhosenbombers Umar Farouk Abdulmutallab (wenigstens auf den Namen scheint man sich jetzt geeinigt zu haben) auf Flug 253 weiterhin widersprüchlich sind, hat die offizielle Jagd auf vermeintliche Terroristen an deutschen Flughäfen längst begonnen.

Hierbei werden zunächst selbstverständlich alle und besonders arabisch aussehende Flugreisenden der potentiellen Mitgliedschaft bei Al-Qaida verdächtigt.

Hochmodernes, teures und unfehlbares technisches Equipment unterstützt durch Kohorten gut ausgebildeter aber fehlbarer Wachleute von Bundespolizei und privaten Sicherheitsunternehmen spüren die möglichen Täter auf, wie gestern hunderte am Boden gebliebener Fluggäste, die drei Stunden am Weiterflug gehindert wurden, am Flughafen München Franz-Josef-Strauss erleben durften.
Zwanzig Flieger setzten ihre Reise, da sie „in Umlauf“ gebracht werden mussten, ohne Passagiere fort.
Taxifahrer bezeichnen solche, für sie verdrießlichen, Leerfahrten kurz als "NA": Nicht aufgenommen.

Der vermeintliche Terrorist, der als Geschäftsmann getarnt war, hat weder bemerkt, dass er gebeten wurde zu bleiben um seinen Laptop einer zeitaufwendigen Untersuchung unterziehen zu lassen, noch haben ihn, wie der DLF heute morgen meldete, sechs in der Nähe befindliche Wachleute daran gehindert in Ruhe seinen Rechner an sich zu nehmen, um den gebuchten Flug zu erreichen, nach dessen Abflugsteig er sich vorher noch erkundigt hatte.

Nun wird die Frage gestellt, wem die Schuld an der so teuren wie idiotischen Panne zugeschoben werden kann. Trägt sie das Sicherheitspersonal, das seine Dienstanweisungen bei der berufsmäßigen Verdächtigung ihrer Mitmenschen nicht befolgt hat, oder die Technik, die "unter Umständen" selbst Inhaltsstoffe von Parfums als Sprengstoff erkennen kann?
Noch ist die Frage nicht eindeutig geklärt.

Letzteres übrigens trägt auch nicht zur Aufklärung bei, sondern könnte, besonders in Zeiten in denen grundsätzlich wir alle verdächtig sind, bei Kriminalisten womöglich die unerwartete Frage aufwerfen, ob die Beauty-Branche die Herstellung von betöhrendem Parfum etwa nur im Nebenerwerb und zur Tarnung betreibt.
Nichts ist unmöglich, und schließlich sollte unbedingt in alle Richtungen ermittelt werden, um auch ja jede Sicherheitslücke schließen zu können.

Bei so vielen potentiellen Sicherheitslücken und Gefahrenquellen mag am Ende vielleicht nur die Einberufung eines Untersuchungsausschusses weiterhelfen, der zwar bekanntermaßen nicht zur Aufklärung beitragen wird, aber wenigstens ein paar überflüssige Bürokraten in ihren Sesseln hält.

Der Sprecher der Bundespolizei, Edgar Dommermuth, der nach eigenen Aussagen einen Halbtagsjob hat, weil er zwölf Stunden täglich im Büro verbringt und dessen Motto "Stillstand ist Rückschritt" lautet, bestätigte indes, dass der eingesetzte sehr, sehr feine Sprengstoffdetektor bei der Untersuchung des gleichen Laptops "unter Umständen" gar nicht anzeigt.

Und selbst Bundesinnenminister Thomas de Maizière zeigte sich besorgt über das Verschwinden des Fluggastes, nachdem dessen Computer den Sprengstoffalarm ausgelöst, und die Bundespolizei den fortschrittlichen und sofortigen Stillstand des Betriebs angeordnet hatte, ohne den, mit samt der vermeintlichen Bombe unerlaubt in die Luft gegangenen, Verdächtigen dingfest machen zu können.

Bei der heutigen Beratung der EU-Innenminister über Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit im Luftverkehr in Toledo, bei der auch sie Einführung und möglicherweise die gesundheitsfördernde Wirkung von Nackt-Scannern erörtert wird, hat sicherlich auch de Maizière die neuesten Anweisungen der Obama Administration durch die dort teilnehmende Heimatschutzministerin der USA Janet Neapolitano, Totalitano, Inkompetano entgegengenommen und wird sie, sehr zur Freude befreundeter Sicherheitstechnologie-Unternehmen und mit Sicherheit auf unsere Kosten umsetzen wollen, um dem totalen Überwachungsstaat zu weiterem Fortschritt zu verhelfen.

Vielleicht haben sich einige der unverletzt am Boden gebliebenen, verärgerten Opfer dieses gestrigen Schauspiels in die exklusiven Raucherlounges des Münchner Flughafen begeben, um mit dem einstigen Slogan einer deutschen Zigarettenmarke, "Wer wird denn gleich in die Luft gehen?", etwas Dampf abzulassen.

Es ist zum Abheben!


Ähnlicher Artikel: http://wunderhaft.blogspot.com/2010/01/der-nackte-uberwachungswahn.html

1 Kommentar:

  1. Netter Beitrag zum Thema. Das ist ja zum Haare raufen, zum sich wegschmeißen oder einfach zum Heulen?
    Soviel steht hier auf jedenfall einmal wieder fest, nämlich das die entsprechenden Umstände mich ein weiteres mal dazu animieren nachzuforschen und die horrenden Ergebnisse zu veröffentlichen.

    Grimoire, gut gemacht und weiter so.
    Bis dann Euer Lars aus Nürnberg ( http://asr-stammtisch-nuernberg.blogspot.com/ )

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