Mittwoch, 13. Mai 2015

Die Kriegsgefahr wächst mit dem Wirtschaftsrückgang - Paul Craig Roberts

von Paul Craig Roberts
übersetzt von wunderhaft


11. Mai 2015
Paul Craig Roberts, Grundgedanke zu der Annual Conference of the Financial West Group, New Orleans, 7. Mai 2015

Die prägenden Ereignisse unserer Zeit sind der Zusammenbruch der Sowjetunion, 9/11, die Arbeitsplatzverlagerung ins Ausland und die Deregulierung der Finanzmärkte. In diesen Ereignissen finden wir die Ursachen unserer außenpolitischen- und wirtschaftlichen Probleme.

Die Vereinigten Staaten waren schon immer von sich selbst überzeugt, aber mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion hat die Selbstgefälligkeit neue Höhen erklommen. Wir wurden zum außergewöhnlichen, unentbehrlichen Volk eines von der Geschichte zur Hegemonie über die Welt auserwählten Landes. Diese neokonservative Doktrin befreit die US-Regierung von Beschränkungen des Völkerrechts und erlaubt Washington Zwang auf souveräne Staaten auszuüben, um die Welt wieder nach seinen Vorstellungen zu erneuern.

Um Washingtons einzigartigen Status der Alleinherrschaft zu erhalten, der aus dem sowjetischen Zusammenbruch resultierte, verfaßte Paul Wolfowitz 1992 das, was als Wolfowitz Doktrin bekannt ist. Diese Doktrin ist die Basis für Washingtons Außenpolitik. Die Doktrin konstatiert:
 "Unser oberstes Ziel ist die Verhinderung des Wiedererscheinens eines neuen Rivalen, ob auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion oder anderswo, der eine Bedrohung der Ordnung darstellt, wie sie die ehemalige Sowjetunion dargestellt hat. Dies ist eine herrschende Überlegung, die der neuen Verteidigungsstrategie zugrunde liegt und die erforderlich wäre, um, unter gemeinsamer Kontrolle, die weltweite Macht herzustellen."
Im März dieses Jahres erweiterte der Council on Foreign Relations die Anwendung dieser Doktrin auf China.

Washington ist nun verpflichtet den Aufstieg zweier großer Nuklearmächte zu vereiteln. Diese Verpflichtung ist der Grund für die Krise, die Washington in der Ukraine geschaffen hat und für die hierfür benutzte antirussische Propaganda. China ist nun mit einem Drehpunkt nach Asien und  dem Aufbau neuer US-Marine- und Luftwaffenstützpunkte konfrontiert, die Washingtons Kontrolle über das Südchinesische Meer sichern sollen, das nun als Gebiet von Nationalen Interessen Amerikas betrachtet wird.

9/11 diente dazu den Krieg der Neokonservativen um die Vormacht im Mittleren Osten zu beginnen. 9/11 diente auch zur Erschaffung des Polizeistaats im eigenen Land. Während die Bürgerrechte hier zusammengeschrumpft sind, führten die Vereinigten Staaten fast während des gesamten 21. Jahrhunderts Kriege, die uns, laut Joseph Stiglitz und Linda Bilmes, mindestens $6 Billionen Dollar gekostet haben. Diese Kriege hatten einen sehr schlechten Ausgang. Sie destabilisierten Regierungen in einer wichtigen Energie produzierenden Region. Und die Kriege haben die "Terroristen" enorm vervielfacht, deren Niederschlagung der offizielle Grund für die Kriege war.

So wie der Zusammenbruch der Sowjetunion die US-Hegemonie entfesselte, verursachte er die Arbeitsplatzverlagerung ins Ausland. Der sowjetische Zusammenbruch überzeugte China und Indien davon, ihre unausgelasteten Arbeitsmärkte für US-Kapital zu öffnen. US-Unternehmen, selbst widerwillige, verlagerten Arbeitsplätze aus Produktion, Industrie und handelsfähigen professionellen Dienstleistungen, wie der Softwareentwicklung, unter der Drohung der finanziellen Übernahme durch große Einzelhandelsketten und der Wall Street ins Ausland.

Dies dezimierte die amerikanische Mittelklasse und beseitigte die Leitern des beruflichen Aufstiegs. Das Bruttoinlandsprodukt und die Steuergrundlage bewegte sich mit den Arbeitsplätzen nach China und Indien. Die durchschnittlichen Familieneinkommen hörten auf zu wachsen und gingen zurück. Ohne das die Wirtschaft antreibende Einkommenswachstum, widmete sich Allen Greenspan der Ausweitung von Verbraucherkrediten, die den Kurs der Wirtschaft bestimmten. Derzeit gibt es nichts, was die Wirtschaft antreibt.

Wenn die im Ausland produzierten Waren und Dienstleistungen zum Verkauf in die Vereinigten Staaten gebracht werden, kommen sie als Importe, was die Handelsbilanz verringert. Das Ausland verwendet seine Handelsbilanzüberschüsse, um US-Obligationen, Aktien, Gesellschaften und Immobilien zu erwerben. Folglich wandern Beteiligungen, Dividenden, Kapitalgewinne und Mieten ins Ausland ab, was das Leistungsbilanzdefizit vergrößert.

Um, angesichts der hohen Leistungsbilanzdefizite und der Geldschöpfung zur Unterstützung "systemrelevanter Banken", den Wechselkurs des Dollars zu sichern, nutzt Washington die japanische und europäischen Zentralbanken für das Drucken von Geld aus dem Nichts. Das Drucken von Yen und Euro kompensiert das Drucken von Dollars und das sichert den Wechselkurs des Dollar.

Der Glass-Steagall Act, der das geschäftliche Bankwesen vom Investment Banking trennte wurde vor seiner völligen Aufhebung, in der zweiten Hälfte des Clinton- Regimes, ausgehöhlt.

Diese Aufhebung erschuf, gemeinsam mit der gescheiterten Regulierung von OTC-Derivaten, der Abschaffung von Positionsgrenzen für Spekulanten und der enormen Kapitalkonzentration, die durch ins Leere laufenden Kartellgesetze entstand, nicht die Utopie eines freien Marktes, sondern eine ernsthafte, fortwährende Finanzkrise. Die wegen dieser Krise geschaffene Liquidität verursachte Blasen an den Börsen- und Anleihemärkten.

Folgerungen, Konsequenzen und Lösungen:

Als Rußland die vom Obama-Regime geplante Invasion Syriens und die beabsichtigte Bombardierung des Iran vereitelt hat, begriffen die Neokonservativen, daß Putin, während sie über ein Jahrzehnt in ihre Kriege im Mittleren Osten und in Afrika vertieft waren, die russische Wirtschaft und das Militär wiederhergestellt hat.

Das oberste Ziel der Wolfowitz Doktrin, ein Wiedererstarken eines neuen Rivalen, war durchbrochen. Das war das  "Nein" Rußlands an die Vereinigten Staaten. Das britische Parlament schloß sich, durch die Verweigerung der  Teilnahme Großbritanniens an einer US-Invasion Syriens, an. Der hegemoniale Status war erschüttert.

Dies lenkte die Aufmerksamkeit der Neokonservativen vom Mittleren Osten zurück auf Rußland. Im letzten Jahrzehnt hatte Washington 5 Milliarden Dollar in die Finanzierung aufstrebender Politiker und Nichtregierungsorganisationen gesteckt, die für Proteste auf die Straßen geschickt werden konnten.

Nach einer Kosten-Nutzen Analyse des beabsichtigten Anschlusses an die EU, sah der ukrainische Präsident, daß er sich nicht rechnete und verwarf ihn. An diesem Punkt rief Washington die Nichtregierungsorganisationen auf den Plan. Die Neonazis fügten Gewalt hinzu, und die auf Gewalt unvorbereitete Regierung brach zusammen.

Victoria Nuland und Geoffrey Pyatt wählten die neue ukrainische Regierung aus und etablierten ein Vasallen-Regime in der Ukraine.

Washington hoffte den Umsturz für eine Zwangsvertreibung Rußlands von seinem Schwarzmeerhafen, Rußlands einzigem Warmwasserhafen, zu nutzen. Allerdings entschloß sich die Krim, als jahrhundertealter Teil Rußlands, nach Rußland zurückzukehren. Washington war frustriert aber erholte sich von der Enttäuschung und beschrieb die Sezession der Krim als russische Invasion und Annexion. Washington benutzte seine Propaganda, um die ökonomischen und politischen Beziehungen zwischen Rußland und Europa aufzubrechen, indem es Europa zu Sanktionen gegen Rußland drängte.

Die Sanktionen hatten negative Auswirkungen auf Europa. Zusätzlich sind Europäer besorgt über Washingtons wachsende Kriegslust. Europa hat von einem Konflikt mit Rußland nichts zu gewinnen und fürchtet in den Krieg getrieben zu werden. Es gibt Hinweise, daß einige europäische Regierungen eine von Washington unabhängige Außenpolitik in Betracht ziehen.

Die aggressive antirussische Propaganda und Dämonisierung Putins hat das  Vertrauen Rußlands in den Westen zerstört. Die Forderung des NATO-Oberbefehlshabers, Breedlove, nach mehr Geld, mehr Truppen und mehr Militärstützpunkten an Rußlands Grenzen, macht die Situation gefährlich. In einer direkten militärischen Auseinandersetzung mit Moskau, versucht Washington sowohl die Ukraine als auch Georgien, zwei ehemalige russische Provinzen, in die NATO zu integrieren.

Auf der wirtschaftlichen Bühne stellt der Dollar als Reservewährung ein Problem für die gesamte Welt dar. Sanktionen und andere Formen des Finanzimperialismus veranlassen Länder, darunter sehr große, das Dollar-Zahlungssystem zu verlassen. Weil der Außenhandel zunehmend weniger mit dem Rückgriff auf den US-Dollar verbunden ist, fällt die Nachfrage nach dem Dollar, jedoch wurde seine Bereitstellung infolge des Quantitative Easing bedeutend ausgeweitet. Wegen der Auslandsproduktion und der Importabhängigkeit der Vereinigten Staaten würde ein Wechselkursverlust die inländische Inflation, weiter sinkende Lebensstandards und eine Bedrohung der manipulierten Börsen-, Anleihe- und Edelmetallmärkte verursachen.

Der wahre Grund für Quantitative Easing besteht in der Unterstützung bei der Erstellung von Bankbilanzen. Nach der offiziellen Begründung hingegen, handelt es sich um ein Mittel zu Ankurbelung der Wirtschaft und Unterstützung der wirtschaftlichen Erholung. Das einzige Anzeichen für eine Erholung ist das reale Bruttoinlandsprodukt, das allein deswegen positiv erscheint, weil der konjunkturdämpfende Faktor unterbewertet ist.

Der Beweis dafür, daß keine wirtschaftliche Erholung stattgefunden hat, liegt klar auf der Hand. Mit dem ersten negativen BIP im ersten Quartal und dem wahrscheinlich ebenfalls negativen BIP im zweiten Quartal, könnte der lange Abwärtstrend in diesem Sommer beginnen.

Außerdem unterscheidet sich die hohe Arbeitslosigkeit (23 %) von früheren Arbeitslosenzahlen. In der Nachkriegszeit des 20. Jahrhunderts benutzte die Federal Reserve die Inflation zur Abschwächung der Wirtschaft. Das Handelsvolumen sank, die Lagerbestände wuchsen und Entlassungen waren die Folge. Als die Arbeitslosigkeit stieg, drehte die FED ihren Kurs um und die Arbeitnehmer erhielten die ihre Arbeitsplätze zurück. Heute gibt es keine Arbeitsplätze mehr. Sie wurden ins Ausland verlagert. Die Fabriken sind verschwunden. Es gibt keine Arbeitsplätze, zu denen die Arbeitnehmer zurückkehren könnten.

Eine wirtschaftliche Erholung bedarf einer Zurückverlagerung der Arbeitsplätze in die Vereinigten Staaten. Dies könnte durch eine Änderung der Besteuerung von Unternehmen erreicht werden. Die Besteuerung von Unternehmensgewinnen könnte durch den Produktionsstandort bestimmt werden, über den sie eine Profitmaximierung durch den Verkauf ihrer Produkte in den Vereinigten Staaten erzielen. Wenn die Waren und Dienstleistungen im Ausland hergestellt werden, wäre die Besteuerung hoch. Wenn sie im Inland produziert werden, könnte sie niedrig sein. So könnten die die niedrigeren Produktionskosten im Ausland über den Steuersatz aufgewogen werden.

Hinsichtlich der Lobbyeinflusses transnationaler Konzerne und der Wall Street, ist das eine unwahrscheinliche Reform. Meiner Ansicht nach, wird die Wirtschaft der Vereinigten Staaten ihren Niedergang fortsetzen.

In außenpolitischer Hinsicht bedeutet die Hybris und Arroganz von Amerikas Selbstverständnis, als "außergewöhnlicher, unentbehrlicher" Staat mit hegemonialen Rechten über die Bedürfnisse anderer Länder, die Vorbereitung eines Weltkriegs. Weder Rußland noch China werden den vom Vereinigten Königreich, Deutschland, Frankreich und dem Rest Europas sowie von Kanada, Japan und Australien hingenommenen Vasallen-Status akzeptieren. Die Wolfowitz Doktrin macht klar, daß der Weltfriede von der Akzeptanz der Vorherrschaft Washingtons abhängt.

Daher wird, falls nicht der Dollar und damit die Macht der Vereinigten Staaten kollabiert oder Europa den Mut zum Bruch mit Washington aufbringt, sich von der NATO verabschiedet und eine eigene Außenpolitik verfolgt, der Nuklearkrieg unsere wahrscheinliche Zukunft sein.

Washingtons Aggression und seine offenkundige Propaganda haben Rußland und China von der Kriegsabsicht Washingtons überzeugt, und diese Erkenntnis hat die beiden Nationen zu einer strategischen Allianz zusammengeführt. Der Tag des Sieges am 9. Mai ist in Rußland, als Zeremonie über die Niederschlagung Hitlers, ein historischer Wendepunkt. Anstelle der europäischen Regierungen, die diese Feier boykottierten, nahm China deren Platz ein. Zum ersten Mal marschierten chinesische Soldaten gemeinsam mit russischen in der Parade, und der Präsident Chinas saß neben dem russischen Präsidenten.

Der Bericht von Saker über die Feier ist interessant. http://vineyardsaker.de/analyse/die-heutigen-feiern-zum-tag-des-sieges-in-moskau-markieren-einen-wendepunkt-in-der-russischen-geschichte/ (Hier ist die deutschsprachige Version verlinkt / Anm. d. Übers.) Beachten sie besonders die Karte der Anzahl von Gefallenen im 2. Weltkrieg. Die Gefallenen Rußlands, verglichen mit denen der Vereinigten Staaten, Großbritanniens und Frankreichs, veranschaulichen eindeutig, daß Rußland Hitler besiegte. Im orwellschen Westen, wird die Zerstörung der Wehrmacht durch die Rote Armee in den letzten Umschreibungen der Geschichte ausgelassen. Im Einklang mit den Veränderungen geschichtlicher Fakten, erwähnte Obama am 70. Geburtstag der Kapitulation Deutschlands au schließlich die Streitkräfte der Vereinigten Staaten. Im Gegensatz hierzu brachte Putin die Dankbarkeit an "die Völker Großbritanniens, Frankreichs und der Vereinigten Staaten" zum Ausdruck. http://thesaker.is/15865/

Seit vielen Jahren nun hat der Präsident Rußlands, vom Westen ungehört, auf den Umstand hingewiesen. Washington und seine Vasallen-Staaten in Europa, Kanada, Australien und Japan hören nicht zu, wenn Rußland ihnen zuruft:
"Bedrängt uns nicht so hart, wir sind nicht Eure Gegner. Wir wollen Eure Partner sein."

Nach all den Jahren, in denen diese Zurufe von Washington ungehört blieben, haben Rußland und China schließlich begriffen, daß ihre Wahl aus Sklaverei oder Krieg besteht. Hätten sich je intelligente, qualifizierte Menschen im Nationalen Sicherheitsrat befunden, wäre Washington vor der neokonservativen Strategie, des Säens von Mißtrauen, gewarnt worden. Jedoch beging Washington, mit der gegenwärtigen, ausschließlich neokonservativen Überheblichkeit, einen Fehler, der für die Menschheit verhängnisvoll enden kann.


Quelle: http://www.paulcraigroberts.org/2015/05/11/war-threat-rises-economy-declines-paul-craig-roberts/


Zusätzlich eingefügter Verweis: http://wirtschaftsblatt.at/home/meinung/kommentare/4642608/So-funktioniert-Quantitative-Easing

zuletz geändert: 13. Mai 2015, 08:45

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