Freitag, 31. Juli 2015

Paul Craig Roberts: 'Washington will Rußlands Unterwerfung erzwingen'

von Sputnik
übersetzt von wunderhaft 


29. Juli 2015
Im Gegensatz zur russischen Regierung, die auf Diplomatie vertraut, vertraut Washington auf Zwang und beabsichtigt offensichtlich Rußlands Unterwerfung zu erzwingen, wie Dr. Paul Craig Roberts feststellte.

Wie der prominente amerikanische Ökonom und ehemaliger stellvertretende Finanzminister sowie Autor, Dr. Paul Craig Roberts, darlegte, bestehen die Eckpfeiler der amerikanischen Außen- und Sicherheitspolitik aus der Wolfowitz-Doktrin, welche die Verhinderung des Wiederauferstehens eines neuen Rivalen, der eine Bedrohung ähnlich der der einstigen Sowietunion darstellt, ob auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion oder anderswo, zum vorrangigen Ziel erklärt.

"Unter "Bedrohung" versteht die Wolfowitz-Doktrin einen Staat, der stark genug ist eine von Washington unabhängige Außenpolitik zu führen. "Bedrohung" meint nicht eine militärische Bedrohung oder einen Plan um Amerika anzugreifen. Es meint jedes Land, das in der Lage ist sich Washington zu widersetzen. Derzeit gibt es zwei solcher Länder, Rußland und China. Während die Neokonservativen in Washington in ihre jahrzehntelangen Kriege im Mittleren Osten vertieft waren, hat Vladimir Putin Rußland nach dem Jeltzin-Debakel neu belebt, und China wuchs viel schneller als von Washington erwartet", so Dr. Roberts gegenüber Sputnik.
Rußlands diplomatisches Engagement in dem geopolitischen Spiel der Vereinigten Staaten im Mittleren Osten untergruben die neokonservativen Pläne und wurden zum Auslöser einer Gegenreaktion Washingtons.

"Als Rußland (möglicherweise mit Chinas Unterstützung) auf diplomatische Lösungen in den Krisen in Syrien und dem Irak drängte, die Washington als Vorwand für Militäreinsätze (gegen diese Länder) inszeniert hatte, wurde den Neokonservativen klar, daß Rußland die Macht erlangt hatte Amerikas Vormachtstellung in die Schranken zu weisen", wie Dr. Roberts betonte.

Erwartungsgemäß konterte Washington. Dr. Roberts wies darauf hin, daß der nächste Schritt der Vereinigten Staaten in dem Sturz der ukrainischen Regierung bestand, in der Hoffnung Rußland hiermit den Zugang zum Mittelmeer durch den Zugriff auf den russischen Schwarzmeerhafen zu entziehen.

Als die Krim sich am 14. März sich für die Wiedervereinigung mit Rußland entschied, beeilte sich Washington damit, seine europäischen "Vasallen-Staaten", durch falsche Behauptungen über einem "Einmarsch Rußlands in die Ukraine", zur Verhängung von Wirtschaftssanktionen gegen Moskau zu drängen, um es zu isolieren und einen Keil zwischen Europa und Rußland zu treiben, der ihre politischen und wirtschaftlichen Verbindungen trennte.

"Die Verhängung der Sanktionen verringerte die Besorgnis Washingtons, daß Europas Abhängigkeit von russischer Energie eventuell den Verlust von Washingtons Kontrolle über Europa zur Folge haben könnte", merkte Dr. Roberts an.


'Spannungen mit Rußland sind unbedingt erforderlich'

Außerdem haben Spitzenbeamte des Pentagon Rußland zur existentiellen Bedrohung Amerikas erklärt, wobei sie hervorhoben, daß es das einzige Land der Erde sei, dessen Nuklearpotential die Vereinigten Staaten vernichten kann. Was ist die Hauptursache für Washingtons Kriegshetze?
"Washington benötigt immer einen Feind, um das jährliche Budget von 1 Billion Dollar des Militär-/Sicherheits-Komplexes zu rechtfertigen. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion war diese Budget, bis zur Erzeugung der "muslimischen Bedrohung", in Gefahr. Das Problem mit der muslimischen Bedrohung besteht darin, daß die Moslems nicht über die Interkontinentalraketen, See- und Luftstreitkräften sowie Armeen verfügen, um sie als "existentielle Bedrohung" der VS darstellen zu können.", so Dr. Roberts zu Sputnik.
Während einige Experten annehmen, daß die rußlandfeindliche Haltung Amerikas auf entstehende innenpolitische Probleme und der Erwartung einer neuen Finanzkrise basiert, erklärt Paul Craig Roberts, daß "die Dämonisierung Rußlands und des russischen Präsidenten nichts mit der derzeitigen oder künftigen wirtschaftlichen Lage der Vereinigten Staaten zu tun hat."

"Es hat mit der Wolfowitz-Doktrin zu tun.", unterstrich der amerikanische Autor.

Welche Schritte sollten also vom Weißen Haus und dem Kreml unternommen werden, um die wachsenden Spannungen zwischen den VS und Rußland zu lockern?
"Russische Medien stellen mir andauernd diese Frage: "Welche Schritte sollten von der amerikanischen und der russischen Regierung unternommen werden, um die Spannung zu deeskalieren?" Diese Frage ist unsinnig! Washington hat keinerlei Absicht die Spannungen zu lösen. Aus Washingtons Sicht sind die Spannungen unbedingt erforderlich", wie Dr. Roberts Sputnik sagte.
Die Spannungen liefern den Vorwand für die Sanktionen, die Europa von Rußland trennen und für die Aufrüstung der VS und der NATO an Rußlands Grenzen sowie für eine NATO-Mitgliedschaft der Ukraine und Georgiens (und Armeniens sowie Kirgisistans nach den geplanten Farbenrevolutionen oder Umstürzen). Die Spannungen dienen der Akzeptanz der enormen Kosten des Militär-/Sicherheitskomlexes, der den größten Wirtschaftszweig Amerikas betreibt und Spenden für politische Kampagnen von Kongreß, Senat und des Präsidenten bereitstellt, durch die amerikanische Öffentlichkeit", hob der US-Ökonom hervor.

Dr. Roberts wies darauf hin, daß die Spannungen mit Rußland "zwingend erforderlich seien", da die Neokonservativen, die Politiker, die Profiteure und Machthaber des Militär-/Sicherheitskomplexes sie unbedingt benötigen.

Während die russische Regierung an diplomatische Lösungen gebunden ist, betrachtet Washington die Diplomatie als Zeichen der Schwäche.
"Die Russische Regierung vertraut auf Diplomatie, aber Washington betrachtet die Diplomatie als ein Zeichen der Schwäche. Washington baut auf Zwang. Washington beabsichtigt Rußlands Unterwerfung zu erzwingen. Es ist mir ein Rätsel, warum die russische Führung und die russischen Medien diese Absicht offensichtliche nicht erkennen" unterstrich der Autor.

Eine ernsthafte Verlockung für China

Währenddessen baut Rußland seine wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zu China aus, das einige Analytiker dazu bringt, die BRICS und die Shanghai Cooperation Organization (SCO) als tragfähige Alternative zu den etablierten Einrichtungen des Westens zu betrachten.

Jedoch bedeutet das nicht, daß Washington nun Däumchen dreht und den aufstrebenden Mächten beim Aufbau neuer geopolitischer Bündnisse zusieht.
 "Washington beginnt jetzt anscheinend mit seinem Plan das russisch-chinesische Bündnis zu zerbrechen, bevor es sich festigen kann. Der Internationale Währungsfond (IWF), eine von Washington kontrollierte Einrichtung, wirbt um China mit dem Angebot die chinesische Währung in die nach dem US-Dollar zweitstärkste IWF- Währung, Sonderziehungsrecht, aufzunehmen", führte Paul Craig Roberts weiter aus.
"Washingtons Botschaft an China durch den IWF lautet: "Kommt zu uns. Schaut wie einflußreich ihr sein werdet. Warum solltet ihr euch mit Drittweltländern wie Rußland, Indien, Brasilien und Südafrika abgeben, wenn ihr der Prinz des Westens sein könnt, der alle anderen überragt außer Amerika selbst. Wozu braucht ihr eine BRICS-Bank, wenn ihr ganz oben, gleich unterhalb der Spitze, im IWF sein könnt. Eure Ökonomie ist bereits in die amerikanische eingebunden. Tretet uns bei. Erntet den Beifall des herrschenden Westens. Ignoriert die Verlierer. Kommt zu den Gewinnern", unterstrich der amerikanische Ökonom.

Und das, warnte Dr. Roberts, ist für die Chinesen, die momentan berauscht vom Kapitalismus und vom Geld verdienen sind, ziemlich verlockend.
Natürlich wird, wenn Washingtons Plan Erfolg hat, nachdem Rußland ausgeschaltet ist, China der nächste sein. Weisheit und Achtsamkeit sind in der Welt selten, und diese Seltenheit ist ein großer Vorteil für Washington", faßte Dr. Paul Craig Roberts zusammen.

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