Montag, 20. Juli 2015

Videomitschrift - Die Stillegung von Fukushima Daiichi: Folgen sie dem Geld

von Arnie Gunderson / via Fairwinds Energy Education
übersetzt von wunderhaft



16 Juli 2015
Hallo, ich bin Arnie Gunderson von Fairewinds Energy Education.
Jede Woche erhalten wir E-mails und Anrufe mit Fragen wie diesen:
  • Sind die Kernschmelzen in Fukushima Daiichi vorbei? 
  • Sind die Probleme gelöst worden?
  • Müssen wir uns weiterhin Sorgen machen?
Die Antwort ist nein, diese Katastrophe ist nicht vorbei, nein die Probleme sind nicht gelöst und ja, wir sollten weiterhin besorgt sein. Lassen sie mich erklären warum:

Drei der Brennkammern  in Fukushima Daiichi stehen in direktem Kontakt mit Grundwasser. Entwickler und Ingenieure von Kernkraftwerken haben diese Möglichkeit nie in Erwägung gezogen.

Kernkraftwerke werden niemals ganz abgeschaltet. Wenn sich Uranatome bei der Energieerzeugung spalten, bleibt die Hitze in dem zurückbleibenden Abfall für ungefähr 5 Jahre erhalten. Als das Erdbeben und der Tsunami die Kühlsysteme in Fukushima zerstörten, sind die Brennstofftabletten, die gewöhnlich in den aufgehängten Brennstäben enthalten sind geschmolzen und gelangten auf den 8-inch dicken Boden des Nuklearreaktors. Daraufhin schmolz auch der Stahl des Reaktorbodens, was als Durchschmelzen bezeichnet wird, und ließ den heißen Nuklearkern auf den Boden des 4-Fuß (ca. 1,20 m / d. Ubers.) dicken Betonbehälters gelangten. Die Kraftwerke 1, 2 und 3 von Fukushima Daiichi wurden im Innern durch Hitze und Strahlung zerstört, wobei es zu Löchern und Rissen kam.

Sind die Reaktorkerne auch durch den Beton geschmolzen?

Wir wissen sicher, daß die Reaktorbehälter von Fukushima Daiichi voller Löcher sind, die den Kontakt von Grundwasser mit jedem der Reaktorkerne ermöglichen. Ob der Nuklearbrennstoff durch den Beton geschmolzen ist spielt keine Rolle für die Umwelt und die Menschen von Fukushima.
Unglücklicherweise tritt immer noch Grundwasser in einem Ausmaß von mindestens 300 Tonnen täglich ein und aus. Lassen sie uns diese Zahl veranschaulichen.

1.  Dies ist ein Bild von einem Tanklastwagen.

2.  Der Inhalt des Tanks umfaßt 5000 Gallonen Wasser, was 40,000 Pfund oder 20 Tonnen entspricht.

3.  Um sich ein Bild von 300 Tonnen radioaktivem Wasser zu machen, stellen sie sich 15 Tanklastwagen vor die täglich mit radioaktivem Wasser gefüllt werden.

4.  Erinnern sie sich nun daran, daß über 1500 Tage seit der desaströsen dreifachen Kernschmelze in Fukushima Daiichi vergangen sind und multiplizieren diese Zahl mit den 15 Tanklastwagen. Die Menge radioaktiv verseuchten Wassers, die bisher in den Pazifik gelangt ist entspricht dem Inhalt von 23,000 Tanklastwagenladungen.

5. Schlimmer noch, es ist kein Ende absehbar.

Während der ersten Monate nach der Katastrophe von Fukushima sagte Fairewinds, daß es für TEPCO unabdingbar sei das Eindringen von Wasser aufzuhalten, um die ernsthafte Kontamination des Grundwassers zu verhindern.

1.  Stellen sie sich eine überlaufende Badewanne vor.

2.  Während der vergangenen vier Jahre hat TEPCO einfach mehr Badewannen dazugestellt, um das überlaufende Wasser zu sammeln.

3.  Die eigentliche Lösung ist den Hahn zu abzudrehen und das Eindringen von Grundwasser zu stoppen!

4.  Wie von Fairwinds vorausgesehen, ist die Eiswand ein völliger Mißerfolg.

5.  Grundwasserexperten aus aller Welt haben mit Fairwinds häufig Kontakt aufgenommen, um ihre erprobten Methoden und Technologien, die das Eindringen von Wasser auf das Gelände Fukushima Daiichi stoppen könnten zu erörtern, jedoch fuhren TEPCO und die japanische Regierung damit fort diese Experten und Technologien zu ignorieren.

6.  Es bestehen Möglichkeiten das Eindringen von Grundwasser zu verhindern. TEPCO hört einfach nicht darauf.

Zuschauer haben Fairwinds zu dem Unterschied der Kernschmelze im ukrainischen Chernobyl und der dreifachen Kernschmelze im japanischen Fukushima Daiichi gefragt. Der Hauptunterschied besteht darin, daß der Brennkern in Chernobyl niemals mit dem Grundwasser in Kontakt gekommen ist. Hier ist ein Bild von dem Reaktorkern aus dem Jahr 1987, ein Jahr nach der Katastrophe in Chernobyl. Er wird "Der Elefantenfuß" genannt.

Selbst heute, fast 30 Jahre später, würde jeder Mensch in dem Raum mit dem in Form eines Elefantenfußes geschmolzenen Reaktorkerns innerhalb von 8 Minuten sterben.

Anders als in Chernobyl, weiß niemand wo sich die DREI geschmolzenen Reaktorkerne in Fukushims Daiichi befinden. Was bekannt ist, ist daß die drei Kerne direkten Kontakt zum Grundwasser haben. Wenn Grundwasser von der Hangseite herunterfließt, infiltriert es das Gelände und wird radioaktiv kontaminiert. Dann setzt das radioaktive Wasser seinen Weg fort und fließt aus den Reaktoren in das umliegende Gelände wobei es, auf seinem Weg in den Ozean, den Boden und anderes Wasser, mit dem es in Kontakt kommt, massiv kontaminiert. Die andauernde Bewegung von extrem radioaktiven Wasser in Fukushima Daiichi kompliziert die Dekontamination um das Hundertfache und verteuert es um das Hundertfache von Chernobyl. Bis heute hat die Säuberung von Chernobyl mehr als 3 Milliarden Dollar gekostet, ohne die Kosten für die anhaltenden Waldbrände in dem Sperrgebiet, die hohe Mengen Radioaktivität in die Atmosphäre blasen. Fukushima wird eine halbe Billion kosten.

Bis heute sind nicht nur 23,000 Tankwagenladungen radioaktives Wasser in den Pazifik geflossen, sondern der Boden unter den Kernkraftwerken ist nun auch hoch radioaktiv verseucht. Bei der sich ausweitenden radioaktive Verseuchung werden mindestens eine viertel Million LKW-Ladungen radioaktiver Erde entsorgt werden müssen. Welcher Ort auf der Erde wollte diesen Müll aufnehmen und wie könnte er für die notwendigen 250.000 Jahre gelagert werden?

Presse und Wissenschaftler sollten frage: "Warum wartet die ukrainische Regierung mindestens 100 Jahre auf den Vesuch Chernobyl stillzulegen, während die japanische Regierung und TEPCO behaupte, daß Fukushima Daiichi innerhalb der nächsten 30 Jahre abgeschaltet und demontiert sein wird?"

Ehrlich gesagt hat die Antwort nichts mit Wissenschaft, sondern ausschließlich mit Politik und Geld zu tun. Um Fukushima Daiichi zu verstehen, muß die Presse dem Weg des Geldes folgen.

Vor der dreifachen Kernschmelze von Fukushima Daiichi, hatte die japanische Nuklearindustrie 54 Nuklearreaktoren in Betrieb. Sie alle sind zur Zeit heruntergefahren. Jedoch verblieben in jedem der in Japan heruntergefahrenen Nuklearreaktoren der gesamte Bestand an Ingenieuren, Maschinisten etc.,obwohl sie während dieser Zeit keine Energie erzeugten. Warum? Woher kommt das Geld, um die ungefähr 700 Mitarbeiter in jedem dieser heruntergefahrenen Kernkraftwerke zu bezahlen

Die Antwort ist, daß Japans Energiekonzerne sich zig-Milliarden Dollars von japanischen Banken geliehen haben, um die Mitarbeiter der Kernkraftwerke in den vergangenen vier Jahren zu bezahlen.

Der einzige Weg, wie die Japanischen Banken diese ungeheuren Schulden zurückerhalten, besteht darin die heruntergefahrenen Kernkraftwerke wieder hochzufahren. Meine Kontakte in Japan berichten mir kontinuierlich davon, daß die Banken das japanische Parlament wegen des Weiterbetriebs der Nuklearreaktoren unter enormen Druck setzen, um ihre Investitionen zurückgezahlt zu bekommen.

Umfragen zeigen, daß die weit überwiegende Mehrheit der japanischen Bevölkerung gegen den Weiterbetrieb der japanischen Kernkraftwerke sind.
Im Bemühen, die japanische Bevölkerung, die keine Nuklearkraftwerke mehr will, davon zu überzeugen, daß der Weiterbetrieb der alten Reaktoren in Erdbebengebieten und Küstengebieten mit Tsunamirisiko sauber und sicher sei, versuchen sowohl Tokyo Electric als auch die japanische Regierung es darzustellen, als sei die Stillegung und Demontage der Anlage von Fukushima Daiichi lange vor dem, vom Standpunkt der radiologischen Kontamination, überhaupt möglichen Zeitpunkt durchführbar.

Was ist die Wahrheit, die das japanische Volk wissen muß?

1.  Es ist unmöglich, die Anlage von Fukushima Daiichi in 30 Jahren zu demontieren und zu säubern. Es wird länger als hundert Jahre dauern um diese Reinigung durchzuführen.

2.  Radioaktives Caesium, Strontium und Plutonium wird über Jahrzehnte weiterhin in den Pazifik entweichen, weil der Fluß von Grundwasser ungemindert anhält.

3.  Der radioaktive Abfall von mindestens einer Viertelmillion Lastwagenladungen muß irgendwo in einer abgeschirmten Region Japans verschlossen gelagert werden müssen, um der Kontamination neuer Regionen in Japan vorzubeugen.

4.  Tausende junge Leute, die an Stillegung, Abriß und Demontage teilnehmen, werden enormen Strahlenbelastungen ausgesetzt sein.

5.  Die Kosten für die Reinigung des, mit der dreifachen Kernschmelze belasteten, Standorts von Fukushima Daiichi werden eine Höhe von 1 Billion Dollar erreichen.

6.  Und schließlich gibt es in Japan und weltweit keinen Ort zur Aufbewahrung der drei geschmolzenen Reaktorkerne, wenn sie einst beseitigt worden sind, falls es überhaupt möglich ist sie zu bergen und zu beseitigen. Das ist ein technologischer Kraftakt, den sich kein Ingenieur auf der Welt jemals vorgestellt hat, weil die Nuklearindustrie nie geglaubt hat, daß sich eine solche Katastrophe jemals ereignen könnte oder würde.

Ich glaube, daß das japanische Volk den Weiterbetrieb von Japans alten Reaktoren nicht zulassen würde, wenn es darüber informiert wäre, welche Umweltschäden und astronomisch hohe Kosten die Reinigung von Fukushima Daiichi tatsächlich verursacht.

Was sieht die Welt? Sie sieht das japanische Parlament und die weltweite Nuklearindustrie ihre Werbung für Kernkraft fortsetzen, während die japanische Presse, wegen der tatsächlichen Bedrohung und der Einschränkungen durch das Geheimhaltungsgesetz des Parlaments, das die Diskussion dieser Themen verbietet, schweigend zusieht. Die tatsächlichen Kosten dieser Nuklearkatastrophe für Menschen, Finanzen und Umwelt werden weder veröffentlicht noch diskutiert.

Mein Name ist Arnie Gunderson von Fairwinds Energie Education, und wir werden sie auf dem Laufenden halten.


Quelle: http://www.fairewinds.org/nuclear-energy-education/fukushima-daiichi-decommissioning-follow-the-money


 

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