Montag, 21. Dezember 2015

Prädikat "wertlos": Verschwendet die Bundesagentur für Arbeit Steuergelder in Millionenhöhe für anforderungslose Sprachkurse?

Als am 24. Oktober 2015 der ehemals umfangreiche und differenzierte § 421 SGB III über die Förderung der Teilnahme an Sprachkursen geändert wurde, hatte die Bundesagentur für Arbeit, in vermeintlich blindem Aktionismus, bereits agiert und "Einstiegskurse für Asylbewerberinnen und Asylbewerber mit guter Bleibeperspektive" geschaffen, ohne klare Anforderungen an die Auswahl von Teilnehmern und Anbietern der Sprachkurse zu stellen. Prompt verkündete Thomas de Maizière am 6. November die Notwendigkeit einer "kurzfristigen" Senkung der Bildungsstandards, in diesem Fall mit Steuergeldern.

Bei der Lektüre des Inhalts der, zum Verständnis wichtigen,  Antworten auf (mögliche) Fragen der mit "Einstiegskursen für Asylbewerberinnen und Asylbewerber mit guter Bleibeperspektive" beauftragten Veranstaltungsagenturen, den verschiedenen konkurrierenden Trägern des geplanten, bundesweiten "Events", schwant dem erstaunten Leser die Antwort auf die Frage nach Sinn und Zweck sowie den Profiteuren dieser Veranstaltungen.

Zunächst kann die Entscheidung, die Sprachkurse ausschließlich für "Flüchtlinge" aus Syrien, dem Iran, dem Irak und Eritrea anzubieten ebenso wie die individuelle Auswahl der "Asylbewerberinnen und Asylbewerber mit guter Bleibeperspektive", zu großem Unmut bei den Unwillkommenen aus der  völlig unerwartet mit hereingeschwappten Woge von Bestandserhaltungsmigranten aus anderen Herkunftsländern führen, bei dessen Ausdruck verschiedene mögliche, unschöne Szenarien vorstellbar sind.

Wer auch immer darüber entscheidet welche Asylbewerber ohne Deutschkenntnisse bei vergleichsweise niedrigem Intelligenzquotienten, eine "gute Bleibeperspektive" haben und welche nicht, hat allerdings, wegen fehlender Vorgaben, bei der Selektion keine leichte Aufgabe. Denn schließlich dürfen bei diesem Verfahren höchstens Hunderttausend der vermeintlichen Asylanten die begehrten Sprachkurse erhalten.
Ob für  Analphabeten aus dem Irak (57%) oder Eritrea (35%) wohl gesonderte Sprachkurse angeboten werden?

Nach Auswahl der Teilnehmer können die Sprachkurse, deren gesamte Durchführung gemäß dem Fragenkatalog auch an hierfür nicht zertifizierte "Bildungsträger" übertragen wird und bei der, wie aus den Seiten 7-10 des Fragenkatalogs hervorgeht, keinerlei Mindestanforderungen an Förderdauer, Kursaufbau und Förderziele der angebotenen Kurse gestellt werden, beginnen.
Ein gefundenes Fressen für die Träger - "Wir schaffen das!"

Bei den "genau" veranschlagten Kosten zwischen 54 Millionen Euro und 121 Millionen Euro an Steuergeldern für bis zu 100.000 Kursteilnehmer, die nach maximal 320 absolvierten Unterrichtseinheiten nicht einmal eines der standardisierten Zertifikate über Absolvierung, Dauer und Erfolg der Fremdsprachenkurse erhalten, bleibt die Frage nach dem tatsächlich erwarteten und beabsichtigten Nutzen und Erfolg sowie die nach den wahren Kosten der Sprachkurse offen.
Bei Kosten von 54 Mio. Euro an Steuergeldern betrüge die komplette Kursgebühr bei maximaler Dauer  und für jeden Teilnehmer lächerliche 540,- Euro incl. Lernmittel, Fahrtgeld und möglicherweise auch eines Taschengelds. Die einzelne Unterrichtsstunde (45 Min.) wird in diesem Fall, bei maximal 320 Unterrichtsstunden mit deutlich weniger als 1,69 Euro honoriert. Bei einem Steuerbatzen von 121 Mio. Euro betrüge die einzelne Kursgebühr immerhin maximal 1210,- Euro.

Auch wenn anzunehmen ist, daß viele der, als Träger mit der BA kooperierenden, "gemeinnützigen" Vereine und Unternehmen aus dem ausschließlich mit Steuergeldern finanzierten professionellen Betreuungs- und Weiterbildungs-Dienstleistungssektor über geeignete Räumlichkeiten zur Durchführung von Sprachkursen verfügen, ist sicher, daß ihnen genügend qualifiziertes und erfahrenes Personal für diese anspruchsvolle Arbeit fehlt.
Zertifizierte Sprachschulen, die über qualifiziertes Personal verfügen, begrenzen nicht grundlos bspw. schon die Teilnehmerzahl in Gruppenkursen in der Regel auf 10 anstatt auf 25 Teilnehmer.

Vor welch unlösbarer Aufgabe die Träger und Veranstalter dieser so genannten Sprachkurse für Ausländer ohne Deutschkenntnisse stehen, mag dieser Beitrag verdeutlichen. Ihnen fehlen qualifizierte und erfahrene Deutschlehrer mit Kenntnissen der arabischen Sprache und ihrer vielen Dialekte sowie der Zusatzqualifikation "Deutsch als Zweitsprache für kürzlich eingetroffene Ausländer mit hier fremden soziokulturellen Normen und Werten", die in der Lage wären pädagogische Konzepte erfolgreich umzusetzen. Groteskerweise wird den verschiedenen Trägern die Auswahl aller möglichen pädagogischen  Konzepte, für die es zwar Geld aber kein Fachpersonal gibt, freigestellt. Das hat wirklich etwas von Schilda.

Vor diesem Hintergrund können die "Einstiegskurse für Asylbewerberinnen und Asylbewerber mit guter Bleibeperspektive" durchaus als improvisierte Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Dienstleister der geschäftstüchtigen Weiterbildungs- und Armutsverwaltung betrachtet werden, deren Akquisiteure längst emsig ausgeschwärmt sind, um bis zum 31. Dezember noch genügend Eintrittsmeldungen und Abrechnungslisten für die unterschiedlichsten Kurse mit orientalisch klingenden Namen zu füllen.

Wir werden am Ende die genauen Kosten  dieses einmaligen, bundesweiten Events, "Einstiegskurse für Asylbewerberinnen und Asylbewerber mit guter Bleibeperspektive", erfahren, und daß es als Meilenstein in die Annalen der professionellen Massenververblödung Integrationsarbeit eingehen wird.
Was wir vermutlich nicht erfahren aber möglicherweise erleben werden, ist die Anzahl der Kursteilnehmer, die die ihnen angebotenen Sprachkurse, zu welchem Zeitpunkt und aus welchen Gründen auch immer, abgebrochen haben.

Klar ist, daß das große Geschäftsfeld der beauftragen Träger ein Tummelplatz für viele schwarze Schafe dieser Branche ist, die sich eine solche Carte Blanche wohl kaum entgehen lassen.

Zu hoffen bleibt, daß hier auch Sinnvolles entsteht und genügend Erfahrungen im Umgang mit so "unvorhersehbaren Ereignissen", wie unerwartet plötzlich hereinbrechenden Migrationswellen, gesammelt werden, um irgendwann vielleicht auch der Anhebung der Bildungsstandards mit Steuergeldern zu dienen.



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