Dienstag, 29. Dezember 2015

Warum der 3. Weltkrieg absehbar ist - Paul Craig Roberts

von Paul Craig Roberts
übersetzt von wunderhaft


28. Dezember 2015
Der Zusammenbruch der Sowjetunion im Jahr 1991 gebar eine gefährliche amerikanische Ideologie, die sich Neokonservatismus nennt. Die Sowjetunion diente als Hindernis für das unilaterale Handeln der Vereinigten Staaten. Mit der Beseitigung dieses Hindernisses für Washington erklärten die Neokonservativen ihre Agenda der Weltherrschaft durch die Vereinigten Staaten. Amerika war nun die "alleinige Supermacht", die "einzige Macht", die überall auf der Welt ohne Einschränkung handeln konnte.

Der neokonservative Journalist, Charles Krauthammer, faßte die "neue Realität" wie folgt zusammen:
"Wir haben die überwältigende Weltmacht. Wir sind historisch zu den Hütern des internationalen Systems bestimmt. Als die Sowjetunion fiel, wurde etwas Neues geboren, etwas vollkommen Neues - eine unipolare Welt, beherrscht von einer einzigen Supermacht, die, von keinem Gegner gehindert, maßgeblichen Einfluß auf der gesamten Welt besitzt. Das ist, seit dem Fall Roms, eine umwerfende, neue geschichtliche Entwicklung. Selbst Rom war kein Modell für das, was Amerika heute ist."
Die gigantische unipolare Macht, welche Washington von der Geschichte erhalten hat, muß mit allen Mitteln gesichert werden. Im Jahr 1992 verfaßte der derzeitige Staatssekretär des Pentagon, Paul Wolfowitz, die Wolfowitz-Doktrin, die zur Grundlage von Washingtons Außenpolitik wurde.

Die Wolfowitz-Doktrin erklärt die "Verhinderung des Wiederauferstehens eines neuen Feindes, der, ob auf dem Territorium der ehemaligen Sowjetunion oder anderswo, eine Bedrohung (für das unilaterale militärische Handeln der Vereinigten Staaten) darstellt, zum obersten Ziel der amerikanischen Außen- und Sicherheitspolitik. Das ist die grundlegende Betrachtung, die der neuen Verteidigungsstrategie zugrunde liegt und die unser Bestreben verlangt der Beherrschung einer durch Region jede feindselige Macht vorzubeugen, deren Ressourcen ihr, unter gefestigter Kontrolle, ermöglichen die Weltherrschaft zu erlangen." (Eine "feindselige Macht" ist ein Land, das stark genug für eine von Washington unabhängige Außenpolitik ist.)

Die Geltendmachung der amerikanischen Macht beginnt ernsthaft während des Clinton-Regimes mit der Intervention in Jugoslawien, Serbien und dem Kosovo sowie mit der Einrichtung der Flugverbotszone im Irak. Im Jahr 1997 verfaßten die Neokonservativen ihr “Project for a New American Century”. Im Jahr 1998, drei Jahre vor 9/11, schickten die Neokonservativen einen Brief an Präsident Clinton mit der Bitte um einen Regierungswechsel im Irak und "die Beseitigung Saddam Husseins von der Macht". Die Neokonservativen stellten ihr Programm zur Beseitigung von sieben Regierungen innerhalb von 5 Jahren auf. http://www.globalresearch.ca/we-re-going-to-take-out-7-countries-in-5-years-iraq-syria-lebanon-libya-somalia-sudan-iran/5166

Die Ereignisse des 11. Septembers 2011 werden von informierten Menschen als das "neue Pearl Harbor" betrachtet, das laut den Neokonservativen notwendig war, um ihre Eroberungskriege im Mittleren Osten zu beginnen. Paul O’Neil, Präsident George W. Bushs erster Finanzminister, hat öffentlich erklärt, daß die Invasion des Irak der Tagesordnungspunkt von Präsident Bushs erster Kabinettssitzung gewesen ist. Diese Invasion wurde vor 9/11 geplant. Seit 9/11 hat Washington acht Staaten ganz oder teilweise zerstört und konfrontiert nun Rußland, sowohl in Syrien als auch in der Ukraine.

Rußland kann die Errichtung eines dschihadistischen Kalifats in einer Region, die Syrien/Irak einschließt, nicht dulden, da sie eine Grundlage für den Export von Destabilisierung in muslimische Teile der Russischen Föderation wäre. Henry Kissinger selbst hat diese Tatsache bekundet, und sie sollte jedem vernunftbegabten Menschen hinreichend klar sein. Allerdings, sind die machtbesessenen, fanatischen Neokonservativen, welche die Regimes von Clinton, Bush und Obama kontrollierten, so in ihrer eigenen Hybris und Arroganz gefangen, daß sie bereit waren Rußland an den Punkt zu bringen, an dem sie ihre türkische Marionette ein russisches Flugzeug abschießen ließen sowie die demokratisch gewählte Regierung der Ukraine mit guten Beziehungen zu Rußland zu stürzen und an ihre Stelle ein amerikanische Marionetten-Regierung zu plazieren.

Vor diesem Hintergrund können wir die gefährliche Situation, der die Welt gegenübersteht, und die das Produkt der arroganten Politik von US-Hegemonie der Neokonservativen ist, verstehen. Das Versagen bei der Beurteilung der syrischen und ukrainischen Konflikte sind, wie deren Gefahren, ihrerseits selbst die Konsequenzen aus der neokonservativen Ideologie.

Um die amerikanische Vormachtstellung aufrechtzuerhalten, haben die Neokonservativen die Garantien, die Washington Gorbatschow gegeben hatte, daß nämlich die NATO sich kein Zoll weit nach Osten ausdehnen würde, verworfen. Die Neokonservativen zogen die Vereinigten Staaten aus dem ABM-Vertrag heraus, der bestimmte, daß weder die Vereinigten Staaten noch Rußland antiballistische Raketen entwickeln oder einsetzen würden. Die Neokonservativen verfaßten eine neue Kriegs-Doktrin und erhoben Nuklearwaffen aus ihrer Funktion als Vergeltungswaffen zu präventiv einsetzbaren Erstschlagswaffen. Die Neokonservativen begannen damit  antiballistische Raketenbasen an der russischen Grenze zu errichten und erklärten dies mit der Absicht Europa vor nicht existenten iranischen Interkontinentalraketen schützen zu wollen.

Rußland und Rußlands Präsident, Vladimir Putin, sind von den Neokonservativen und ihren Marionetten in der US-Regierung und den Medien dämonisiert worden. So hat bspw. Hillary Clinton, eine der nominierten Präsidentschaftskandidaten der Demokraten, Putin zum "neuen Hitler" erklärt. Ein ehemaliger CIA-Beamter forderte Putins Ermordung. Präsidentschaftskandidaten aus beiden Parteien wetteifern darum, wer der Aggressivste gegenüber Rußland und der Unverschämteste gegenüber dem russischen Präsidenten ist.

Die Folge war die Zerstörung des Vertrauens unter den Atommächten. Die russische Regierung hat gelernt, daß Washington sich weder an seine eigenen Gesetze und noch weniger an internationales Recht hält, und daß Washington bei der Einhaltung irgendwelcher Vereinbarungen nicht zu trauen ist. Dieser Verlust an Vertrauen hat, gemeinsam mit der gespienen Aggression Washingtons und der presstituierten Medien gegen Rußland, die aus den idiotischen Hauptstädten Europas widerhallt, den Boden für einen Nuklearkrieg bereitet. Da die NATO (im Grunde die Vereinigten Staaten) keine Chance hat Rußland, und noch weniger ein Bündnis aus Rußland und China, in einem konventionellen Krieg zu besiegen, wird der Krieg ein Nuklearkrieg sein.

Um Krieg zu vermeiden, ist Putin nicht provokativ und zurückhaltend in seinen Antworten auf westliche Provokationen. Putins verantwortungsvolles Verhalten, wird von den Neokonservativen jedoch als Zeichen von Schwäche und Angst mißinterpretiert. Die Neokonservativen richten Präsident Obama aus den Druck auf Rußland zu erhalten, um Rußland zum Nachgeben zu bewegen. Allerdings hat Putin verkündet, daß Rußland nicht nachgeben wird. Putin hat dies bei vielen Gelegenheiten erklärt. Zum Beispiel sagte Putin am 28. September 2015, zum 70-jährigen Bestehen der Vereinten Nationen, daß Rußland die weltweiten Umstände nicht länger dulden werde. Zwei Tage später übernahm Putin das Kommando über den Krieg gegen ISIS in Syrien.
 
Die europäischen Regierungen, insbesondere die Deutschlands und des Vereinigtem Königreichs, sind mitschuldig für den Weg zum Atomkrieg. Diese beiden amerikanischen Vasallenstaaten ermöglichen Washingtons unverantwortliche Aggression gegen Rußland, indem sie Washingtons Propaganda wiederholen und Washingtons Sanktionen und Interventionen gegen andere Staaten unterstützen. So lange Europa nichts als ein verlängerter Arm Washingtons bleibt, werden die Aussichten auf Armageddon kontinuierlich steigen.

Derzeit kann ein Nuklearkrieg nur auf zwei Wegen verhindert werden. Ein Weg besteht in der Kapitulation Rußlands und Chinas und der Akzeptanz der Vorherrschaft Washingtons. Der andere Weg ist, für einen unabhängigen Führer in Deutschland, dem Vereinigten Königreich oder Frankreich, sich in sein Amt zu erheben und aus der NATO auszutreten. Das wäre der Beginn einer Massenflucht aus der NATO, welche Washingtons Hauptinstrument für Kriegsgründe mit Rußland und, dadurch, die gefährlichste Macht auf Erden für die europäischen Staaten und die gesamte Welt ist. Wenn die NATO weiterhin existiert, wird die Nato, gemeinsam mit der neokonservativen Ideologie der amerikanischen Vorherrschaft, den Nuklearkrieg unumgänglich machen.



Quelle: http://www.paulcraigroberts.org/2015/12/28/why-wwiii-is-on-the-horizon-paul-craig-roberts/



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