Mittwoch, 9. März 2016

Das Finanzsystem ist eine größere Bedrohung als der Terrorismus - Paul Craig Roberts

von Paul Craig Roberts
übersetzt von wunderhaft


8. März. 2016
Im 21. Jahrhundert sind die Amerikaner von dem immens teuren "Krieg gegen der Terror" abgelenkt worden. Die Steuerzahler sind mit Billionen von Dollars  zusätzlich belastet worden und der Anteil des militärischen Sicherheitskomplexes daran betrug viele Milliarden Dollar, um belanglose fremde Bedrohungen, wie die Taliban, zu bekämpfen, die auch nach 15 Jahren unbesiegt bleiben. In dem gesamten Zeitraum hat das Finanzsystem, Hand in Hand mit politischen Entscheidungsträgern, den Amerikanern mehr Schaden zugefügt als Terroristen es könnten.

Die Absicht der Null-Zinspolitik der Federal Reserve und des US-Schatzamtes besteht in der Unterstützung der Preise mittels überbewerteten und betrügerischen Finanzinstrumenten, die stets von unregulierten Finanzsystem geschaffen werden. Würde die Inflation angemessen bewertet, wären diese Null-Zinsen Negativzinsen, was nicht nur bedeutet, daß Ruheständler keinen Gewinn aus ihrer Altersvorsorge erzielen, sondern daß Sparen ein Verlustgeschäft ist. Anstatt Zinsen auf ihre Ersparnisse zu bekommen, zahlen sie Zinsen, die den Wert ihrer Ersparnisse mindern.

Zentralbanken, neoliberale Ökonomen und die presstituierten Finanz-Medien befürworten Negativzinsen, um die Menschen zu zwingen Geld auszugeben anstatt zu sparen. Die Idee ist, daß die schwache wirtschaftliche Entwicklung nicht der verfehlten Wirtschaftspolitik geschuldet sei, sondern der Hortung ihres Geldes durch die Menschen. Die Federal Reserve und ihre Seilschaften aus Ökonomen und Presstituierten halten die Fiktion zu hoher Ersparnisse aufrecht, obwohl nach dem eigenen Bericht der Federal Reserve 52% der Amerikaner keine 400 Dollar aufbringen können ohne persönliches Eigentum zu verkaufen oder sich Geld zu leihen. http://www.federalreserve.gov/econresdata/2013-report-economic-well-being-us-households-201407.pdf

Negativzinsen, die in einigen Ländern wie der Schweiz eingeführt worden sind und in anderen Ländern angedroht wurden, haben die Menschen veranlaßt die Gebühren für ihre Spareinlagen durch deren umfangreiche Stückelung zu vermeiden. In der Schweiz beispielsweise ist die Nachfrage nach 1.000,- Franken Scheinen extrem gestiegen. Diese umfangreiche Stückelung beträgt mittlerweile 60% des sich in Umlauf befindlichen Geldes.

Die Reaktion der Kontoinhaber auf Negativzinsen hat dazu geführt, daß neoliberale Ökonomen, wie Larry Summers, die Abschaffung großer Banknoten forderten, um es den Menschen zu erschweren ihr Bargeld außerhalb der Banken aufzubewahren.

Andere neoliberale Ökonomen, wie Kenneth Rogoff, wollen das gesamte Bargeld durch elektronisches Geld ersetzten. Elektronisches Geld kann, außer durch eine Spende, nicht von Konten abgehoben werden. Mit elektronischem Geld als einziges Zahlungsmittel sind die Finanzinstitute in der Lage die Spareinlagen ihrer Kunden zu plündern.

Die Menschen würden versuchen in Gold und Silber zu flüchten, aber andere Zahlungs- und Aufbewahrungsmittel würden verboten werden, und die Regierung würde Durchsuchungen durchführen, um die Ablehnung des Gebrauchs elektronischen Geldes mit harten Strafen unterdrücken.

Was dieses Bild zeigt ist, daß die Regierung, die Ökonomen und die Presstituierten sich gegen die Bevölkerung vereint haben um die finanzielle Unhabhängigkeit des Staates über den Zugriff auf die persönlichen Spareinlagen der Bürger zu erreichen. Die politischen Entscheidungsträger haben eine verrückte Wirtschaftspolitik, und jene, die die Ihr Wohlergehen kontrollieren schmieden Ränke anstatt es zu wertzuschätzen.

Das ist das Schicksal von Menschen in sogenannten Demokratien. Jede verbliebene Kontrolle, die sie über Ihr Leben haben, wird ihnen genommen. Die Regierungen dienen ein paar wenigen mächtigen Interessengruppen, deren Pläne auf die Zerstörung ihrer Gastländer hinauslaufen. Die Auslandsverlagerung mittelständischen Arbeitsplätze überträgt Einkommen und Wohlstand der Mittelklasse an die Führungskräfte und Eigentümer des Unternehmens, jedoch zerstört es auch den einheimischen Verbrauchermarkt für die ausgelagerten Produkte und Dienstleistungen. Wie Michael Hudson schreibt, tötet sie den Wirt. Die Finanzialisierung der Wirtschaft tötet den Wirt und die Eigentümer der Unternehmen ebenso. Wenn Unternehmensvorstände sich bei Banken verschulden und sich, um die Aktienkurse und ihre Boni zu erhöhen, öffentliches Eigentum aneignen, werden aus künftigen Gewinnen Zinszahlungen an Banken. Die Einnahmen der Unternehmen werden finanzialisiert. Wenn die künftigen Gewinne ausbleiben, können die Unternehmen, wie bei Hausbesitzern, zwangsversteigert werden, und die Banken werden zu den Eigentümern der Unternehmen.

Während der Auslandsverlagerung von Arbeitsplätzen und der Konvertierung von immer mehr Einkünften in Zinszahlungen bleibt immer weniger für die Investition in Güter und Dienstleistungen übrig. Hierdurch bleibt das Wirtschaftswachstum aus und es kommt zu einem langfristigen Verfall. Derzeit können viele Amerikaner ihre Dispositionskredite nur mit Minimalzahlungen bedienen. Das Resultat ist ein massives Anwachsen der Schulden, die niemals beglichen werden können. Es sind jene Menschen, die kaum in der Lage sind ihre Schulden zu begleichen, welche mit drakonischen Strafen belegt werden. So wie es die Kreditkartenunternehmen derzeit handhaben beträgt der Jahreszinssatz für die nächsten sechs Monate 29,49%, falls sie eine Rate verspätet einzahlen.

In Europa sind gesamte Länder zahlungsunfähig. Griechenland und Portugal sind durch Staatsanleihen und Sozialversicherungssysteme in die Zahlungsunfähigkeit getrieben worden. Es sind so viele Frauen in die Armut getrieben worden, daß der Stundenlohn für Prostituierte auf 4,12 Dollar gesunken ist.
     
In der gesamten westlichen Welt ist das Finanzsystem zum Ausbeuter der Menschen geworden und ein Wohlfahrtsverlust für die Volkswirtschaften. Es gibt nur zwei mögliche Lösungen. Eine besteht darin die großen Banken in kleinere lokale Körperschaften umzuwandeln, wie sie bestanden bevor ihre Konzentration durch die Deregulierung gefördert wurde. Die andere ist sie zu verstaatlichen und sie ausschließlich für den allgemeinen Wohlstand der Bevölkerung zu betreiben.

Die Banken sind momentan für beide Lösungen zu mächtig. Aber Gier, Betrug und das selbstsüchtige Verhalten der, von Regierungen begünstigten und unterstützten, westlichen Finanzsysteme, kann zu einem solchen Zusammenbruch des wirtschaftlichen Lebens führen, daß die Idee eines privaten Finanzsystems in Zukunft so abscheulich sein wird, wie es der Nationalsozialismus heute ist.

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Dr. Paul Craig Roberts war stellvertretender Finanzminister und Mitherausgeber des Wall Street Journal. Er war Kolumnist für Business Week, Scripps Howard News Service und Creators Syndicate. Er hatte viele Universitätsprofessuren inne. Seine Internet-Kolumnen genießen weltweites Ansehen. Roberts letzte Bücher sind The Failure of Laissez Faire Capitalism and Economic Dissolution of the West, How America Was Lost und The Neoconservative Threat to World Order




letzte Änderung: 10. 03. 2016, 09:55 Uhr

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