Freitag, 18. März 2016

Unternehmen Barbarossa 2: Das baltische Gambit - Christopher Black

von Christopher Black / via NEO
übersetzt von wunderhaft


29. Februar 2016
Am Freitag, dem 26. Februar, nur einen Tag vor dem der eingeschränkte Waffenstillstand in Syrien in Kraft getreten ist, hat der Atlantikrat, der herausragende NATO-Think Tank, einen Bericht über die Bereitschaft des NATO-Bündnisses für das erfolgreiche Führen eines Krieges gegen Rußland herausgegeben. Das Augenmerk dieses Berichts liegt auf den baltischen Staaten.

Der Bericht mit dem Titel "Alliance at Risk" (Das gefährdete Bündnis) trägt den Untertitel "Die Stärkung der europäischen Verteidigung in einem Zeitalter von Turbulenz und Wettbewerb". Mehrere Ebenen von Verzerrungen, Lügen und Phantastereien verdecken freilich die Tatsache, daß es NATO-Staaten sind, die die Turbulenz vom Mittleren Osten bis zur Ukraine verursacht haben. Die NATO ist in diesem Bericht für nichts verantwortlich, außer für die "Friedenssicherung". Rußland ist der oberste Aggressor, der beabsichtigt die Sicherheit Europas zu unterminieren, ja sogar Europa anzugreifen. Eine "existentielle Bedrohung", auf deren Abwehr sich die NATO vorbereiten muß.

Ein interessantes Bild, das genau unter dem Titel erscheint, ist das Loge der Airbus-Gruppe, dessen Buchstaben so groß wie die des Titels sind und den Hinweis enthält, daß diese Veröffentlichung ein gemeinsames Produkt des Brent Scowcroft Center on International Security und der Airbus-Gruppe sei.

Hier haben Sie es, ein Logo der Großindustrie verflochten mit der US-Militärmaschinerie; ein Portrait der prinzipiellen Charakteristik des westlichen Faschismus, der Verflechtung und gemeinsamen Macht von westlichen Unternehmen und dem militärischen Komplex.

Das Scowcroft Center ist nach dem amerikanischen General Brent Scowcroft benannt, der, unter vielem anderen, der nationale Sicherheitsberater von Präsident Ford und Bush sowie in letzter Zeit Berater von Präsident Obama war und ein langjähriger Kollege von Henry Kissinger ist. General Scowcroft ist noch aus einem anderen Grund interessant, weil er am 11. September 2002 an Bord einer US Air Force E-4B war, die auch als das National Airborne Operations Command Center (deutsche Erklärung / Anm. d. Übers.) bekannt ist.

Die E-4B ist die militarisierte Version einer Boeing 747. Ihr Zweck ist dem amerikanischen Präsidenten, Vizepräsidenten und dem gemeinsamen Oberkommando der Streitkräfte einen fliegenden Kommandoposten zur Verfügung zu stellen, der dazu benutzt werden kann Kriegspläne auszuführen und Regierungsoperationen während eines nationalen Notstandes zu koordinieren.

Das Flugzeug stand auf dem Rollfeld auf der Andrews Air Force Base, außerhalb von Washington D.C., und wartete auf den Start zur Offut Airbase in Nebraska, der Zentrale des Strategic Air Command, als das erste Flugzeug ins World Trade Center in New York einschlug.
 
Angeblich war die E-4B vorgesehen an einer zuvor geplanten militärischen Übung namens Global Guardian teilzunehmen, die einen vorgetäuschten Atomkrieg umfasste, jedoch wurde nur ein paar Minuten nach dem Start das Pentagon von irgendeinem Flugobjekt getroffen, und die E-4B wurde umgehend von der angeblich geplanten Übung abgezogen und wurde tatsächlich zum Kommando- und Kontrollzentrum der Regierung. Dann setzte sie ihren Flug zur Offutt Air Base in Nebraska fort und brachte Scowcroft zu seinem ursprünglichen Bestimmungsort, an dem später Präsident Bush und seine Mitarbeiter zu ihm stießen.

Scowcroft wurde dann zum Leiter des Foreign Intelligence Advisory Board berufen und wurde Berater und Freund von Präsident Bush. Er war kein Mitglied der bewaffneten Streitkräfte, da er bereits ausgeschieden war. Er war Zivilist. Es war Sowcroft, der später den alleinigen Angriff der USA auf den Irak kritisierte und der eine "Koalition" zur Invasion forderte, anstatt den USA nur Rückendeckung zu geben, wie später schließlich durchgesickert ist.

Weder seine Anwesenheit an Bord der E-4B an diesem Tag noch warum diese kurz vor dem Angriff auf das World Trade Center für eine angebliche militärische Übung, die einen möglichen Atomkrieg umfaßte, vorbereitet worden ist wurde jemals zufriedenstellend erklärt.

Ich schweife ab, aber ich bin sicher, daß Sie es mir nicht verübeln können, seitdem ist meine These, daß das NATO-Bündnis eine Serie von Aktionen nach Methoden der hybriden Kriegsführung in den baltischen Staaten inszenieren oder Ansichten herstellen wird, die dazu benutzt werden einen neuen Mythos zu schaffen, der Krieg rechtfertigt, den Mythos, daß Rußland versucht das Baltikum einzunehmen.

Der Bericht ist konzipiert um speziell die betroffenen europäischen Regierungen, das sind Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien, Polen und Norwegen, mit Propaganda über die Konfrontation mit einer "Bedrohung" durch Rußland zu versorgen, mit denen sie die Bevölkerung über die Medien, von denen sie die meisten kontrollieren, füttern können, um eine Erhöhung der Militärausgaben und der Streitkräfte zu rechtfertigen.

Der Bericht erklärt auf Seite 6:
"Die russische Invasion auf der Krim, die Unterstützung der Separatisten und die Invasion in der Ostukraine haben Europas Vereinbarungen nach dem Kalten Krieg faktisch zerrissen.Präsident Putin hat alle Gedanken an eine strategische Partnerschaft mit der NATO zunichte gemacht; stattdessen ist Rußland nun ein tatsächlicher Gegner. Noch gefährlicher ist, daß die Bedrohung potentiell existent, weil Putin eine internationale Dynamik geschaffen hat, die Rußland auf einen Kollisionskurs mit der NATO bringen könnte. Im Zentrum dieser Kollision stünde die maßgeblich russisch sprechende Bevölkerung der Baltischen Staaten, deren Interessen vom Kreml benutzt werden, um aggressive Handlungen Rußlands zu rechtfertigen. Nach Artikel 5 des Nordatlantikpakts würde jede militärische Bewegung von Putin auf den Baltischen Staaten einen Krieg, möglicherweise nuklearen Ausmaßes, auslösen, weil die Russen Atomwaffen in jeden Aspekt ihrer Militärplanung integriert haben."
Dies bekräftigt die Warnungen, die im gesamten vergangenen Jahr vor einer Bewegung der NATO in den Baltischen Staaten, gerechtfertigt durch von der Nato ausgeführte hybride Kriegsoperationen unter falscher Flagge, gemacht worden sind, wie ich verschiedentlich in anderen Essays betont habe. Dies wird in der Stellungnahme des Berichts unterstrichen: "um Rußland vor jedem Eingriff in die Baltischen Staaten abzuschrecken, sollte die NATO eine dauerhafte Präsenz in der Region etablieren... um einem russischen Handstreich vorzubeugen ..."

In dem gesamten Bericht handelt es sich bei dem amgenommenen Feind um Rußland. Jedes einzelne Kapitel, das jeweils von einem erfahrenen Militäranalysten der betroffenen Länder geschrieben worden ist, enthält die Standardpropaganda über Rußland, und daß Europa verletzlich sei und den russischen Horden anheimzufallen droht. (Das Kapitel über die Situation in Deutschland wurden von Dr. Patrick Keller, dem Koordinator für Außen- und Sicherheitspolitik der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin, verfaßt. Der CDU-nahen und, meiner Meinung, kriminellen Organisation also, die den Putsch in Kiew aktiv unterstützt, vorbereitet und, auch von unseren Steuergeldern, mitfinanziert hat. / Anm. d. Übers.)

Das Maß an Intelligenz, welches sie der Öffentlichkeit zutrauen, muß sehr gering sein, wenn sie wirklich annehmen, daß so ein phantastisches Dokument ernsthaft für eine Beschreibung der Wirklichkeit und ihre Absichten für irgend etwas minderes als kriminell gehalten werden könnten. Jede intelligente Person, der man ein solches Dokument aushändigte, würde es automatisch in den den Müll werfen um es zu vernichten, aber dann würde sie es umgehend zurückholen und einen zweiten Blick darauf werfen, weil sie uns dort sagen was sie tun, was sie vorbereiten. In meinem letzten Essay schrieb ich, daß die derzeitig Erhöhung von NATO-Truppen, die besonders in Osteuropa einige Ähnlichkeit mit der Truppenaufstellung der Nazis vor der Invasion Rußlands im Jahr 1941, dem Unternehmen Barbarossa, aufweist, tatsächlich ein Barbarossa 2 ist.

Dieser neue Bericht unterstützt die Erwartung gefährlicher Umstände in den Baltischen Staaten, für die Rußland beschuldigt werden wird. Es ist wahrscheinlich kein Zufall, daß der Bericht kurz vor dem Inkrafttreten des syrischen Waffenstillstandes veröffentlicht wurde. Die Vereinigten Staaten, von den Syrern, den Russen, den Iranern und deren Verbündeten ausgetrickst, ausgespielt und ins Aus gekämpft, mußten diesmal einem Waffenstillstand stattgeben. Aber die Amerikaner haben bereits über ihren Plan B gesprochen, der Aufteilung Syriens, die von jeher ihr Ziel war. Wie können erwarten, daß sie den Waffenstillstand mit Worten und Kämpfen unterminieren werden, indem sie Rußland beschäftigt halten. Sowohl in Syrien als auch durch fortgesetzte Spannungen im Donbass sowie durch die Schikanierung deren Alliierten, China und den Iran. Und nun können wir die Eröffnung einer neuen Front in den Baltischen Staaten erwarten. Welches Gambit die NATO anwenden wird, um diese Front zu schaffen, kann niemand sagen, aber es wird eines geben – die baltische Eröffnung.

Sicherlich versteht sich das fast von selbst, aber ich werde dennoch wiederholen, daß dies nach internationalem Recht alles illegal ist, unter der Charta der Vereinten Nationen, welche die ausschließlich akzeptablen Wege zur Beilegung internationaler Streitigkeiten vorschreibt. Gemäß dem Römischen Statut könnte dieses Dokument als Beweismittel in einem Verfahren wegen des Vorwurfs einer Verschwörung zur Begehung von Kriegsverbrechen gegen seine Verfasser verwendet werden. Aber ich bezweifle, daß die Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofs eine Kopie anfordern wird um sie zu lesen und eine Anklage zu formulieren. Die Anklägerin des Gerichts wird absolut nichts tun, obwohl all das alles direkt vor ihren Augen geschieht und Länder beteiligt sind, für die sie zuständig ist.

Der letzte besorgniserregende Aspekt des Dokuments ist, daß es die nukleare "Modernisierung" fordert, womit Aufrüstung und der verstärkte Bau von Atomwaffen und Transportsystemen gemeint ist, eine Forderung nach mehr Nuklearwaffen von den Ländern, die seit Monaten Nordkorea dafür angreifen solche Waffen zu besitzen. Ihr müßt sie ihnen geben; sie haben starke Nerven. Das Problem ist, daß sie zu weit gegangen sind und es tatsächlich den Eindruck macht, daß sie wahnsinnig sind.

Was kann Rußland also machen? Nun, sie haben den amerikanischen Bluff in Syrien durchschaut, warum tun sie es also nicht noch einmal? Auf dieser Welt kann es keinen Frieden geben, solange nicht Frieden das einzige Mittel für Lösungen ist. Der einzige Weg um das zu erreichen ist die Vernichtung von Nuklearwaffen, damit keine Nation irgendein anderes existentiell bedrohen kann. Das französische Kapitel des Berichts teilt erfreut mit, daß die Gruppen für nukleare Abrüstung in Frankreich sich nicht einmal mehr über die Erwähnung der Thematik stören und daher nur wenig Widerstand von dieser Seite zu erwarten sei. Das gilt für die ganze Welt. Wenn jedoch Rußland den Mut aufbrächte eine gegenseitige Abrüstung zu fordern, würde eine Zurückweisung der Amerikaner die Notwendigkeit der nuklearen Abrüstung unterstreichen und aller Welt klarmachen wer der wahre Aggressor ist. Andernfalls ist es wie das Gambit vom Balkan, und all das wird folgen.


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Cristopher Black ist ein internationaler Strafrechtler mit Sitz in Toronto. Er ist Mitglied der Law Society of Upper Canada und ist bekannt für einige spektakuläre Fälle bezüglich Menschenrechten und Kriegsverbrechen, besonders für das Online-Magazin "New Eastern Outlook"



Quelle: http://journal-neo.org/2016/02/29/operation-barbarossa-2-the-baltic-gambit/

zuletzt geändert: 18. 03. 2016, 15:40 Uhr

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