Montag, 18. April 2016

Ein Brief aus Afghanistan

Von Ian Greenhalgh
Übersetzt von wunderhaft


17. April 2016
Wir erhielten diesen Brief von einem Leser aus Afghanistan, und er hat uns wirklich berührt. Eine herzzerreißende Geschichte, die die Gleichgültigkeit und das Leid der Kriegsmaschinerie offenlegt. Wir fühlen nicht nur mit Herrn Stanekzai, sondern mit allen Afghanen, einem Volk, das seit 1979 keinen Frieden kennt und die völlige Verwüstung seiner Nation erlebt hat. 



Afghanische Übersetzer oder Verräter


Sehr geehrter Mr. Duff,

mein Name ist Abdel Halim Stanekzai. Ich schreibe Ihnen aus Afghanistan. Ich bin ein alter Mann von 74 Jahren. Ich wurde ich in Kalifornien in den Vereinigten Staaten ausgebildet, als ich Ende zwanzig war. Ich verfolge ihre Website seit vielen Jahren. Obwohl ich , da ich älter und viel schwächer bin, nicht so viel Geduld und Kraft habe sie häufig zu lesen. Allerdings fühle ich mich verpflichtet dies aufzuschreiben, bevor ich zu schwach bin um überhaupt noch zu schreiben.

Ich hoffe, daß sie so liebenswürdig sind und diesen Artikel in Gänze veröffentlichen. Ich wäre dankbar dafür. Dieser Artikel ist mir wichtig, seit meine Familienmitglieder bei einem US-Bombenangriff in Sah-e-kot umgekommen sind, während Übersetzer mit ihrem verräterischen und betrügerischen Verhalten sich an ihrem Judaslohn erfreuen und in manchen Fällen mit dem Bärendienst an ihrer Heimat (Vaterland) prahlen.

Mit dem Truppenabzug aus Afghanistan begannen die Vereinigten Staaten ein mit einem massiven Abzugsprogramm, daß über 20000 afghanische Übersetzer miteinbezog, die für die Amerikanischen Streitkräfte übersetzt haben. Diese Übersetzer wurden mit ihren Familien in die VS umgesiedelt um ihre Sicherheit zu gewährleisten. Ihre Auswanderung erzeugte große Freude bei jenen, die den Interessen der VS gedient haben. Die Regierung der VS versorgte diese Neuankömmlinge mit Wohnungen, Aufwendungen und sogar mit Arbeitsplätzen, wie Freunde aus Kalifornien mir berichtet haben.

Unglücklicherweise waren die Menschen vergeßlich oder haben sich entschlossen das Verhalten dieser Übersetzer zu vergessen oder wollen, nach all den abscheulichen Verbrechen, welche die Streitkräfte der VS begangen haben, nicht wissen wessen Instrument sie waren. Ich möchte sie nicht vorschnell verurteilen. Immerhin lebe ich in Afghanistan und begreife, daß es keine Aussichten auf Chancen gibt und besonders daß die Warlords und die Söldner-Unternehmen der Vereinigten Staaten Milliarden verschleudert, in die eigenen Taschen gesteckt und mißbraucht haben.

Die jungen Leute, besonders die mit schwachen moralischen Werten, haben gierig nach schnellen Lösungen für ihre Zukunft gesucht. Der Übersetzer-Job ermöglichte ihnen diesen schnellen, positiven finanziellen Aufstieg für ihre Zukunft. Besser noch, die Aussicht auf die Umsiedlung in die Vereinigten Staaten war der ultimative Preis, den diese Übersetzer so gierig ersehnt hatten.

Auch wenn ich das Rationale hinter ihrer Entscheidung, als Übersetzer zu dienen, verstehe, haben einige von ihnen gemeinsam mit Spezialeinsatzkräften der VS grauenhafte Verbrechen begangen, während andere dabei zuschauten und geschwiegen haben. Es ist nötig daran zu erinnern, daß dieser jahrzehntelanger Krieg jede Atmosphäre für eine angemessene moralische Erziehung unter diesen jungen Menschen ausgelöscht hat. Deshalb existierte für sie keine moralische Meßlatte, die bei dieser Art von Entscheidung benötigt wird. Die Streitkräfte der Vereinigten Staaten haben abscheuliche Massenmorde und einzelne Hinrichtungen begangen und betrieben die Ermordung von Zivilisten in einigen Fällen als Sport.

Diese Übersetzer waren dabei, haben all diese verbrecherische Verhalten wahrgenommen und geschwiegen, nur um einen Weg zu finden das Land zu verlassen. Es ist erwähnenswert, daß gegen eine Einheit der VS-Streiträfte ermittelt wurde, die afghanische Zivilisten ermordet hat und Körperteile von ihnen als Souvenirs behielt. Es sind Fälle bekannt in denen örtliche Übersetzer sich an Morden beteiligt haben um einen vorteilhaften Status in den VS-Streitkräften zu erlangen.

Auf jeden Fall sind sie, ungeachtet der Entschuldigung sie vorbringen, schuldig.

Die Schuldigsten unter ihnen sind jene, die aus den Vereinigten Staaten kamen und aus Gier nach Reichtum Hundetausende Dollar machten. Diese in den VS beheimateten Übersetzer hatten keine andere Rechtfertigung als sich selbst zu bereichern und das Übersetzen erschien diesen Leuten als Melkkuh dafür. Diese afghanischen Amerikaner waren entweder unausgebildet und arbeiteten in Restaurants oder im Dienstleistungsgewerbe oder junge Leute ohne Zukunftsaussichten, weil sie kein College besuchen wollten und keine Pläne für ihre Weiterbildung hatten.

Das Übersetzen erschien ihnen die beste Option zu sein. Unglücklicherweise gehörte der Großteil dieser Afghanen einer afghanischen Minderheit an, die Dari spricht, hatte nur wenig oder gar keine Kenntnisse der paschtunischen Sprache und viele von ihnen hatten auf Grund ihrer Unkenntnis Vorurteile gegenüber Paschtunen. Darum waren diese Nicht-Muttersprachler bei der Bezichtigung vieler gewöhnlicher Paschtunen als Taliban behilflich und ermöglichten die Gefangennahme von normalen Menschen zu Hunderten.

Schließlich sind sehr wenige Afghan-Amerikaner stolz auf ihren Bärendienst an ihrem Heimatland. Es gibt nur ein Individuum, dessen Beiträge ich auf Ihrer Website verfolgt habe, und das stolz darauf ist jenem VS-Kommandeur gedient zu haben, der Tausende Menschen in afghanischen Dörfern im Tal von Shah-e-Kot ermordet hat. Die Person, auf die ich verweise, ist Khalil Nouri. Die VS-Operation in Shah-e-Kot, bei der er diente, nannte sich Operation Anaconda.

In dieser Operation wurden die Streitkräfte der VS besiegt, allerdings griffen sie daraufhin, wie üblich, zum Massenmord an Zivilisten. Khalil Nouri diente als Übersetzer bei Lieutenant Gerenal Franklin Hegenbeck. Dieser General vernichtete die Dörfer Sirkankel und Marzak in Shah-e-Kot. In der Folge kamen Tausende Zivilisten ums Leben, einschließlich meines Sohnes, meiner schwangeren Tochter, meines Enkelsohns und drei weiteren Verwandten.

Nun  stellt sich die Frage, welche Art Mensch stolz darauf wäre bei einem Massenmord an seinen eigenen Leuten gedient zu haben? Khalil Nouri behauptet Paschtune zu sein, aber das Zeugnis worauf er am stolzesten ist, ist sein Dienst unter General Franklin Hegenbeck, der die Vernichtung von Afghanischen Dörfern befohlen hat, bei der ich 6 Familienmitglieder verloren habe, die alle Zivilisten waren.

Nach meinen kontinuierlichen Befragungen meiner afghanischen Mitbürger meines Alters und älteren, besonders unter dem Mohammadzai Clan in Kabul und Kandahar, stolperte ich über eine sehr verblüffende Information, die erklären könnte warum Khalil Nouri stolz darauf ist ein Übersetzer/Verräter von General Frankling Hegenbeck gewesen zu sein.


Die kurze Antwort ist, daß das Familienoberhaupt seiner Familie dem sein Vater entstammt Hermaphrodit gewesen ist. Der Patriarch von Khalil Nouris Familie war Yahya Khan. Seit die afghanische Kultur zu einer ultrakonservativen Kultur geworden ist, würde ein Vater niemals die genetischen Fehler  seines Sohnes offenbaren wollen. Deshalb wurde Yahya Khan, als er heiratsfähig war, an eine Frau verheiratet. Doch wurde einem Hausdiener, einem Sikh indischer Abstammung, dessen Spitzname Sik-e-pai kata, der Sikh mit den großen Füßen, war, angeordnet mit Yahya Khans Frau zu schlafen, damit die Abstammungslinie fortgesetzt werden konnte ohne seinen genetischen Fehler zu offenbaren. Folglich gebar Yahya Khans Frau einen Sohn namens Yousef Khan.

Ein wahrer Paschtune wäre niemals stolz darauf einem Massenmörder wie VS-General Franklin Hegenbeck zu dienen, während er Mittäter beim Massenmord an seinem eigenen Volk ist. Nur eine unrechtmäßige Abstammung, oder wie wir auf Paschtu dazu sagen,‘da Haramoonee weena’, und Khalil Nouri hat diese unrechtmäßige Abstammung durch seine Genealogie bewiesen, befähigte ihn zu einem Verräter zu werden und stolz auf seinen Dienst unter General Franklin Hegenbeck zu sein, dem Mörder der Menschen in Shah-e-Kot. Als einer der Alten hier in Afghanistan, leben wir unter dem Verhaltenskodex der Paschtunwali.

Nach dieser Verhaltensnorm werden Leute wie Khalil Nouri nicht anders als Verräter betrachtet. Ich halte es für mein Recht ihn bloßzustellen, weil ich Familienmitglieder verloren habe und Verräter wie er sich mit ihren Verbrechen brüsten. Trotz meines Verlustes bin ich so gnädig den Dreck von Khalil Nouris Familie nicht weiter zu bloßzustellen. Sollte ich jedoch irgendeine negative Reaktion von ihm sehen, werde ich die nicht-paschtunischen Wurzeln seines Vaters und seiner Mutter sowie die Komplizenschaft seines Bruders beim Drogenhandel mit amerikanischen Kongreßabgeordneten aufdecken. Entscheiden Sie selbst.


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Jan Greenhalgh ist Fotograf und Historiker mit einem besonderem Interesse an Militärgeschichte und den tatsächlichen Gründen von Konflikten.

Sein Studium der Geschichte und der Medienwirtschaft haben ihm einen tiefen Einblick in den Gebrauch der Massenmedien beim Erzeugen von Konflikten in der Moderne ermöglicht.

Seine bevorzugten Studiengebiete umfassen staatlich finanzierten Terrorismus, von Medien hergestellte Realität und die Rolle von Geheimdiensten bei der Manipulation der Bevölkerung und der Wahrnehmung von Ereignissen.   Quelle: http://www.veteranstoday.com/2016/04/17/letter-from-afghanistan/ 

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