Sonntag, 15. Mai 2016

Syrien: Islamisten streben die Rückeroberung von Palmyra an

Von Ian Greenhalgh / via VT am 14. Mai. 2016
Übersetzt von wunderhaft

Verschiedene Quellen berichteten übereinstimmend von einer plötzlichen Gegenoffensive der militanten Islamisten in Syrien, die versuchen eine strategisch wichtige Route zwischen Palmyra und Homs zu unterbrechen. Der drohende Verlust von Palmyra könnte Moskau in eine ausgedehnte Militäroperation ziehen, deren Ziel die beständige Kontrolle über das Weltkulturerbe ist.


Palmyra wurde am 27 März durch die syrische Regierung von ISIS befreit.

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SERGEI STROKAN, MAXÍM YUSIN, IVAN SAFRONOV, KOMMERSANT

Wie die in London ansässigen Organisation, Syrian Observatory for Human Rights, berichtete, ist es Milizen von ISIS gelungen die Straße zwischen Homs und Palmyra abzuschneiden und die Versorgungsroute der Regierungstruppen zu unterbrechen.
"Die gewaltsamen Konflikte zwischen Regierungstruppen und Daesh [der arabische Name für ISIS - Kommersant] dauern an", sagte der Leiter der Organisation, Rami Abdel Rahman, der die auf Palmyra vorrückenden Kämpfe als "Teil von ISIS größtem Angriff nach der Zurückeroberung von Palmyra durch die Armee mit russischer Hilfe" beschrieb.
Nach der Quelle von Kommersant aus dem russischen Generalstab, gelingt die Kontrolle der Straße zwischen Homs und Palmyra durch die Mobilisation verfügbarer Kräfte, trotz der südlich der Stadt ausgebrochenen Kämpfe (der jüngste fand nahe eines Luftwaffenstützpunkts 45 Meilen vor Palmyra statt).
"Die Straße stehe, ebenso wie die Stadt, unter ständiger Beobachtung", sagte er. "Wenn nötig werden Kampfflugzeuge beim Schutz strategisch wichtiger Orte eingesetzt, unsere Spezialisten arbeiten dort."
Am 11. Mai bestätigte das russische Verteidigungsministerium den Tod des russischen Soldaten Anton Yerygin, der in der Provinz Homs schwer verwundet wurde, als er dort einen Konvoi von Fahrzeugen des russischen Zentrums zur Aussöhnung der sich bekämpfenden Gruppen begleitete.

Yerygin wurde in ein Krankenhaus gebracht, wo die Ärzte zwei Tage lang erfolglos um sein Überleben kämpften. Das Verteidigungsministerium berichtete dem Kommersant außerdem, daß der Soldat posthum mit einem Staatspreis geehrt wurde.


Erhält der Islamische Staat erneut Auftrieb?

Der Verlust von Palmyra war die ernsthafteste Niederlage für ISIS an der syrischen Front, und der Versuch der Rückeroberung verlorener Gebiete erscheint nachvollziehbar.

Vor einem Jahr, als ISIS sich auf den Ersten Angriff auf Palmyra vorbereitete, sagten Experten, daß die Besonderheit an Palmyra darin liege, daß sie einfach einzunehmen aber schwer zu halten sei. Sie hatten Recht: Ende Mai 2015 nahm ISIS die Stadt buchstäblich widerstandslos ein und befestigten sie.

Palmyra ist derzeit eine Oase in der Wüste, die einfach von der Kommunikation abzuschneiden ist, jedoch erfordert es eine zu hohe Anzahl von Truppen um das Umland verteidigen. Für die Unterstützer des syrischen Präsidenten, Bashar al-Assad, ist es heute nicht leicht solche Streitkräfte in der gefährlichen Region zu konzentrieren.

Die Regierungstruppen, die signifikante Verluste während des Bürgerkriegs erlitten haben, sind gezwungen eine große Anzahl oppositioneller Gruppen zur selben Zeit zu bekämpfen – einschließlich in Aleppo, wo sich die Situation in den vergangenen Wochen ernsthaft verschlechtert hat.

Wenn die Ereignisse beim Vormarsch auf Palmyra für Damaskus eine unglückliche Wendung nehmen, ist es möglich, daß Assads Armee nicht genügend Stärke haben wird um die historische Stadt bei einem Angriff zu verteidigen.


Palmyra: ein Krieg der Symbole

In Rußland wird die Rückerlangung der Kontrolle von Palmyra durch die syrische Regierung als Wendepunkt im Krieg gegen die Terroristen betrachtet. Jedoch ist Palmyra auch ein Symbol für die Kämpfer von ISIS, deren Ziel nun in der Wiederherstellung ihres Ansehens besteht, das in einer Serie von Niederlagen beschädigt worden ist.

Allerdings hat ihr Scheitern in den letzten Wochen ein Ende gefunden, seit die Regierungstruppen Zeit für die Wiederherstellung ihres Angriffspotentials benötigen.

Nach der Wiedererlangung der Kontrolle von Palmyra durch Damaskus gab es Berichte, nach denen der Erfolg der Operation, der mit der aktiven Unterstützung der russischen Luftwaffe erreicht worden ist, den Weg für einen Angriff der syrischen Armee auf Raqqua, die "Hauptstadt" des selbsterklärten "Islamischen Kalifats", geebnet hat.

Jedoch hat die Offensive noch nicht begonnen. Vielmehr deuten die letzten Nachrichten aus der Provinz Homs darauf hin, daß ein Sieg über die Islamisten viel mehr Zeit und Anstrengungen als erwartet benötigen kann.
"Die Islamisten haben ihre Angriffe tatsächlich intensiviert und sind von einer endgültigen Niederlage weit entfernt", berichtete ein Professor der Abteilung für Geschichte, Politikwissenschaft und Recht an der Staatlichen Russischen Universität für Geisteswissenschaften dem Kommersant.

"Zur selben Zeit kann es sich Rußland, das Palmyra zu einem Symbol des Sieges gemacht und dort viel investiert hat, nicht leisten auf halbem Weg anzuhalten und so im syrischen Kampf sein Gesicht zu verlieren. Das bedeutet, daß Rußland in eine weitere Phase langwieriger Kämpfe in Syrien hineingezogen werden kann – mit unvorhersehbaren Konsequenzen."

Quelle: www.veteranstoday.com/2016/05/14/syria-islamists-launch-drive-to-recapture-palmyra/

Ursprüngliche Übersetzung: http://rbth.com/international/2016/05/13/syria-islamists-launch-drive-to-recapture-palmyra_592741

Originalartikel: http://www.kommersant.ru/doc/2983786



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