Samstag, 4. Juni 2016

Vom Wandel des Bildungssystems - Das College damals und heute: Brief an eine aufgeweckte junge Frau

[Anmerkung des Übersetzers: Kürzlich wies Hadmut Danisch, bei dem ich mich hierfür herzlich bedanke, auf folgende Zeilen hin, die ich für übersetzenswert hielt. Sie handeln vom Wandel im Bildungssystem beim großen Bruder, den Vereinigten Staaten...]

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Von Fred Reed, am 2. Juni 2016
Übersetzt von wunderhaft


Liebe ___,

Du fragtest wie das College war als ich ein Kind gewesen bin, in meiner späten Kindheit, und was ich über die Schulen von heute denke. Hier meine Antwort, die ich wahrscheinlich auf meine Website stelle, da ich die Angelegenheit für wichtig halte.

Es hat sich vieles verändert.

Vor langer Zeit, sagen wir vor 1965, wurde das College als ein Ort für intelligente und akademisch vorbereitete Jugendliche betrachtet, die eines Tages mit der Führung des Landes betraut werden und und die Einstellung der Gesellschaft bestimmen konnten. Vielleicht zehn Prozent der Highschool-Absolventen aber nicht mehr als zwanzig Prozent von ihnen sollten das College besuchen.

Es war elitär und das mit Absicht. Individuen und Gruppen unterschieden sich offensichtlich in Charakter und Verhalten. Die Universitäten wählten jene Studenten aus, die von einem Studium profitieren konnten.

Bei Studienanfängern wurde flüssiges Lesen und das Beherrschen der Algebra vorausgesetzt. Das taten sie auch, weil die Bewerber satzungsgemäß nach diesen Fähigkeiten ausgewählt worden sind. Diese, damals noch anspruchsvollen, Prüfungen bemaßen die Fähigkeiten der Studenten, in anspruchsvollem Englisch ausgedrückte, komplexe Vorstellungen zu verstehen, und das war was College-Studenten seinerzeit taten.

Es gab keine Förderkurse. Wer sie benötigte, gehörte woanders hin. Das Ziel von Colleges war zu lernen, nicht der soziale Aufstieg.

Colleges waren ein bißchen schwerfällig, ein wenig isoliert von der Welt und auf der Lehre gewidmet. Die meisten hatten den hochtrabenden Titel, "Universität" nicht angenommen. Die Professoren wurden zunächst nur für wenige Jahre angestellt um zu sehen ob sie den Erwartungen entsprachen, und wenn sie das taten, haben sie ein Lehramt erhalten. An den Schulen, die ich kannte, existierte kein "publish or perish" (veröffentliche oder verschwinde - ein Druck, unter dem viele der heutigen Dozenten stehen / Anm. d. Übers.). Die Schüler, fast ausschließlich Weiße und mit den kulturellen Normen dieser mit Eigenschaft verbunden, verhielten sich innerhalb der Grenzen, die ihnen als Heranwachsende gesetzt waren.

Der Zweck des College bestand darin kultivierte Männer und Frauen hervorzubringen, welche die Welt in dem Maß verstanden, das sich als bewährt erwiesen hatte. Gemeint sind die freien Künste (Geisteswissenschaften). Mit dem Begriff "frei" war nicht "links" oder "schön" gemeint. Es bedeutete umfangreiche Grundkenntnisse in Sprachen, Literatur, der Geschichte, den Wissenschaften, der Mathematik , Wirtschaft, Philosophie und Kunst sowie der Musik.

Die Betonung lag auf "umfangreich". Wenn der Studierende beispielsweise einen einigermaßen gründlichen Kurs in der "Betrachtung der Kunst vom Klassischen Altertum bis zur Gegenwart" besucht hatte, konnte er—oder meist wohl eher sie—jedes Museum oder jede Ausgrabungsstätte in der westlichen Welt besuchen und wußte was er dort sah. Bei Diskussionen über Politik und Literatur hätte er sich nicht wie ein verwaister Straßenjunge gefühlt und konnte sich, wegen des Grundlagenwissens auf den meisten Gebieten, rasch alles aneignen, was sich von Bedeutung oder Interesse als gesichert erwiesen hatte.

Es gab sicherlich auch, die Jugend ist ja die Jugend, parallele Interessen an Bier, dem anderen Geschlecht und den üblichen Verrücktheiten, an die wir alten Knacker uns gern erinnern.

So waren die Dinge damals. Dann kam, was grob als "die Sechziger" bezeichnet wurde, tatsächlich aber die späten sechziger- und frühen siebziger Jahre waren.

Sie haben alles verändert.

Die erste und schlechteste Veränderung war die Philosophie, daß jeder, oder nahezu jeder, das College besuchen sollte. Die Katastrophe folgte. Eine Vielzahl an Jugendlichen ohne den Verstand, die Vorbereitung und, das für den Besuch eines Colleges nötigte Interesse wurde in die Schulen entlassen. Sie hatten kaum eine Vorstellung von der Aufgabe des College. Schon der Gedanke des Erwerbs von kultureller Bildung erschien ihnen so undemokratisch wie er es sicherlich gewesen ist. Sie begannen ihn erfolgreich zu meiden.

Bis sie dazu nicht in der Lage waren, und weil der Großteil nicht in die Lage versetzt werden konnte, schraubten die Colleges das geistige Niveau herunter. Förderkurse breiteten sich aus, und diese arbeiteten mangelhaft. Wenn ein Highschool-Absovent kaum fähig ist zu lesen, gibt es hierfür üblicherweise dahinterliegende Gründe aus denen er nie fähig sein wird zu lesen.

Colleges, deren Hauptaugenmerk vorher nicht auf dem Geld lag, begriffen, daß diese Schwärme an schlecht Gebildeten Schulgeld bezahlten. Das College wurde zu einem Geschäft. Das Schulgeld erhöhte sich drastisch, deutlich mehr als die Inflation. Banken, die einen riesigen neuen Markt sahen, begannen Kredite an Studierende zu vergeben und lernten bald diese Kredite an die Häuser von deren Eltern zu binden. Das entzog den Schülern die Möglichkeit in die Zahlungsunfähigkeit zu flüchten. Es war eine Goldgrube.

Die Universitäten wurden zu Unternehmen und handelten wie Unternehmen. Sie senkten die Kosten durch die Benutzung, oft gering qualifizierter, außerordentlicher Professoren als akademische Wanderarbeiter, anstatt der weit besser bezahlten ordentlichen Amtsinhaber. Die akademische Qualität sank weiter.

Studenten wurden zu Konsumenten, welche Diplome kauften. Nach dem Prinzip, "Der Kunde ist König", gaben die Colleges ihnen alles, was immer sie wollten. Eines der Dinge, die sie wollten, waren Diplom. Die Inflation der Diplome boomte.

Was die Studierenden nicht wollten war Bildung, wie sie die Bedeutung des Wortes verstanden. Sie wollten Kurse, die einfach waren und Spaß machten. Bald kamen Themen auf wie "Was wäre, wenn es Harry Potter tatsächlich gäbe" und "Das Comic-Buch im Kampf mit der Geschlechtergleichheit".

Diese Kurse waren anspruchslos, aber die Studenten wußten das nicht und hätten sich auch nicht daran gestört. Sie waren auf einem USP— einem university-shaped place (universitätsförmigen Platz) — der die Struktur einer Schulausbildung hatte, mit feierlich klingenden, durchnummerierten Kursen, Zeitguthaben und Gebäuden mit Schultafeln. Sie dachten in einem College zu sein. Tatsächlich waren sie nicht wirklich dort, und wollten auch gar nicht dort sein.

Das College, einst ein Weg ins Erwachsensein, wurde zu einem Weg ihn zu meiden. Unreife und Narzißmus blühten, bis die Studenten schon in ihren 20ern waren. Vielleicht lag das daran, daß sie nie die Erfahrung gemacht hatten Dinge zu tun wie in einer Tankstelle zu arbeiten oder Zeitungen auszutragen.

Sie verwirrten die Universitäten und ihre Eltern und arbeiteten an deren Empörung. Mit dem Rechtsempfinden von Pubertierenden forderten sie Gerechtigkeit für alles und forderten, ohne die Erfahrung rationaler Argumente oder irgendwelcher Gedanken gemacht zu haben, die Abschaffung von allem, was ihnen nicht paßte. Zu ihrer Freude entdeckten sie, daß die Verwaltung hierüber zusammenbrechen würde. Sie abzuweisen wäre weiser gewesen. Sie wurden zu den kleinlichsten aller kleinlichen Moralapostel.

Viele Professoren waren Produkte der sechziger Jahre und betrachteten die Veränderung der Gesellschaft als Aufgabe der Universitäten. Lernfaule Studenten waren hiermit zufrieden. Schwarze Studenten waren ein besonderes Problem, weil sie in der Regel eben weniger vorbereitet waren als weiße. Weitgehend um deren Defizite zu verschleiern, begannen die Universitäten ihre Satzungen aufzugeben, welche mangelhafte Vorbereitung offensichtlich machten. Als Begründung wurde die Festigung der "Nichtausgrenzung" angegeben (hier wird dieser Vorgang, bei dem die Ungebildeten Lerntempo und -inhalte an deutschen Schulen bestimmen, "Inklusion" genannt / Anm. d. Übers.).

Universitäten konkurrierten untereinander, als Beweis für ihre sozialen Gerechtigkeit, bei der Werbung um Schwarze. Diese Trophäen trieben Wurzeln in der europäischen Zivilisation, ihrer Literatur und Geschichte sowie ihrer Wissenschaft und der Mathematik. Sie forderten Fachbereiche für Schwarze und erhielten diese in Form akademischer Ghettos, was die Standards nur weiter herabsetze.

Inzwischen hat die Bundesregierung, fast unbemerkt, die Kontrolle übernommen. Washington hat die Staaten besteuert und dann einen Teil des Geldes den Universitäten für ihr erwünschtes Verhalten zurückgegeben. Sie taten es ausnahmslos. Das Oberste Bundesgericht beschloß Zulassungsverfahren. Große Schulen wurden zu, weitgehend militärischen, Forschungszentren der Regierung. Die Ausbildung der Studenten stand, nach Football, an dritter Stelle.

Das Überangebot an akademischen Graden erhob sein häßliches Haupt. Als Diplome Mangelware waren und an die Intelligenten vergeben wurden, waren sie von Vorteil. Als jeder ein College-Diplom besaß, waren sie es nicht. Die Anzahl der Arbeitsplätze, die tatsächliche Bildung voraussetzte war bei weitem kleiner als die Anzahl von Heranwachsenden, die zwar Diplome besaßen aber keine Bildung. Bald gab es eine Unzahl von Taxifahrern, Parkplatzwächtern und Anbietern von überteuertem Kaffee bei Starbucks mit College-Diplomen.

Eventuell weit schlimmer ist, daß Arbeitgeber die fallende Kapazität von akademischen Graden bemerkten, obwohl die Welle erst beginnt sich zu brechen. Sie begannen darüber nachzudenken Menschen nach deren Wissen und Können einzustellen, anstatt nach Diplomen, die zunehmend nichtssagender wurden. Studien um Studien zeigten, daß College-Absolventen den Inhalt von Dokumenten nicht verstanden, nicht wußten wann der Bürgerkrieg ausgefochten wurde, die drei Staatsgewalten nicht nennen konnten und Schwierigkeiten mit mit der Arithmetik hatten.

Das Ergebnis war, daß Studenten, die nichts lernen wollten, unter hohen Kosten und mit wenig Gewinn für sie selbst oder die Gesellschaft, genau das taten, und, während es ihnen nicht gelungen ist erwachsen zu werden, von Banken ausgebeutet und um exorbitant hohe Schulgelder betrogen worden sind.

Ich hoffe, daß diese heitern Anmerkungen Deine Frage beantworten.

In Liebe

Onkel Rick


Quelle: http://fredoneverything.org/college-then-and-now-letter-to-a-bright-young-woman/


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