Dienstag, 12. Juli 2016

NATO: Lügen entlang des Wegs zur Operation Barbarossa

Von Tony Cartalucci / NEO
Übersetzt von wunderhaft


11. Juni 2016
Trotz der während des NATO-Gipfels 2016 in Warschau abgegebenen Erklärungen, daß die "NATO weiterhin eine fundamentale Quelle für die Sicherheit unserer Völker und für die Stabilität in der weiteren Welt bleibt", ist klar, daß es sich bei den existierenden Bedrohungen und Herausforderungen, mit denen die NATO vorgibt konfrontiert zu sein, tatsächlich um ihre eigenen, absichtlich erschaffenen und kontinuierlich fortgesetzten Drohungen handelt.

Mit der andauernden Flüchtlingskrise, die durch ihre eigenen weltumspannenden und andauernden Militärinterventionen, Invasionen und Okkupationen ausgelöst wurde, bis zu ihrer fortgesetzten Expansion entlang der russischen Grenzen, – was sämtliche existierenden Konventionen und "Normen" verletzt, die erschaffen wurden um den Kalten Krieg "kalt" zu halten – hat die NATO bewiesen, daß sie für die Bevölkerungen, über die sie als Schutzherr gebietet, tatsächlich die größte Bedrohung darstellt.

Insbesondere Polen sprach sich auf dem Gipfel in Warschau für die Erweiterung der Militärpräsenz der NATO entlang der russischen Grenzen aus, besonders in den baltischen Nationen, Estland, Lettland und Litauen sowie auch in Polen selbst.

Auf dem Gipfel wurde auch das weiterhin andauernde Engagement der NATO in Afghanistan und dem Irak behandelt, zwei Nationen, die weit entfernt von den Staaten am Atlantik liegen, für deren Schutz sie angeblich gegründet wurde und es wäre komisch, wenn ihre weitreichende Einmischung nicht dernaßen ernst wäre.


Kriegsführung Vs Balance

Der hauchdünne Erhalt von globalem Frieden und Stabilität ist ein vorsichtiger Balanceakt zwischen gegensätzlichen Machtzentren. Die Geschichte der Menschheit ist die Aufführung dieses Balanceaktes.

Der 2. Weltkrieg, der den Weg für die internationale Ordnung in der wir derzeit leben schuf, ereignete sich auf Grund fundamentaler Fehler bei der Ausführung dieses Balanceakts.

Der wahrscheinlich verdrießlichste Aspekt bei der Entstehung des 2. Weltkriegs war der militärische Aufmarsch entlang den Grenzen der Sowjetunion, der von Berlin zur selben Zeit als Mittel zur kollektiven Verteidigung Europas dargestellt wurde, tatsächlich jedoch der Wegbereiter für eine großangelegte Invasion war, die nun als "Operation Barbarossa" bekannt ist. Dies ist insbesondere verdrießlich, weil die NATO derzeit Ihre Streitkräfte in fast genau denselben Regionen und auf fast dieselbe Art und Weise aufbaut, wie Nazi-Deutschland es damals in den 1930er Jahren getan hat.

Als die deutsche Wehrmacht am 22. Juni 1941 in Rußland einfiel, verwandelte sich ein potentielles Machtgleichgewicht, das Deutschland und Europa vor einer wahrgenommenen sowjetischen Bedrohung bewahren sollte, in einen Krieg, der sowohl Europa als auch Rußland verwüstete.


Der nachfolgende Kalte Krieg ist ein Beispiel für einen Balanceakt der Macht, der größtenteils erfolgreich ausgeführt worden ist. Allerdings, entgegen vieler geläufiger Irrtümer hinsichtlich des Kalten Krieges, waren die bloße Existenz sich gegenüberstehender Nuklearwaffenarsenale und das Konzept der sicheren gegenseitigen Vernichtung nicht die einzigen der gleichgewichtserhaltenden Kräfte.

Stattdessen wurde das Gleichgewicht durch ein riesiges Rahmenwerk erhalten, das von amerikanischen ebenso wie von russischen Staatsmännern auf Kosten des nationalen Egoismus, des Nationalstolzes und der Interessen beider Staaten geschaffen worden war und alles, von Vereinbarungen über die Bewaffnung des Weltraums bis zu jenen über die Zusammensetzung und Entwicklung ihrer Nukleararsenale und sogar die Berücksichtigung von Verteidigungssystemen zum Schutz vor nuklearen Erstschlägen, enthielt.

Es wurden auch spezielle und komplexe Vereinbarungen über die Stationierung von Truppen entlang der jeweiligen Grenzen eines jeden Machtzentrums, einschließlich der Grenzen der Nationen, die in ihrem Einflußbereich lagen, getroffen.

Während des Kalten Kriegs war klar, daß sowohl Washington als auch Moskau beabsichtigten, ihren jeweiligen Machtbereich über den Rest der Welt auszudehnen, was überall, vom Mittleren Osten bis nach Südamerika und von Afrika bis nach Asien zu kleineren – im Verhältnis zu einem weltweiten Atomkrieg – Stellvertreterkriegen führte, um die Oberhand zu erlangen.

Infolge des vorausgegangenen Zusammenbruchs der Sowjetunion haben die Tentakeln des westlichen Einflusses am Ende gesiegt und reichten bis ins Innere Rußlands hinein, wo sie nicht nur Rußlands eigene Verfassungen und nationale Souveränität zerfraßen, sondern auch die globale Machtbalance erschütterten, die nach dem 2. Weltkrieg über Jahrzehnte existiert hatte.

Nur durch den Aufstieg des russischen Präsidenten, Wladimir Putin, wurde dieser Trend umgekehrt und eine gewisse Machtbalance wiederhergestellt.

Während der frühen 2000er Jahre war, trotz der Erfolge der Vereinigten Staaten bei der Demontage der sowjetischen Kontrolle für ihr anderweitiges, unbegrenztes Streben nach Hegemonie, klar, daß diese beendet werden würde und ein neues Rahmenwerk erschaffen werden muß, das an die aufstrebenden Weltmächte, einschließlich der Russischen Föderation, anzupassen war.

Dies ist jedoch nicht geschehen.


Der Neuaufbau

Stattdessen wurde das Anti-Ballistic Missile Treaty (ABM-Vertrag oder ABMT) durch die Vereinigten Staaten, unter der Regierung von Präsident Bush und der von Präsident Obama, einseitig gekündigt.

Zusätzlich haben die Vereinigten Staaten – beginnend in den 1990ern und bis heute andauernd, wie man an der Ukraine erkennt – unter dem Vorwand die "Demokratie zu fördern" zahlreiche politische Umstürze quer durch Osteuropa finanziert und unterstützt und Satellitenstaaten entlang der russischen Grenze installiert. Die Versuche Regierungen zu unterminieren und zu stürzen werden in Nationen wie Belarus und Aserbaidschan ebenso fortgesetzt wie in den zentralasiatischen Staaten Turkmenistan, Kasachstan, Kirgisien, Tadschikistan und Usbekistan.

Die Staaten die von Washington erfolgreich gestürzt und vereinnahmt worden sind, haben sich ökonomisch, politisch und militärisch vollständig gegen Rußland gewandt. Diese Staaten wurden fast unmittelbar in das NATO-Bündnis einbezogen. Im Jahr 2008 ist bspw. das Satteliten-Regime der Vereinigten Staaten in Georgien in die von Rußland unterstützte Republik Süd-Ossetien einmarschiert und führte damit eine umfangreiche Antwort Rußlands herbei, was viele für einen Versuch der NATO hielten, die die Entschlossenheit Rußlands zu testen. Das erinnert an das geopolitische Lanzenstechen zwischen den Nazis und der Sowjetunion in Finland kurz vor dem Beginn der Operation Barbarossa.

Die Ukraine, die zwischen 2013 und 2014  mit einem von der NATO unterstützten Putsch gestürzt wurde, hat ebenfalls eine feindliche Haltung gegenüber Rußland eingenommen, und erweist sich die westliche Aggression, mit dem Bestreben die Ukraine als Vektor für einen tieferen Schlag gegen Rußland zu nutzen, als direkte Wiederholung der Ereignisse, die den 2. Weltkrieg entfesselt haben.

Die Geschichte des Kalten Krieges der NATO war eine der Konfrontation, nicht eine der Festigung von Sicherheit und Stabilität.

Anstatt ein neues Rahmenwerk zur Sicherstellung globaler Stabilität durch die Anerkennung eines neuen Machtgleichgewichts zwischen dem Osten und dem Westen zu erarbeiten, hat die NATO versucht ein "Rennen" unter dem fahrlässigen Gebot zu veranstalten, ihren eigenen Einfluß so weit und breit wie möglich zu erweitern, bevor dieses Machtgleichgewicht sich durch die tatsächlichen militärischen, politischen und ökonomischen Kräfte eingestellt hatte.

Es scheint als würde die NATO sogar die Destabilisierung und die Übernahme der politischen Ordnung in Moskau an sich, mit Versuchen den Terrorismus in Rußlands südlichen Regionen durch massive, von der Nato-unterstützte Konflikte in Syrien, dem Irak und Afghanistan sowie auch mit der Finanzierung und der Unterstützung feindlicher politischer Fronten quer durch Rußland zu stärken, in Betracht ziehen.


Ein Gefälle des Gleichgewichts versus einen Neuen Kalten Krieg

Der Kalte Krieg war von zwei ausgeprägten Machtzentren gekennzeichnet, die anderen Nationen wenig Spielraum für den Aufbau von Strukturen boten, die deren Einflußbereich ähnlich waren.

Heute läßt sich sehr leicht ein Gleichgewicht zwischen Nordamerika, Europa, Rußland und Asien herstellen – an dessen besten Vorteilen des gegenseitigen Handels sich alle erfreuen könnten. Die einzigen Voraussetzungen hierfür wäre erstens, Europa die Entwicklung einer Außenpolitik zu erlauben, die sich nach den besten Interessen seiner eigenen Regierungen, Völker und Industrien richtet und zweitens, das Vermögen Washingtons, Londons und Brüssels ihre unrealistischen Entwürfe hinsichtlich der globalen Hegemonie aufzugeben und sich für ein realistischeres Gleichgewicht multipolarer Macht zu entscheiden.

Die NATO schließt all das aus – indem sie Europa erfolgreich in ein Nullsummen-Spiel mit Rußland nötigt, so wie sie es im Kalten Krieg getan hat.

Europa sieht sich vielen Bedrohungen gegenüber. Jedoch ist Rußland keine davon. Es ist der Zustand der Instabilität in Staaten wie der Ukraine, deren politische Ordnung von NATO-unterstützter politischer Gewalt auf den Kopf gestellt wurde. Und Europa wird von dem unverantwortlichen, rücksichtslosen Verhalten voraussichtlicher NATO-Mitglieder wie Georgien geplagt, das von einem inkompetenten Regime regiert wird, welches von und für Washingtons beste Interessen installiert worden ist, nicht für die Stabilität und langfristige Interessen der europäischen Völker.

Europas Führung hat sein deutliches Desinteresse an der Anerkennung dieser Tatsachen bekundet. Es ist nun an den Menschen in Europa selbst eine rationalere Abkehr von den zahlreichen, vorsätzlich manipulierten Strategien der Spannung, welche die NATO kultiviert hat, hin zu einer sensibleren und unabhängigen Beziehung mit der Welt außerhalb des Atlantischen Bündnisses zu fordern.

Es gab viel Aufregung die Entscheidung der Briten die Europäische Union zu verlassen. Vielleicht ist es für die Europäische Union an der Zeit dem langen und zersetzenden Einfluß anglo-amerikanischer Interessen und Institutionen den Rücken zu kehren.

Bis dahin sollten die europäischen Völker die Lektionen der Geschichte der aggressiven Expansion in Richtung der russischen Grenzen aufmerksam studieren, die Lügen, mit denen diese Expansion begründet wurde und die Konsequenzen, welche diese Lügen für die Sicherheit und Stabilität in Europa hatten, als sie schließlich von der sich entfaltenden Verschwörung, zu deren Verschleierung sie erschaffen worden waren, aufgedeckt worden sind.

Das Rad der Geschichte dreht sich nicht, weil unsere Hände es bewegen, sondern weil unsere Apathie und Ignoranz unsere Hände davon abgehalten haben, es anzuhalten.

*******

Tony Cartalucci, ist ein in Bangkok lebender geopolitischer Analyst und Schriftsteller, insbesondere für das Online-Magazin New Eastern Outlook”.


Quelle: http://journal-neo.org/2016/07/11/nato-lying-all-the-way-to-barbarossa/

Zuletzt editiert: 18. Juli 2016, 10: 25

Ähnliche Beiträge:

Wenn Sie die Übersetzungen und Beiträge auf diesem Blog für lesenswert halten, empfehlen Sie sie bitte weiter.


Creative Commons Lizenzvertrag

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Konstruktive Kommentare und Kritik zu den jeweiligen Beiträgen sind erwünscht, solange sie die geltenden rechtlichen Bestimmungen und die Regeln des friedlichen Miteinander wahren.