Mittwoch, 17. August 2016

Religion des Terrors? Laut duchgesickerten Dokumenten haben 70% der ISIS-Kämpfer keine Ahnung vom Islam

Von Claire Bernish
Übersetzt von wunderhaft


15. August 2016, The Free Thought Project
Daß die überwiegende Mehrheit seiner Rekruten nur oberflächliche Kenntnisse über die Religion des Islam verfügt – einige erwarben nur das Buch "Islam für Dummies  –, zerstört die weit verbreitete Annahme, daß der Islamische Staat aus radikalen Moslems besteht.

Eine von Associated Press durchgeführte Analyse durchgesickerter Dokumente des Islamischen Staates von der syrischen Oppositionsgruppe Zaman al-Wasl zeigt, daß am Höhepunkt der Suche nach Mitgliedern 70 Proztent der Rekruten nur über Basiswissen über die von den Versen des Koran und der "Hadise", den Worten und Handlungen des Propheten Mohammeds abgeleiteten Sharia-Gesetzen, verfügten.

Während 24 Prozent ein mittelmäßiges Verständnis der Religion hatten, konnten nur 5 Prozent als fortgeschrittene Islamschüler betrachtet werden.

Eben diese Unwissenheit über die grundlegenden Glaubenssätze ihrer Religion verhalf dem Islamischen Staat wahrscheinlich zu seiner inflationären Mitgliederzahl. Der Bericht erklärt:

"Am Höhepunkt seiner Suche nach Fußsoldaten im Jahr 2013 und 2014 bestanden die typischen Rekruten des Islamischen Staates aus Leuten wie der Gruppe von Franzosen, die mit ihrem Rekruteur nach ihrer Rückkehr eine Zechtour unternahmen, dem kürzlich entdeckten europäischen Konvertiten, der sich nun selbst zögerlich als schwul beschreibt und den beiden Briten, die den "Koran für Dummies" und den "Islam für Dummies" bei Amazon bestellten, um sich auf den Jihad im Ausland vorzubereiten. Zum Abschluß ihres Rekrutierung wurden sie, gemäß Zeugenaussagen und Interviews von Associatet Press, gemeinsam in sicheren Häusern von verschiedenen Imamen indoktriniert."

Solche Rekruten, die sich den Folgen des gewaltsamen Extremismus weitgehend unbewußt sind, können mühelos von tatsächlichen Radikalen manipuliert werden, wenn ihre familiären Bindungen zerstört und ihnen Kommunikationsmittel wie Mobiltelefone abgenommen worden sind. Erst einmal in den Fängen der Gruppe, werden sie entweder vollständig mit der vom ISIS pervertierten Auslegung des Islam indoktriniert, oder sie merken bei der Feststellung, daß sein terroristischer Weg zu weit geht,  daß eine Flucht nicht einfach ist.

"Ich realisierte, daß ich am falschen Ort war, als sie mir Fragen zu stellen begannen wie: ´Wen sollen wir benachrichtigen, wenn Du stirbst?´", sagte ein zweiunddreißigjähriger europäischer Rekrut, der dachte einer Gruppe beizutreten, um gegen Präsident Bashar al-Assad zu kämpfen und dem syrischen Volk zu helfen, unter der Bedingung seiner Anonymität gegenüber AP.

Basierend auf der Analyse scheint religiöse Unwissenheit – das mangelhafte Verständnis der Sharia und des Islam – der perfekte Hintergrund für potentielle Kämpfer des Islamischen Staates zu sein.

Bspw. wurde Mohamed Lahouaiyei Bouhlel – der Fahrer, der einen LKW in eine Menschenmenge fuhr und in Nizza am Nationalfeiertag 85 Menschen tötete – "von seiner Familie und Nachbarn als neutral gegenüber der Religion, als Gelegenheitstrinker mit einem Hang zum Salsa-Tanz und als schwul beschrieben".

Unter den von AP untersuchten 4.030 Beitrittsdokumenten von ausländischen Rekruten des ISIS aus den Jahren 2013 und 2014, befanden sich jene von Karim und Foued Mohammad-Aggad, die kurz darauf nach Frankreich zurückkehrten, wobei Foued schließlich an den Anschlägen auf den Bataclan Nachtclub in Paris beteiligt war, bei dem 130 Menschen starben.

"Der Islam wurde [vom Islamischen Staat] benutzt, um mich wie einen Wolf in die Falle zu locken.", erzählte Karim vor seinem Haftantritt bei Gericht.

Laut den von Associated Press analysierten Dokumenten, verfügten Karim und Foued beide nur über "Basiskenntnisse" der Sharia.

Dies hat sich vor Gericht als wahr herausgestellt. Vom Richter zu seinem Verständnis des Islam befragt, sagte Karim wiederholt: "Mir fehlt das Wissen zur Beantwortung dieser Frage."

Einige derer, die der Terrorgruppe beitreten oder ihr die Treue schwören, tun das zweifellos aus irregeführtem religiösen Verständnis. Allerdings erklärte Patrick Skinner, ein ehemaliger CIA-Offizier, der auf extremistische Organisationen im Mittleren Osten spezialisiert war, daß die meisten Rekruten "aus dem Wunsch nach Zugehörigkeit, Berühmtheit und Begeisteung beitreten".

"Tatsächlich kommt die Religion erst danach",fügte er hinzu.

Skinner sagte auch, daß der eintausend Jahre alte Lehrstuhl für Sharia- und Koranstudien in Kairo, Al-Azahr, in der jüngsten englischsprachigen Ausgabe des Magazins des Islamischen Staates, Dabiq, unter scharfe Kritik geraten ist, in der behauptet wird Al-Azahr sei Teil eines Konzepts der "Unterwerfung der Muslime durch Beschwichtigung" vor dem Westen.

Der Al-Azahr-Gelehrte, Mohammed Abdelfadel, sagte,daß Propagandavideos von ISIL, die den vermeintlichen Märtyrertod von Kämpfern verkünden, den islamischen Gesetzen, welche Terrorismus, die Ermordung von Nichtkombattanten im Krieg, den Zwang zur Konvertierung von Nichtmuslimen und andere kriminelle Handlungen verbieten, den islamischen Gesetzen direkt widersprechem, wie es AP umschrieb.

Des weiteren würden jene mit einem tiefergehenden Verständnis der Sharia weitaus seltener dazu tendieren sich als Selbstmordbomber opfern zu wollen, wie eine Studie der militärischen Zentrale zur Terrorbekämpfung herausfand, die von AP zitiert wurde:

"Wenn der Märtyrertod als das höchste religiöse Ziel betrachtet werden würde, wäre verständlicherweise zu erwarten, daß Menschen mit dem größten Wissen um die Gesetze des Islam (Sharia) regelmäßiger den Wunsch hätten diese Taten zu verüben."

Aber trotz der von ISIS behaupteten religiösen Motive für seine Anschläge, "sind jene mit dem meisten religiösen Wissen innerhalb der Organisation die am wenigsten für einen freiwilligen Selbstmordanschlag befähigten."

Obwohl diese Punkte schon von einer Menge Muslime für ein wachsendes Verständnis des Islam und im Kampf gegen Fanatismus und Voreingenommenheit argumentiert und verfochten worden sind, drängte der Islamgelehrte, Tariq Ramadan, andere Islamgelehrte dazu zu demonstrieren, daß die Lehren von ISIL nicht der Islam seien.

"Die Menschen die das tun erfahren kein Martyrium, das sind Kriminelle. Sie töten unschuldige Menschen", beschwor Ramadan. "Nichts im Islam, nichts kann jemals das Töten unschuldiger Menschen rechtfertigen, niemals."


Quelle: http://thefreethoughtproject.com/isis-docs-recruits-ignorant-islam/


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