Donnerstag, 11. August 2016

Rockefeller und Ford Stiftungen hinter dem Weltsozialforum (WSF). Sozialaktivismus wird von Konzernen finanziert.

Von Prof. Michel Chossudovsky
Übersetzt von wunderhaft


10. August 2016, Global Research
In diesem Jahr findet das Weltsozialforum, das engagierte Sozialaktivisten, Anti-Kriegs-Kollektive (Friedensbewegung) und prominente Intellektuelle neu formiert, in Montreal statt.

Die meisten Teilnehmer sind sich nicht bewußt, daß das WSF von Unternehmensstiftungen, einschließlich Ford, Rockefeller, Tides und anderen finanziert wird. Eine Menge dieses Geldes, wird unter der Leitung des Internationalen Rates des WSF and die Organisatoren des WSF verteilt.

Dies ist eine Frage, die  progressiven Organisationen und WSF-Aktivisten bei zahlreichen Gelegenheiten gestellt worden ist: Können sie dem Neoliberalismus und der Neuen Weltordnung effektiv entgegentreten und erwarten ihre Aktivitäten von ihnen finanziert zu bekommen?


Das Weltsozialforum, das unter dem Motto "Eine andere Welt ist möglich" agiert, wurde im Jahre 2001 an seinem ursprünglichen Austragungsort im brasilianischen Porto Alegre gegründet.

Von seinen Anfängen im Jahr 2001 an wurde das WSF als internationale Dachorganisation von Graswurzelbewegungen (Bürgerinitiativen) betrachtet, die sich der Globalisierungswelle entgegenstellen. Seine erklärte Absicht ist es dem Konzernkapitalismus und seiner herrschenden neoliberalen wirtschaftlichen Agenda zu trotzen.

Das Weltsozialforum definierte sich auf seiner Gründungsveranstaltung als eine Gegenoffensive zum Weltwirtschaftsforum (WEF) von Wirtschaftsführern und Politikern, die sich jährlich im schweizerischen Davos treffen. Im Jahr 2001 fand das Weltsozialforum in Porto Alegre parallel zum WEF in Davos statt.

Während das WSF viele wichtige Erfolge erzielte, die großteils das Resultat engagierter Aktivisten der Graswurzelbewegungen waren, haben die Führungskräfte des WSF – anstatt die Eliten der Neuen Weltordnung effektiv zu konfrontieren – (oft unbeabsichtigt) deren Konzerninteressen gedient. In diesem Prozeß wurde die Vereinnahmung durch die Unternehmensfinanzierung des WSF erreicht.

Einer der beiden größten Erfolge war die Teilnahme des WSF an den weltweiten Protesten im Jahr 2003 gegen den von den Vereinigten Staaten geführten Irak-Krieg. Das WSF hat auch progressive Bewegungen und Regierungen, besonders in Südamerika, unterstützt.

Im Kontrast dazu war die Abschlußerklärung des WSF, im Jahr 2013 in Tunis, ein Lippenbekenntnis an die VS-gesponserte "Syrische Opposition". Ähnlich wurde die Al-Qaida-nahe Lybische Islamische Kampfgruppe (engl. "LIFG"), die angeblich den "Arabischen Frühling" gegen die Regierung von Muammar Gaddafi anführte, taktisch als revolutionäre Kraft unterstützt.

Auf verschiedenen Workshops zu Libyen wurde der westlichen Militärinvasion Beifall gespendet. Eine Sitzung unter dem Motto "Lybiens Wandel in eine Demokratie" befaßte sich damit "ob Libyen ohne Muammar Gaddafi besser dastehe".

Die Finanzierung von Wiederstand

Seit seinen Anfängen im Jahr 2001 wurde das Weltsozialforum von Regierungen und Unternehmensstiftungen, einschließlich der Ford Foundation, die Verbindungen zu US-Geheimdiensten hat, finanziert.

Die Anti-Globalisierungsbewegung wendet sich gegen die Wall Street und gegen texanische Erdölriesen, die von Rockefeller und anderen gesteuert werden. Dennoch wollen die Stiftungen und Wohlfahrtsverbände von Ford, Rockefeller und anderen anti-kapitalistische Netzwerke ebenso wie (Wall Street und Big Oil trotzende) Umweltschützer etc. finanzieren, um deren zahlreiche Aktivitäten zu überblicken und zu gestalten.

Der Mechanismus des "hergestellten Widerspruchs" benötigt eine manipulative Umgebung, ein Prozeß von Überredungskunst und subtiler Vereinnahmung einer geringen Anzahl von Schlüsselpersonen innerhalb "progressiver Organisationen", einschließlich anti-Kriegs-Koalitionen, Umweltschützern und der Anti-Globalisierungs-Bewegung. Viele Anführer solcher Organisationen haben ihre Graswurzeln gewissermaßen betrogen.

Die Konzerne finanzieren Unstimmigkeit mit dem Ziel sie zu kontrollieren.

Die Ford Foundation (die Verbindungen zur CIA unterhält) stellte dem WSF unter ihrem Programm, "Die Stärkung der globalen Zivilgesellschaft", in den ersten drei Jahren Geldmittel zur Verfügung.

Als das WSF im Jahr 2004 in Mumbai tagte, wurde das gastgebende WSF-Komitee von der Ford Foundation unterstützt. Dieser Umstand an sich verändert die Beziehungen des WSF zu seinen Geldgebern nicht. Während sich die Ford Foundation sich mittlerweile offiziell zurückgezogen hat, haben sich andere Stiftungen ihrerseits positioniert.

Das WSF wird (von anderen Geldquellen abgesehen) von einem Konsortium aus Unternehmensstiftungen unter Schirmherrschaft der Engaged Donors for Global Equity (EDGE) (in etwa "engagierte Sponsoren für globale Gleichheit" / Anm. d. Übers.) unterstützt

Diese Organisation, die früher den Namen The Funders Network on Trade and Globalisation (FTNG) (Das Finanzierungsnetzwerk für Handel und Globalisierung) trug, hat eine zentrale Rolle bei der Finanzierung der aufeinanderfolgenden Veranstaltungen des WSF gespielt. Von seinem Beginn im Jahr 2001 an hat es einen Beobachterstatus im Internationalen Rat des WSF.

Im Jahr 2013 war der Vertreter des Rockefeller Brother Fund, Tom Kruse, Co-Vorsitzender des Programmkomittees von EDGE. Beim Rockefeller Brothers Fund war Kruse unter dem "Democtratic Practice"- Programm für den Bereich "Global Governance" (Weltregierung) verantwortlich. Die Förderung von NGOs durch Rockefeller unterliegen der Genehmigung durch das "Strengthening Democracy in Global Governance" -Programm (die Stärkung der Demokratie in der Weltregierung), das weitgehend jenem ähnelt, das vom US-Außenministerium vorangetrieben wird.


Derzeit sitzt ein Vertreter der Open Society Iniative for Europe im Vorstand von EDGE. Der Wallace Global Fund ist dort ebenfalls im Vorstand vertreten. Der Wallace Global Fund hat sich auf die Unterstützung von "führenden" NGOs und "alternativen Medien" spezialisiert, einschließlich Amnesty International und Democracy Now (die Hillariy Clintons Präsidentschaftskandidatur in den Vereinigten Staaten unterstützen).

Verschiedene Vorstandsmitglieder von EDGE stammen allerdings von gemeinnützigen- und Familienstiftungen mit sozialem Auftrag. (siehe unten)





In einem ihrer Schlüsseldokumente (2012) mit dem Titel "Funders Network Alliance In Support of Grassroots Organizing and Movement-Building" (der Link ist nicht mehr verfügbar) bekannte sich EDGE zu seiner Unterstützung sozialer Bewegungen, die den "neoliberalen Marktfundamentalismus" herausfordern, einschließlich des im Jahr 2001 gegründeten Weltsozialforums:
"Seit dem Aufstand der Zapatisten in Chiapas (1994) über den Kampf in Seattle (1999) bis zur Entstehung des Weltsozialforums in Porto Alegre (2001) sind die TINA-Jahre von Reagen und Thatcher (There Is No Alternative) (Es gibt keine Alternative! / Anm. d. Übers.) durch die wachsende Überzeugung ersetzt worden, daß "eine bessere Welt möglich ist". Gegen-Gipfel, globale Kampagnen und soziale Foren sind zu bedeutenden Orten für die Artikulierung von lokalen Anstrengungen, dem Austausch von Erfahrungen und Analysen, der Entwicklung von Expertisen und dem Aufbau konkreter Formen internationaler Solidarität unter den fortschrittlichen Bewegungen für soziale- und wirtschaftliche- sowie Umweltgerechtigkeit geworden."
Jedoch gibt es zur selben Zeit einen eklatanten Widerspruch: eine andere Welt ist nicht möglich, wenn die Kampagne gegen Neoliberalismus von einem Bündnis aus Unternehmensstiftungen finanziert wird, das sich fest zum Neoliberalismus und der US-NATO Militär-Agenda bekennt.

Es folgt das WSF-Kommuniqué von EDGE für Montreal. Die Sponsoren finanzieren nicht nur die Aktivitäten, die beeinflussen auch die Struktur der Veranstaltung des WSF, die in Puerto Alegre ausdrücklich als dezentralisiertes, verteiltes Mosaik von "do it yourself"-Workshops definiert worden ist.



Bezüglich des Weltwirtschaftsforums in Montreal beabsichtigt das Konsortium der Sponsoren (EDGE):
"...die Entwicklung eines bereichsübergreifenden Raums für Sponsoren und verschieden Partnern der Bewegung – die Organisatoren denken hierbei an Führungskräfte und Aktivisten – zur Angleichung bei der Kultivierung eines gemeinsamen Verständnisses der Visionen, Werte, Prinzipien und Wegen eines "gerechten Wandels".
(Quelle: http://edgefunders.org/wsf-activities/)
"Gerechter Wandel" bedeutet, daß Sozialaktivismus sich einer "gemeinsamen Vision" der Unternehmensstiftungen anzupassen hat, sprich: nichts, was die elitären Strukturen des globalen Kapitalismus in sinnvoller Weise erschüttern könnte.

Vom Standpunkt des Sponsorennetzwerks stellt die "Investition in das WSF" ein profitables (steuerlich absetzbares) Unterfangen dar. Es gewährleistet, daß der Aktivismus sich innerhalb des "konstruktiven Dialogs" und der "Kritik" anstatt der Konfrontation bewegt. Jede Abweichung hat die umgehende Kürzung der Spenden zur Folge.
"Alles was die [Ford] Foundation getan hat, kann als Weg betrachtet werden "die Welt für den Kapitalismus sicherer zu machen". Die Reduzierung sozialer Spannungen durch die  Beruhigung der Betroffenen, das Anbieten von Sicherheitsventilen für die Verärgerten und das Sicherstellen der Regierungsfunktion.
(McGeorge Bundy, Berater für Nationale Sicherheit der Präsidenten John F. Kennedy und Lyndon Johnson (1961-1966), Präsident der Ford Foundation, (1966-1979))
Die Grenzen des sozialen Widerstands werden hierbei von der "Führungsstruktur" des WSF bestimmt, worüber sich die Förderorganisationen schon zu Beginn im Jahr 2001 einig waren.

"Keine Anführer"

Das WSF hat keine Anführer. Alle Veranstaltungen werden "selbst organisiert". Die Struktur von Debatte und Aktivismus ist Teil eines "offenen Raumes" (Lesen Sie den Artikel von Francine Mestrum, "The World Social Forum and its governance: a multi-headed monster, CADTM, 27 April 2013, http://cadtm.org/The-World-Social-Forum-and-its ).

Diese abgeschottete Struktur ist ein Hindernis für die Entwicklung einer sinnvollen und klar gegliederten Massenbewegung.

Wie der Widerstand von Graswurzelbewegungen gegen den globalen Kapitalismus am besten zu kontrollieren ist?

Stellen Sie sicher, daß ihre Anführer leicht zu vereinnahmen sind und daß sich aus ihrer Bedeutung und Akte keine "Formen internationaler Solidarität unter fortschrittlichen Bewegungen" entwickeln können (um es mit den Worten von EDGE zu sagen), die in irgendeiner sinnvollen Weise die Interessen des vereinten Kapitals zu unterminieren vermögen.

Das Mosaik von verteilten Workshops des WSF, der relative Ausschluß von Plenarsitzungen, die Erschaffung von Abteilungen in und unter sozialen Bewegungen, vom Fehlen einer kohäsiven und geeinten Plattform gegen die vereinten Eliten der Wall Street ganz zu schweigen, gegen den fingierten und von den VS gesponserten "weltweiten Krieg gegen den Terror", ist zur Rechtfertigung und Durchführung der "humanitären R2P Interventionen" (in Afghanistan, Syrien, Irak, Libyen, Ukraine etc.) genutzt worden.

Die gemeinsame Agenda ist "Widerstand zu erzeugen". Die Grenzen des Widerstands werden von den Stiftungen und Regierungen definiert, die diese Multimillionen Dollar-Veranstaltung schließlich finanzieren. Die Finanzierung funktioniert doppelt:
1. Die Kernfinanzierung des WSF-Sekreteriats und der Kosten der Veranstaltung.

2. Viele der einzelnen NGOs, die an der Veranstaltung teilnehmen, sind Empfänger von Unterstützung durch Sponsoren und/oder Regierungen.

3. Die Veranstaltung des Weltsozialforums in Montreal wird auch von der kanadischen Regierung sowie von der Provinzialregierung von Quebec finanziert.
Was letztlich bleibt ist ein Ritual des Widerstands, das die Neue Weltordnung nicht bedroht. Jene die von den Graswurzelbewegungen am WSF teilnehmen werden häufig von ihren Anführen irregeleitet. Aktivisten, die die Überzeugung des WSF nicht teilen werden ultimativ ausgeschlossen:
"Die Bereitstellung der Finanzierung und des politischen Rahmens für viele besorgte und engagierte Menschen, die innerhalb des gemeinnützigen Sektors arbeiten, ermöglicht es der herrschenden Klasse die Leitung von Gruppen der Graswurzelbewegungen zu vereinnahmen,... und die Finanzierung, Buchhaltung und die Beurteilungskomponenten der Arbeit so zeitaufwendig und beschwerlich zu gestalten, daß die Arbeit für soziale Gerechtigkeit unter diesen Umständen buchstäblich unmöglich ist."
(Paul Kivel, You Call this Democracy, Who Benefits, Who Pays and Who Really Decides, 2004, S. 122 )
"Eine andere Welt ist Möglich" ist nichtsdestotrotz ein wichtiges Konzept, das den Kampf von gesellschaftlichen Bewegungen gegen den globalen Kapitalismus ebenso wie das Engagement tausender engagierter Aktivisten, die derzeit am Weltsozialforum 2016 in Montreal teilnehmen, charakterisiert.

Der Aktivismus wird manipuliert: "Eine andere Welt ist möglich" kann allerdings  nicht unter der Schirmherrschaft des WSF, das von Beginn an vom weltweiten Kapitalismus finanziert worden ist und in enger Verbindung zu dessen Sponsoren aus Unternehmen und Regierungen stand, nicht erreicht werden,

Die wichtige Frage an Aktivisten in Montreal:

Ist es möglich "eine Alternative" zum globalen Kapitalismus zu schaffen, die der Hegemonie der Rockefellers und anderer trotzt und deren Organisatoren dann jene Rockefellers und andere bitten die Rechnung zu zahlen?

Wir fordern alle Teilnehmer des Weltsozialforums WSF auf diese Fragen aufzugreifen und zu diskutieren: die Kampagne gegen Neoliberalismus wird von Unternehmensstiftungen (und Regierungen) finanziert, die nicht nur den Grundpfeilern des Neoliberalismus, sondern auch der US-Nato Militär-Agenda verpflichtet sind.

Warum sollten sie Organisationen finanzieren, die sich aktiv gegen Krieg und Globalisierung einsetzen? Die Antwort liegt auf der Hand...

*******

Michel Chossudovsky ist preisgekrönter Autor und emerierter Professor für Wirtschaftswissenschaften an der University of Ottawa, Gründer und Direktor des Centre for Research on Globalisation (CRG) in Montreal sowie der Herausgeber von Global Research. Als Gastprofessor hat er in Westeuropa, Südostasien, im Pazifischen Raum und in Lateinamerika gelehrt und war als Berater für verschiedene internationale Organisationen in Entwicklungsländern tätig. Er ist Autor von elf Büchern, einschließlich "The Globalization of Poverty", "The New World Order" (2003), America’s “War on Terrorism” (2005), "The Global Economic Crisis", "The Great Depression of the Twenty-first Century" (2009) (Herausgeber), "Towards a World War III Scenario: The Dangers of Nuclear War" (2011), "The Globalization of War", "America's Long War against Humanity" (2015). Er ist Beitragender der Encyclopaedia Britannica. Seine Texte wurden in über zwanzig Sprachen veröffentlicht. Im Jahr 2014 wurde er die für Verdienste um die Republik Serbien mit seinen Schriften über den Angriffskrieg der NATO gegen Jugoslawien mit einer Medaille geehrt.


Quelle: http://www.globalresearch.ca/rockefeller-ford-foundations-behind-world-social-forum-wsf-the-corporate-funding-of-social-activism/5540552


Zusätzlich eingefügte Links:
Zuletzt editiert: 12. August 2016, 07:05 Uhr

Wenn Sie die Übersetzungen und Beiträge auf diesem Blog für lesenswert halten, empfehlen Sie sie bitte weiter.


Creative Commons Lizenzvertrag


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Konstruktive Kommentare und Kritik zu den jeweiligen Beiträgen sind erwünscht, solange sie die geltenden rechtlichen Bestimmungen und die Regeln des friedlichen Miteinander wahren.