Sonntag, 2. Oktober 2016

NGOs: Ermächtigung der Basis oder Instrumente des Informationskriegs?

Von Daniel Deiss, J.Hawk, Edwin Watson
Übersetzt von wunderhaft




30. September 2016, South Front
Während des Beginns der "Neuen Weltordnung" nach der Phase des Kalten Krieges wurden NGOs als Repräsentanten einer neuen Form der internationalen Politik gepriesen. Anstatt über internationale Belange hinter verschlossenen Türen entscheiden zu lassen, würden die durch unerschrockene Journalisten informierten Menschen nun selbst die Hauptrolle bei der Gestaltung der neuen Agenda spielen. Wie die meisten Versprechen, die in den 1990-er Jahren gemacht worden sind, war auch dies ein leeres. Es wurde deutlich, daß viele NGOs eher der künstlichen Grasnarbe ähnelten, die in den Vereinigten Staaten als Kunstrasen bekannt ist. Er sieht, zu einem gewissen Grad, vielleicht so aus und mag sich auch so anfühlen, aber ist bestimmt nicht das Original. Viele NGOs wurden, während sie den Anschein von Basisaktivismus machten, von Großkonzernen oder Regierungen finanziert, was zum Verlust ihrer Unabhängigkeit und Objektivität geführt hat.

Bei dem Erfolg der NGOs als Förderer unternehmerischer Interessen dauerte es nicht lange, bis sie sich selbst als unabhängige, objektive und vertrauensvolle Quellen politischer Informationen positionierten. Ihr Anreiz begründete sich, wieder einmal, auf der Täuschung, daß eine durchschnittliche NGO oder selbst ein Blog, der sich mit internationalen Beziehungen beschäftigt, als Gemeinschaft interessierter Bürger darstellt, die sich der wertneutralen Sammlung von Nachrichten, Analysen und Berichten widmen. In dieser Hinsicht, füllten sie eine tatsächlich große Nische, die frei von Regierungssprechern, Nachrichtenagenturen und Geheimdiensten war, welche alle das Vertrauen der Öffentlichkeit verloren hatten und nicht mehr als objektiv betrachtet worden sind.

Heute spielen solche Schein-NGOs wie Bellingcat, die Weißhelme, die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte und eine ganze Reihe anderer bekannter Blogger und selbst ernannter Analysten "quelloffenener Informationen" nicht mehr die Unterstützerrolle im andauernden Informationskrieg, der eine wichtige Komponente der hybriden Kriegsführung ist. Sie wurden zu seiner Speerspitze. Diese Schein-NGOs spielen nun eine führende Rolle in dem, was die Militärdoktrin der Vereinigten Staaten als "Gestaltung eines Informationsschlachtfeldes" innerhalb der Agenda der "Überlegenheit auf allen Ebenen" bezeichnet.

Propagandawäsche im hybriden Krieg

Selbstverständlich bestimmen diese Organisationen weder die Strategie noch halten sie das Heft in der Hand.

Zuallererst sollen sie sich tatsächlich der "Propagandawäsche" widmen. Wie Banken die Bereitstellung von Finanzmitteln mit illegalen oder unmoralischen Mitteln legitimieren, verwandeln Bellincgcat, die Weißhelme und andere das, was anderenfalls für Propaganda gehalten werden würde, zu "Eilmeldungen" – spektakuläre Berichte, die von den Leitmedien mit Verweis auf die entsprechenden NGOs, als die wahrhaftige Quelle der Desinformation, verbreitet werden. Bellingcats sogenannte Untersuchung der MH17-Tragödie ist ein Beispiel für diesen Prozeß. Jeder, der die sozialen Medien und die Regierungsseiten der Ukraine verfolgt, versteht, daß Bellincat keine der Sorgfalt verpflichtete, tatsächliche Untersuchung durchgeführt hat, sondern stattdessen bestimmte Ereignisse auswählt, die der westlichen Darstellung entsprechen, während sie andere, welche die vom Westen unterstützten Stellvertretergruppen aufdecken könnten, wie bspw. beim Massaker in Odessa im Jahr 2014, ignoriert. Jedes bißchen dessen, was sie als "Beweise" bezeichnen, wurde ihnen von ukrainischen Geheimdiensten häppchenweise eingeflößt, welche die  Videos, die Photos und die vermeintlich abgefangene Kommunikation unmittelbar nach dem Abschuß von MH17 tatsächlich fabriziert und bei YouTube und anderen Kanälen der sozialen Medien mit der Hilfe von regierungseigenen "Informationskriegern", die sich als besorgte Bürger darstellten, hochgeladen haben. Bellingkcats Mitarbeiter ließen es, durch die Darstellung, daß diese Desinformation ein Produkt ihrer eignen quelloffene Informationen sammelnden Treffen war, so erscheinen als ob der Rückschluß, daß nur russische Truppen für die MH17-Tragödie verantwortlich gewesen sein können, das Ergebnis unabhängiger Untersuchungen einer Gruppe von, nur mit dem Internet bewaffneten, Wahrheistssuchern war.

In Syrien funktionieren die Weißhelme auf eine ganz ähnliche Art. Während sie vorgeben eine unparteiische humanitäre Organisation zu sein, operieren sie in enger Zusammenarbeit mit einer Vielzahl von jihadistischen Organisationen, und ihre Berichte über das Leid von Zivilisten beschuldigen ausschließlich die rechtmäßige Regierung Syriens und deren russische Verbǘndeten. Noch einmal, die Propagenda, die von al-Nusra und ihnen angeschlossenen Gruppen ausgegeben wird, erhält den Stempel der Legitimität durch Menschen, die selbstlose humanitäre Helfer zu sein scheinen.

Die zweite Funktion, die diese NGOs erfüllen, besteht darin, es teilnehmenden Regierungen zu ermöglichen die Medien und die Öffentlichkeit nicht belügen zu müssen, weil das zwangsläufig schlechte politische Konsequenzen haben würde. Tatsächlich sind diese Praktiken so weit verbreitet, daß der aufmerksame Beobachter ohne Weiteres sagen kann, ob die von Regierungsvertretern präsentierten Informationen aus ihren eigene Quellen und Beweisen stammen, oder ob sie die Öffentlichkeit auf die von einer NGO betriebenen Website verweisen. Die Verwendung von kommerziellem Bildmaterial durch die NATO für den Beweis, daß russische Streitkräfte im Donbas operiert haben, ist eine Variation dieses Themas.

Drittens erlaubt die Verwendung von Propagandawäschern Teilen der Regierung ihre eigenen außenpolitischen Strategien unabhängig vom Rest der Regierung zu verfolgen. Offenbar werden sie von den aggressiveren Teilen westlicher Regierungen, welche die Friedensbemühungen in der Ukraine, in Syrien und in anderen Regionen der Welt sabotieren wollen, als Kanäle für Infomationslecks benutzt. Das ist eine gefährliche Entwicklung, weil diese Waschmaschinen Hardlinern so lange als Megaphon dienen, bis vernünftigere Stimmen zum Schweigen gebracht worden sind.

Viertens ermöglichen die Propagandawäscher einen gewissen Grad der glaubwürdigen Bestreitbarkeit und sind, gegebenenfalls, einer Umkehr der Politik dienlich, wobei die betreffende NGO still bei Seite geschoben wird, wenn es nützlich erscheint. Sollten die Interessen des Westens eine Verständigung mit Rußland erfordern, würden Organisationen wie Bellingcat, die Weißhelme und der ganze Rest über Nacht verschwinden.

Funktioniert das überhaupt?

Die Antwort auf diese Frage hängt von der Zielgruppe ab. Spezialisten und sogar gut informierte Journalisten lassen sich wahrscheinlich nicht beirren. Die pathetischen Szenen des außenpolitischen Sprechers der Vereinigten Staaten, der sich unter den gezielten Fragen von Journalisten wie Matt Lee oder Gayane Chichakyan windet, zeigen, daß das Vertrauen auf Propaganda waschende NGOs seine Grenzen hat. Bei der Öffentlichkeit ist das eine andere Sache, da die Nachrichtenkanäle solch peinliche Momente der Öffentlichkeit vorenthalten. Nichtsdestotrotz kann man, wie das alte Sprichwort sagt, nicht alle Menschen für alle Zeit zum Narren halten. Der Schwachpunkt aller Propagandabemühungen ist ihre unbeholfene, einzige Botschaft, die in diesem Fall nur: "Rußland ist an allem schuld", lautet. Diese Methode kann eine Zeit lang funktionieren, wird aber letztlich zu einer höher werdenden Mauer öffentlicher Skepsis führen, welche die Propagandawäsche obsolet machen und ihren Ersatz durch eine andere Methode der Manipulation des öffentlichen Konsens erfordern wird.

Wenn wir auf den Vorfall mit MH17 zurückkommen, wird klar, daß selbst zwei Jahre nach der Katastrophe viele Fragen immer noch offen sind. Wer war für den Abschuß des Flugzeugs verantwortlich? Wer gab den Befehl zum Abschuß? Warum befand sich der Flug MH17 der Malaysia Airlines über Kriegsgebiet? Wer wies dem Flug MH17 der Malaysia Airlines diesen Luftkorridor zu? War es ein Versehen oder eine geplante Provokation?

Kürzlich hat eine neu entstandene Gruppe pro-russischer Blogger, ´Anti-Fake´, die quelloffene Untersuchung des Fluges MH17 der Malaysia Airlines von Bellingcat aus dem Jahr 2014 in der Luft zerrissen. Anti-Fake veröffentlichte einen 44-seitigen Bericht, der Bellingcat einer Kiew-freundlichen Haltung und der Erfindung und Fälschung von Beweisen beschuldigt. Im Gegenzug haben Bellingcat und ihre Unterstützer in den Leitmedien auf einige Fehler in dem Bericht von Anti-Fake hingewiesen und die Gruppe vermeintlicher Verbindungen zur russischen Regierung beschuldigt. South Front empfiehlt allen Interessierten etwas Zeit in die Lektüre der Berichte beider Seiten zu investieren.

Es scheint als seien die Berichte von Bellingcat und Anti-Fake ein Element des derzeitigen Informationskriegs. Klar ist, daß solche Berichte beabsichtigen das Informationsschlachtfeld zu gestalten, um eine bestimmte Außenpolitik oder politische und militärische Ziele zu verfolgen.

Die beiden Seiten des andauernden geopolitischen Konflikts verwenden zahlreiche Instrumente des Informationskriegs, wobei westlichen Staaten über wesentlich mehr Ressourcen als ihre östlichen Gegner verfügen. Daher ist die Qualität pro-westlicher Inhalte höher.


Quelle: https://southfront.org/ngos-grassroots-empowerment-or-tool-of-information-warfare/

Zuletzt editiert: 12. Oktober 2016, 16:54 Uhr

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