Samstag, 5. November 2016

Saudi-Arabien unterstützt die versteckte Agenda der Türkei zur Zerstörung des Irak

Von Ian Greenhalgh
Übersetzt von wunderhaft



[Anm. d. Herausgebers: Wie ich kürzlich schrieb, handelt es sich bei Ashaeq Al-Awsat um ein Propaganda-Organ der saudischen Regierung, weshalb es sich dazu nutzen läßt die saudische Meinung zu zahlreichen Ereignissen zu ermitteln. In diesen Fall betrachten wir einen Artikel, der uns mitteilt, wie die Saudis über die Situation im Irak denken, besonders über die Absicht der Türkei Mossul zu erobern und die nördliche Hälfte des Landes für sich selbst zu beanspruchen.

Wichtig ist, sich klarzumachen, daß die Saudis erbitterte Feinde sowohl des Iran als auch des Irak sind und außerdem ist es die finanzielle Unterstützung Saudi-Arabiens, die den IS im Irak erschaffen hat – ein zynischer Versuch der Zerstörung der Nation.

Etwas in diesem Artikel zeigt uns deutlich, daß die Saudis die türkischen Absichten bezüglich des Irak unterstützen, was klar aus der vom Autor wiederholt wiedergegebenen falschen Darstellung  hervorgeht, daß sich sowohl beim IS als auch bei den Kurden um Feinde des Irak handle, was den Waffengang der türkischen Armee im Irak zu deren Bekämpfung rechtfertige.

In Wahrheit wurde der IS im Irak und in Syrien weitgehend von der Türkei erschaffen, und ein viele der Kämpfer, die unter dem IS-Banner kämpfen, Türken sind, oder zumindest waren, und viele dieser Männer sich in die Türkei zurückgezogen haben, wo sie ihre IS-Verkleidung abgelegt und ihre türkischen Uniformen wieder angezogen haben. Wenn der Autor schreibt, daß sie nicht gegen die Truppen von Assad, des Iran und Rußland sowie gegen die Hisbollah gekämpft haben, verkehrt er die Wirklichkeit, da genau das die Türken getan haben, zumindest solange sie als IS verkleidet waren.



Der Autor wiederholt die türkische Propagandalinie, nach der sie versucht die Türkei und ethische Türken im Irak zu schützen, was, wie ich bereits zuvor geschrieben habe, eine weitere eklatante Lüge ist. Die wahre Absicht der Türkei ist die Einnahme der Stadt Mossul und weite Teile des irakischen Territoriums für sich selbst zu beanspruchen – wie kann sie die Türkei vor Gruppen schützen, die in Wahrheit als Terroristen verkleidete Türken sind?

Mit der Unterstützung der türkischen Lügen ist eine kontinuierliche Bedrohung des Iran verbunden, da der Autor behauptet, daß der Iran Teile des nördlichen Irak einnehmen wolle, während es sich hierbei, wie ich beschrieben habe, um die Absicht der Türkei handelt.

Was können wir also diesem hübsch verpackten Päckchen aus Propaganda und Desinformation entnehmen? Ich denke es ist klar, daß die Saudis die Türkei und deren Absicht, ihre Grenzen auf Kosten von Syrien und des Irak zu erweitern, unterstützen, vor allen die Einnahme der Städte Mossul und Aleppo, welche die Türkei als ihr rechtmäßiges Eigentum beansprucht. Dies ist eine Fortsetzung der Partnerschaft, die den IS im Irak geschaffen hat – die Türkei hat seine Kämpfer innerhalb der Türkei angeworben und ausgebildet, während die Saudis die ganze Sache finanziert haben. Was wir derzeit beobachten ist der Versuch der tǘrkischen Armee das zu erreichen, wobei der IS versagt hat – die dauerhafte Einnahme der Nord-Irak, während der gleichzeitige Sturz der irakischen Regierung und seiner Armee ein Machtvakuum im Süden hinterläßt, das von den Saudis ausgenutzt werden kann. Ian]

Die durch ein nationales Gelöbnis des osmanischen Parlaments im Jahr 1921 besiegelte Karte der Türkei, welche die heutige kurdischen Region, Mossul, das syrische Kurdistan, Aleppo, Teile des Balkans und des Kaukasus als türkisches Territorium deklariert.

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Asharq Al-Awsat

Der politische Streit zwischen der Türkei und dem Irak ist auf seinem Höhepunkt. Der türkische Präsident, Recep Tayyip Erdogan hat wiederholt bekräftigt, daß sich seine Streitkräfte "stark an der Befreiung Mossuls von ISIS beteiligen werden".

Der irakische Premierminister, Haider Al-Abadi antwortete darauf mit den Worten: "Wir werden der Türkei nicht erlauben sich an dem Kampf um die Befreiung Mossuls zu beteiligen". Die Auseinandersetzung zwischen den beiden Ländern begrenzt sich nicht auf Mossul und spiegelt den Konflikt und die Bedrohung, welcher die Region gegenübersteht, wieder.

Die irakischen Medien beschreiben die Rolle der Türkei in Mossul als sektiererisch und gegen die Shia gewandt. Diese Darstellung ist falsch, und wird von arabischen Journalisten benutzt, um türkische Erklärungen nach ihrem Gutdünken auslegen. Die Wahrheit ist, daß die türkische Militäraktivität niemals sektiererisch war. Die türkische Armee hat nicht ein einziges Mal gegen Schiiten oder oder Alawiten gekämpft. Noch hat sie gegen die Truppen Assads, die der Iraner, der Russen oder gegen Hisbollah gekämpft.

Alle Kämpfe, welche die türkischen Streitkräfte geführt haben, richteten sich gegen den ISIS, türkisch-kurdische Separatisten und gegen die mit ihnen verbündeten syrischen Kurden. All diese Gruppierungen sind Sunniten und keine Schiiten. Der Grund, aus dem die türkischen Truppen gegen sie kämpfen ist, weil sie eine Bedrohung für die Türkei und ihre Stabilität darstellen. Türkische Militäroperationen stehen mit dem Glaubenskonflikt in keiner Beziehung, wie irakische Führer behaupten oder naive Araber, die denken und erklären, daß die Türkei zu einem dummen Glaubenskrieg bereit ist. Die Türkei ist ein multi-ethnisches und multikulturelles Land!

Meiner Meinung nach zahlt die Türkei nun den Preis für die Nichteinmischung in grenznahen Regionen zu Beginn der syrischen Aufstände und dafür nicht auf die Regionen hingewiesen zu haben, aus denen sie ihre nationale Sicherheit, welche sie gewaltsam verteidigen wird, bedroht sieht.

So repräsentiert bspw. Aleppo ihre geographische und historische Erweiterung. Als Folge hat der Iran seinen Einfluß innerhalb Syriens ausgedehnt und feilscht mit dem Westen und den Arabern darum.

Ankara will den ISIS in Mossul bekämpfen und verhüten, daß die Türken und andere zur Zielscheibe werden. Allerdings leitet der Iran die politische und militärische Konfrontation in Mossul und auch gegen die Türkei. Wir alle wissen, daß die iranische Regierung hilflos ist.

Den Iranern ist es gelungen die Lücke zu füllen, die der VS-Präsident, Barack Obama, mit dem Rückzug seiner Truppen hinterlassen hat. Sie gründeten sektiererische Milizen, die die Regierung bekämpften und nannten sie Al-Hashd Al-Shaabi. Ihr Ziel war die Schwächung der zentralen Autorität, und diese Milizen bereiten sich nun darauf vor auch nach Syrien einzudringen.

Die Türken haben diplomatische Wege gesucht und eine Delegation nach Bagdad gesandt. Die Iraker antworteten und sandten eine Delegation nach Ankara, aber ihre Bemühungen waren erfolglos. Werden die Türken die Bewohner jener Gebiete, die von ihren Truppen umgeben sind, verteidigen? Werden sie Al-Hashd Al-Shaabi, die verpflichtet sind Tal Afar einzunehmen, die Stirn bieten? Werden sie reagieren, wenn Milizen von Al-Hashd Al-Shaabi nach Al-Hasakah in Syrien vorrücken, wie Vorabinformationen behaupten?

Die Iraner handeln schnell, vor dem Ergebnis der Wahlen in den Vereinigten Staaten, und sie wollen sich den Slogan der "Terrorismusbekämpfung" zu Nutze machen. Sie wollen, zur Festigung der Kontrolle über strategisch wichtige Grenzübergänge zwischen Syrien und dem Irak und über ölreiche Gebiete, zahlreiche Kriege anzetteln.

Trotz des Risikos für ihre Interessen, denke ich nicht, daß die türkische Führung eine Konfrontation möchte, obwohl sie weiß, daß ihre Armee weit stärker und besser gerüstet ist, als die des Irans und des Iraks. Die iranischen Streitkräfte und die Milizen, die sie aus Afghanistan, Pakistan, dem Irak und dem Libanon rekrutiert haben, bewegen sich auf die türkische Grenze zu und stellen syrischen Oppositionskräften nach, die der Türkei gegenüber loyal sind. Sie haben auch die Einrichtung einer Pufferzone für die Kurden vorangetrieben, die sich gegenüber der Türkei wie eine Strohpuppe verhalten werden.

Zur selben Zeit bezahlen die Türken den Preis bezüglich der Wirtschaft und der Sicherheit, da sie zwei Millionen syrische Flüchtlinge beherbergen und mit einem iranisch-russischen Plan konfrontiert sind, der vorsieht den Krieg auf ihr Territorium zu verlagern. Dieser Plan wird von den türkischen Kurden unterstützt. Die Teheran-treuen Iraker haben ausdrücklich erklärt die Türkei zu vernichten, sollte sie sich wagen sie in Mossul herauszufordern.

Die Situation ist sehr schwierig und die Türken werden sich erneut irren, wenn sie denken, daß der Krieg am Ba´shiqa-Camp im Irak enden wird, wo ihre Truppen stationiert sind. Die Iraner wollen die politischen Entscheidungszentren in Bagdad, Damaskus und ölreichen Regionen in Mossul und Deir ez-Zor kontrollieren. Ebenso wollen sie die Türkei in der Region in Schranken halten.

Trotzdem glaube ich nicht, daß die gegenseitigen Drohungen der irakischen und türkischen Führung zu einem Krieg der Armeen der beiden Staaten führen wird. Eher beabsichtigen sie die Türkei einzuschüchtern und sie zum Abmarsch zu drängen, damit der Iran seinen Einfluß über Niniveh, die benachbarten Provinzen, die Handelsrouten, das südliche Syrien und Korridore ausweiten kann. Die Türkei befindet sich in einer schwierigen Situation, die des Aufbaus eines gegnerischen Lagers bedarf, das seine Glaubwürdigkeit auf dem Boden unter Beweis stellt.

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Jan Greenhalgh ist Fotograf und Historiker mit einem besonderem Interesse an Militärgeschichte und den tatsächlichen Gründen von Konflikten.

Sein Studium der Geschichte und der Medienwirtschaft haben ihm einen tiefen Einblick in den Gebrauch der Massenmedien beim Erzeugen von Konflikten in der Moderne ermöglicht.

 
Seine bevorzugten Studiengebiete umfassen staatlich finanzierten Terrorismus, von Medien hergestellte Realität und die Rolle von Geheimdiensten bei der Manipulation der Bevölkerung und der Wahrnehmung von Ereignissen.


Quelle: http://www.veteranstoday.com/2016/11/04/saudis-support-turkeys-hidden-agenda-to-destroy-iraq/


Zuletzt editiert: 6 November 2016, 05:00 Uhr


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