Freitag, 21. Juli 2017

Die Geschichte zweier Nationen: Die ökonomischen Aussichten Rußlands und der USA

Von F. William Engdahl
Übersetzt von wunderhaft

 
19. Juli 2017, New Eastern Outlook
Hinsichtlich der außergewöhnlichen Sanktionen der USA und der EU gegen Rußland sowie der seit dem Jahr 2014 niedrigen Erdölpreise, macht die russische Wirtschaft ausgezeichnete Fortschritte, während die von Amerika unter Trump, milde gesagt, düster erscheinen. Um es mit den denkwürdigen Worten aus einer Debatte zwischen einem damals jungen William Jefferson Clinton und George H.W. Bush aus dem Jahr 1992 zu beschreiben: "Es sind die Schulden, Du Narr."
 
In den vergangenen Jahren haben zu viele US-Ökonomen und -Analysten, wie bspw. die Rating-Agentur Moody´s, versucht die Wirtschaft der Russischen Föderation als eine, der Sowjet-Ära ähnliche, von Erdöl und Gas abhängige Wirtschaft abzutun, die seit dem Kollaps der Ölpreise im Jahr 2014 am Boden liegt. Dies ist ein schwerer Fehler, besonders weil die militärischen Berechnungen der NATO in vielen Fällen auf wenig sachkundigen, veralteten Ansichten beruht. Hier nur ein paar wenige, ausgewählte Beispiele für den modernen und sogar modernsten Stand der Technik in Wissenschaft und Forschung und der Kommerzialisierung auf dem zivilen Sektor Rußlands. Die selbstherrliche Überheblichkeit des Westens ist fehl am Platz.

Ja, Rußlands physische Ökonomie hat große Probleme. Ich bin seit 1994 viele Male durch Rußland gereist. Ich habe oft hinter hinter die atemberaubende Schönheit der Zarenpaläste von St. Petersburg oder die spektakuläre, in den 1480er Jahren erbaute Festung des Moskauer Kreml geschaut. Ich habe in kleineren russischen Städten marode Infrastruktur und Schlaglöcher wie in New York gesehen.

Ich bin in den Vereinigten Staaten in der Nähe von Slums und Armut in Städten wie Boston, New York, Newark oder Dallas aufgewachsen und habe in den 1960er und 1970er Jahren und danach dort gearbeitet. Die Unterschiede zu Rußlands Wirtschaftsdefiziten sind enorm. Die wachsende Armut in Amerika, seit dem Beginn der 1970er Jahre war die Konsequenz einer vorsätzlich geplanten Wirtschaftspolitik der Wall Street, besonders nach der Entscheidung im Jahr 1971 den Goldstandard von Bretton Woods aufzugeben.

Im Vergleich ist die Armut in Rußland ein Überbleibsel der 70 Jahre herrschenden Bedingungen in der Sowjetunion unter den militärischen Notwendigkeiten des Kalten Kriegs und fataler Fehler ihrer starren zentralistischen Planung, in der persönliche Initiative und Kreativität unterdrückt oder sogar bestraft worden ist. Diese hatte sich durch die finanzpolitischen Fehler während Gorbatschows Perestroika und der zehn Jahre langen CIA-gedeckten Plünderung russischen Staatsvermögens durch die Jelzin-Mafia in den 1990ern auf verheerende Weise verschärft

Kurz gesagt, fallen die Vereinigten Staaten, nach Abzug der von der US-Regierung gefälschten Wirtschaftsdaten, tiefer in Schulden und Fäulnis, solange das Geld und die Mega-Banken der Wall Street, ähnlich Göttern des Geldes, die absolute Herrschaft haben. Im Gegensatz hierzu wächst Rußland langsam aber sicher aus seinem Wirtschafts- und Infrastrukturdefizit der letzten Jahrzehnte und tatsächlich des letzten Jahrhunderts, seit dem vom Westen gedeckte Staatsstreich Lenins im Jahr 1917, heraus. Während die Vereinigten Staaten über die letzten fünf Jahrzehnte ihre einst prosperierenden Städte, die Infrastruktur und die Industrie abgerissen haben, baut Rußland seine nationale Wirtschaft auf einer modernen technologischen Grundlage, mit einigen der weltweit kreativsten Köpfe aus Wissenschaft und Technik auf. Moody´s oder S&P würden es vielleicht so ausdrücken: "Die Wirtschaftsprognose für die USA: Negativer Fortschritt. Die Wirtschaftsprognose für Rußland: Positiver Fortschritt."


Ein Gefängnis für Schuldner

Es herrscht ein grundlegender Unterschied zwischen den derzeitigen Wirtschaftsaussichten der Vereinigten Staaten und denen der Russischen Föderation. Zunächst müssen wir die Struktur relativen Verschuldung des Westens gegenüber der des Ostens untersuchen. In den Vereinigten Staaten schnellen die Schulden nach oben und Slums sowie Obdachlosigkeit wachsen, versteckt hinter den Potemkischen Dörfern ultra-reicher, mondäner Stadtviertel in den Vereinigten Staaten, wie Manhattan in New York oder Washington D C und ihren wohlhabenden Vororten.

Die Haushaltsverschuldung der USA ist, fast neun Jahre nach dem Finanzkollaps im September 2008 und nach mehr als 8 Jahren einer nahezu Nullzinspolitik durch die Federal Reserve, alarmierend hoch und mit fast 80% des BIP höher als zu fast allen Zeiten der Vorkriegsära.

Von dieser privaten Haushaltsverschuldung betragen Studenten-Darlehen für die College-Ausbildung mehr als 1,3 Billionen Dollar oder eine durchschnittliche Verschuldung von 48.000 Dollar je Student. Erstaunlicherweise hat die Verschuldung von Studenten für eine Hochschulausbildung Amerikas legendäre Kreditkartenverschuldung in Dollar überschritten. Im Früjahr 2017 haben, laut Federal Reserve und anderen Quellen, waren mehr als 44 Millionen Amerikaner mit einer Summe von 1,3 Billionen Dollar für Hochschulausbildung verschuldet. Im Jahr 1997, vor nur 20 Jahren, betrug die Gesamtverschuldung der Studenten weniger als 30 Milliarden Dollar. Welch starker Anstieg.

Einer der Gründe für die Schuldenexplosion ist, daß die Kosten der Hochschulausbildung, besonders an staatlich unterstützten Colleges empor geschnellt sind. Die Kosten stiegen von 2002 bis 2012 um 41%. Im selben Zeitraum stagnierten die Einkommen der Familien, die ihre Kinder in Colleges geschickt haben, und nach 2008 sind sie de facto gesunken.

Während des Großteils der unmittelbaren Nachkriegszeit bis zur großen Wirtschaftskrise in den 1970er Jahren war die Hochschulbildung in den Vereinigten Staaten – ganz besonders an staatlichen Universitäten – traditionell mit geringen Kosten verbunden oder wurde staatlich gefördert, sodaß sie jedermann "mit Köpfchen", wie es Harvard-Präsident Charles W. Elliot einst so charmant ausgedrückt hat, zugänglich war. Hochschulbildung wurde von den Staaten und Kommunen als Investition in die Zukunft betrachtet. Das war in den Tagen vor der Globalisierung und der großen Auslagerung von Arbeit. Nun sind die Gelder der Bundesregierung zur Unterstützung kostengünstiger staatlicher Unterrichtsgebühren stark gekürzt worden, und die Staatshaushalte im ganzen Land leiden immer noch unter der Finanzkrise der Jahre 2007 und 2008.

Die aus Hypothekenschulden, Studiendarlehen, Autokrediten und Kreditkartenschulden zusammengesetzten Haushaltsschulden in den Vereinigten Staaten betragen heute über 12 Billionen Dollar. Das ist eine schwerwiegende Belastung für das Wachstumspotential der US-Ökonomie.

Wenn man das exponentielle Wachstum der US-Staatsverschuldung von derzeit knapp 20 Billionen hinzu addiert, wir klar, daß die Wahlkampfrhetorik von Trump, "make Amerika great again", Sofortmaßnahmen und eine so effektive wie wohl durchdachte Reorganisation der nationalen Verschuldung gemäß Kapitel 9 des Insolvenzrechts erfordert, um es den Vereinigten Staaten zu ermöglichen wieder eine wahre Industriegesellschaft zu werden und nicht nur verschuldeter Finanzspekulant.

Im Jahr 1980, zu Beginn der "Schulden spielen keine Rolle"-Ära von Reagan und Bush, betrug die Höhe der Staatsverschuldung noch gut zu verwaltende 30% des BIP. Am Ende von Bush Seniors Amtszeit, im Jahr 1993, betrug sie mehr als das Doppelte oder 63% des Bruttoinlandprodukts. Sie begann eine Rolle zu spielen, aber die Wall Street und Aktienhändler liebten das. Als George W. Bush im Jahr 2001 das Amt übernahm, waren sie auf 54% zurückgegangen, was nicht Bush, sondern der demographischen Entwicklung durch die geburtenstarken Jahrgänge geschuldet war. Von da an hob die Staatsverschuldung der Vereinigten Staaten ab wie eine ballistische Rakete und hat sich bis zum März 2017 auf 104% des BIP verdoppelt, um Haaresbreite von 20 Billionen Dollar entfernt.

Diese private und öffentliche Verschuldung ist der wahre Grund, aus dem die Fed, mehr als acht Jahre nach der schlimmsten Finanzkrise in der Weltgeschichte, bis heute immer noch fürchtet die Zinsen weit über das historische Tief von 1,25% zu erhöhen, aus Angst hierdurch einen Dominoeffekt beim Zahlungsausfall von Krediten in der gesamten Wirtschaft auszulösen. Rußland sieht sich nicht einem auch nur im entferntesten vergleichbaren Schuldengefängnis gegenüber.

Die Situation der EU-Staaten ist nur geringfügig besser. Die Staaten der Eurozone haben eine durchschnittliche Staatsverschuldung von 90% ihres BIP
– weit entfernt von der im Maastricht-Vertrag vereinbarten 60%-Grenze. In Griechenland liegt* sie bei 179%, gefolgt von Italien mit 133%, Portugal mit 130%, Zypern mit 107 und Belgien mit 106%.


Rußland sieht ausgesprochen gesund aus

Im Gegensatz hierzu erscheint die Staatsverschuldung Rußlands mit 13% des GBP im Jahr 2016, was gemessen an dem derzeitigen Wechselkurs 190 Milliarden Dollar entspricht, vergleichsweise winzig. Die Inflationsrate liegt zwischen 4% und 5%. Der Rubel ist seit der Sanktions-Krise und dem Erdöl-Schock im Jahr 2014 stabil. Und auch Auslandsinvestitionen erreichen die russische Wirtschaft wieder. Außerdem sind die russischen Erdölexporte, trotz des weltweiten Zusammensbruchs der Ölpreise stabil geblieben oder gestiegen und die Gasexporte über die neuen Pipelines nach China und in andere ostasiatische Länder beschert der staatlichen Gazprom und anderen russischen Erdölunternehmen zusätzliche Gewinne. Die Produktionskosten für für das heimische Öl und Gas werden in Rubel bezahlt, während die Produkte für Dollar verkauft werden, weshalb der Währungsverfall des Rubel nach dem Jahr 2014 weit weniger ernste Folgen hatte, als die Jockeys der Kriegskunst im Finanzministerium des Vereinigten Staaten gehofft haben mögen.

Die Reserven der russischen Zentralbank sind mehr als beträchtlich. Neben einer großen Aufstockung seiner Goldreserven belaufen sie sich heute auf 406 Milliarden Dollar und sind damt höher als im Jahr 1014, in dem sie 385 Milliarden Dollar betrugen. Zusätzlich belaufen sich die Staatsfonds des Finanzministeriums bei den derzeitigen Wechselkursen auf weitere 90 Milliarden Dollar. Moody´s und S&P sollen mir erklären wo das "Risiko" eines Staatsbankrotts liegt, mit dem sie russische Staatsanleihen immer noch beharrlich als "junk" einstufen?


Politische Voreingenommenheit gegen Rußland?

Zunächst eine Anmerkung zur politischen Natur der Bonitätseinschätzung durch die dominierenden US-Ratingagenturen, Moody´s und S&P. Auf dem Höhepunkt der Rubel-Krise im Jahr 2014, als sich russische Unternehmen wegen fallender Ölpreise und Sanktionen durch die VS und die EU gezwungen sahen ausländische Dollar- oder Euroanleihen zu verkaufen, und der Westen damit drohte Rußland mit SWIFT von den Internet-Bankverbindungen abzuschneiden, erreichte der Kapitalabfluß, besonders im letzten Quartal des Krisenjahres 2014, eine Höhe von 151 Milliarden Dollar.

Im Jar 2016 betrug der Kapitalabfluß aus Rußland insgesamt nur 15 Milliarden Dollar, wovon das meiste an russische Unternehmen im Ausland floß, und der Rubel blieb stabil. Obwohl es, anders als bei der mit Soros verbundenen Rubel-Krise während der chaotischen Jelzin-Ära im August 1998, keinerlei Anzeichen für einen möglichen Staatsbankrott Rußlands gab, bewerteten sowohl Moody´s als auch S&P die Bonität Rußlands immer noch "unterhalb des (so genannten) Investment Grade" oder als "Junk", was bedeutet, daß es internationalen Rentenfonds und anderen Großinvestoren gemäß ihrer eigenen Regularien verboten war russische Staatsanleihen zu halten, trotz deren, im Vergleich mit der EU, den VSA oder Japan, sehr attraktiven Zinsraten.

Kritiker der politischen Voreingenommenheit bestimmter Ratings für Staatsschulden durch Moody´s und S&P betrachten die gigantischen Rating-Agenturen der Wall Street, die praktisch das Monopol auf die Bonitätsbewertung haben und deshalb zu oft unter politischer Voreingenommenheit agieren. Sie zitieren als Beispiel den Bankrott von Enron aus dem Jahr 2001 und die Tatsache, daß die beiden amerikanischen Rating-Agenturen Enron bis zum Vorabend dessen Bankrotts fortgesetzt Spitzenbewertungen ausgestellt haben. Enrons Vorstandsvorsitzender, Kenneth Lay, war ein enger Freund der Bush-Familie, was , wie mancher meint, eine Rolle bei der Bewertungs-Blindheit gespielt hat. Ähnlich hat weder  Moody´s noch S&P vor dem größten Finanzkollaps gewarnt, der durch den im März 2007 beginnenden Zusammenbruch des bewerteten Hypothekenmarktes durch so genannte Sub-Prime-Immobilienkredite in den USA ausgelöst worden ist. Sie hätten das tun sollen. Sie haben die durch Hypotheken gedeckten Anleihen nach der Krise bewertet.

Wie es scheint agieren Moody´s und S&P (anders als Fitch, der kleinsten der drei Rating-Agenturen in den VS) tatsächlich als Helfer der vereinheitlichten Kriegsführung durch Wirtschaftssanktionen des US-Finanzministeriums, wobei sie als Erpressungsmittel herabgesetzte Bonitätsbewertungen verwenden, um Rußland zu völlig unnötigen zerstörerischen, liberalen Wirtschaftsreformen zu zwingen.

Lassen Sie uns, anstatt der virtuellen Rating-Spiele des Westens, kurz einen Blick auf einige positive Industriegebiete von Rußlands wahrer Wirtschaft werfen. Hier sieht man alles andere als Bankrott oder Junk.


Der zivile Sektor gewinnt durch´s Militär

Die hochmoderne Militärtechnologie, die Rußland der Welt bei der Intervention in Syrien gezeigt hat, beweist, daß die russische Wissenschaft und Technologie von Weltklasse sind, und oft weit darüber.

In einer Rede bei der Eröffnungszeremonie der Messe für fairen industriellen Handel, INNOPROM, im zentralrussischen Jekaterinburg am 9. Juli erklärte Rußlands Präsident, Wladimir Putin: "Ein anderes zentrales Thema ist die Bereitstellung großer Mengen an High-Tech-Produkten für zivile Zwecke durch den militärisch-industriellen Komplex. Das Ministerium für Industrie und Handel beschäftigt sich derzeit aktiv mit dieser Thematik."

Das steht für eine grundlegende Veränderung der russischen Haltung gegenüber seinem militärtechnologischen Sektor. Während des Kalten Krieges führte ein Vermächtnis der Stalin-Ära, der Sicherheitwahn, zu einer völligen Abschottung  der Militärindustrie von einem möglichen Zusammenspiel mit der zivilen Wirtschaft, woraus ein großes, sich bis in die Gegenwart ausbreitendes technologisches Ungleichgewicht in der heimischen Wirtschaft resultierte.


Die moderne zivile Luftfahrt
Ein Beispiel für die Art des Potentials dieser Innovations- und Technologiepolitik durch Unterstützung der High-Tech-Industrie über den Rückgriff auf Rußlands außergewöhnliche Erfahrungen im Bau von Militärflugzeugen ist der Jungfernflug der russischen Irkut MC-21, einem Kurz- und Mittelstreckenpassagierflugzeug. Seine Entwicklung soll Schockwellen durch die Vorstandsetagen von Boeing und Airbus gejagt haben.

Die Irkut MC-21 hat, im Vergleich mit den "Sardinenbüchsen", Boeing 373 und A320, den breitesten Rumpf aller Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge auf dem Markt, was den Passagierkomfort erhöht. Noch attraktiver, besonders für viele Entwicklungsmärkte im Mittleren Osten und Asien, ist die Tatsache, daß sie etwa 15% billiger ist als der A320. Weit interessanter ist die Technologie bei der Konstruktion. Die MC-21verfügt über in Rußland entwickelte, einzigartige Karbon-Fiber-Tragflächen, was dem Flugzeug einen 30%-igen Anteil an Verbundwerkstoffen verleiht. Die Tragflächen wurden unter Verwendung eines revolutionären Kunstharz-Transferinfusionsverfahren gefertigt, das von AeroComposit im russischen Uljanowsk entwickelt worden ist. Die Boeing 737 Max und der Airbus A320 verwenden Tragflächen aus Metall.

Erwähnenswert ist, daß der Hersteller der Irkut Teil einer staatlichen Unternehmensgruppe von Flugzeugbauern ist, der United Aircraft Corporation oder UAC. Es war während seiner ersten Präsidentschaft, als Wladimir Putin die ehemaligen Militärflugzeugbauer, Iljuschin, Irkut, Sukhoi, Tupulew und Jakolew zu einer einzigen Flugzeuggruppe, der UAC, zusammenführte, die sich zu 80% in staatlicher Hand befindet.

Zusätzlich zu dem Kurz- und Mittelstreckenpassagierflugzeug, MC-21, hat UAC das Regionalverkehrsflugzeug Superjet-100 entwickelt, das seit 2012 für den internationalen Flugverkehr zugelassen ist. Sukhoi, eine Tochtergesellschaft der UAC, sagt, daß die Betriebskosten 6-8% niedriger sind, als die des direkten Konkurrenten, der brasilianischen Embraer 190/195 und 22 Passagieren mehr Platz bietet. Ich kann persönlich bestätigen, daß das Flugzeug sehr komfortabel ist.

Rußlands Einstieg in den Markt des strategischen zivilen Luftverkehrs hat mit der kürzlichen Bildung eines russisch-chinesischen Gemeinschaftsunternehmens neue Dimensionen erreicht. Im Juni 2016 haben die UAC und das staatliche chinesische Luftfahrtunternehmen, Comac, die China-Russia Aircraft International Co, Ltd. (CRAIC) mit Sitz in Shanghai gegründet. CRAIG ist für die Produkt- und Technologieentwicklung, Herstellung, Marketing, Verkauf und Kundenservice sowie Beratung und Programm-Management verantwortlich. Die beiden Unternehmen entwerfen eine neue Generation großvolumiger Langstreckenverkehrsflugzeuge, um mit dem Airbus A380 und der Boeing 787 zu konkurrieren. Der chinesisch-russische Jet wird, bei 10-15% geringeren Betriebskosten als seine Rivalen, eine Reichweite von 12.000 Kilometern (7.500 Meilen) besitzen und 280 Passagieren Platz bieten. UAC erwartet, daß der neue gemeinsame Jet 10% des von der Boeing 787 und dem Airbus A350 dominierten Marktes einnehmen wird.



Fortschrittliches Eisenbahnzubehör

Ein weiterere Bereich der exzellenten russischen Infrastruktur-Fertigung ist die außergewöhnliche Entwicklung der russischen United Wagon Company. Als damaliger Premierminister hat sich Putin im Jahr 2012 um die Eröffnung des hoch entwickelten, neuen und innovativen Güterwagenwerks der United Wagon Company in Tichwin im Wert von fast 1 Milliarde Dollar bemüht. Seitdem wuchs United Wagon zu einem Spitzenhersteller von hoch entwickelten, spezialisierten Waggons heran und ist mit einer Produktion von jährlich 22.000 Waggons größer als jeder europäische Hersteller von Güterwaggons.

Das Unternehmen griff bei der Gestaltung des Werks auf beste Praxiserfahrungen aus der Automobil-, Flugzeug- und Eisenbahnindustrie aus der ganzen Welt zurück. Es kombiniert Gießereitechnik und Fahrzeugmontage, was ihm ermöglicht die Flexibilität und Produktivitätsraten der etablierten Waggonhersteller in Rußland an einem Ort "um ein mehrfaches" zu übertreffen. TVSZ* kann alle 4½ Minuten einen Radsatz und einen kompletten Waggon in 24 Minuten produzieren. Die außerhalb von St. Petersburg gelegene Fabrik zeichnet sich durch fortschrittlichste automatisierte Produktionsanlagen und und Roboter aus, ähnlich den bei BMW und Airbus verwendeten. Die einzig vergleichbare Druckgußmaschinerie wird von Daimler in Deutschland verwendet. Die Eisenbahnwaggons von TVSZ sind gleisfreundlicher und 50% billiger in der Wartung als herkömmliche russische Waggons.

Während ihrer kürzlichen Gespäche vor dem G20-Treffen in Hamburg, haben der russische Präsident, Putin, und der chinesische Präsident, Xi Jinping, die Einbeziehung der russischen Waggon-Produktionskapazitäten in die Entwicklung der umfangreichen Infrastruktur der Hochgeschwindigkeitsbahn durch Eurasien erörtert, die derzeit von der Eurasischen Wirtschaftsunion einschließlich Rußlands errichtet wird. Selbstverständlich dachte Putin vor allem an United Wagon.

Anders als die Vereinigten Staaten, die es bis zum heutigen Tag nicht geschafft  haben auch nur eine Meile oder einen Kilometer einer Hochgeschwindigkeitsbahnstrecke für Geschwindigkeiten oberhalb von 140 mph zu bauen, weitet Rußland seine Hochgeschwindigkeitsstrecken, nun offiziell mit Chinas umfangreichem One Belt, One Road-Infrastrukturprojekt* (OBOR) aus. Rußland und China entwickeln das vorrangige Projekt einer neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke vom russischen Kasan* nach Moskau, die schließlich eine Schlüsselverbindung der OBOR-Strecke von Peking nach Moskau darstellt, gemeinsam. Die Hochgeschwindigkeitsstrecke Moskau-Kasan wird 770 Kilometer lang sein und von Zügen, die bei einer Geschwindigkeit von bis zu 400 km/h alle 50-70 km anhalten, befahren werden. Die Hochgeschwindigkeitsreise von Moskau nach Kasan wird 3,5 Stunden dauern, was, verglichen mit der derzeitigen Fahrzeit von 14 Stunden, die wirtschaftlichen Verhältnisse auf der gesamten Linie revolutionieren wird.

Mit Blick auf seine wachsenden Handelsbeziehungen im Osten, hat Rußland im vergangenen Jahr erklärt einen neuen Eisenbahnkorridor in Russlands Fernen Osten bauen zu wollen, um die Fahrzeit zwischen der Transsibirischen Eisenbahn und dem Pazifischen Ozean durch einen neuen Hafen am Japanischen Meer zu verkürzen, der im Jahr 2025 fertiggestellt sein soll. Der neue Transportkorridor wird nicht nur in der Lage sein die meisten Häfen im Fernen Osten Russlands zu erreichen, sondern auch Japan, China und Korea, und er wird die Distanz der Transsibirischen Eisenbahn um 550 km verkürzen, was einen viel schnelleren Gütertransport in den europäischen Teil Rußlands ermöglicht.

Die wahren Aussichten für ein dynamisches Wachstum der tatsächlichen russischen Wirtschaft sind heute besser, als irgendwann seit zweihundert Jahren oder mehr. Ich kann mir nicht helfen, aber ich spüre, daß es unserer Welt bei weitem besser daran täte die dummem, verlustreichen Kriege zu beenden und zum Aufbau unserer Nationen und Zivilisation zurückzukehren. Die Energie des Kriegs ist ein Selbstläufer. Aufbau ist spannend, wie China und zunehmend auch Rußland feststellen.

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F. William Engdahl ist strategischer Risikoberater und  Dozent. Er besitzt enen wissenschaftlichen Grad in Politikwissenschaften von der Princeton University und ist Bestsellerautor über Erdöl und Geopolitik, exklusiv für das Online-Magazin “New Eastern Outlook.”


Quelle: journal-neo.org/2017/07/19/a-tale-of-two-nations-russia-vs-usa-economic-prospects


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