Sonntag, 16. Juli 2017

Nach der Vernichtung von Daesh offenbart sich in Mossul das Leiden der Kinder

Von Al Shahid via Global Research
Übersetzt von wunderhaft


[Anm: Ich habe schon vor zwei Jahren einen lesenswerten, weiterführenden Beitrag über diese sich damals nicht nur abzeichnende, sondern längst bestehende Tragödie und die Rolle von Save the Children übersetzt, den ich unten verlinkt habe. A.]


Laut Hilfsorganisationen leiden Kinder in infolge der Herrschaft von Daesh in Mossul und dem Nord-Irak an psychologischen Traumen


14. Juli 2017, Al Shaid
Kinder "lebten wie Ratten in der Dunkelheit", während Daesh in Mossul herrschte, berichtet ein Helfer. Viele von ihnen hatten sich vor den Terroristen und dem anschließenden Krieg um die Rückeroberung der Stadt versteckt. Sie leiden unter Rachitis, Vitamin D-Mangel und sind sehr mager.

Experten glauben, daß diese Kinder nicht nur wegen der in der Stadt tobenden Kämpfe langfristig unter psychologischen Traumen (PTBS*) leiden werden, sondern auch, weil sie täglich Zeugen der von Daesh begangenen Gräuel gewesen sind. Die Kinderhilfsorganisation Save the Children untersuchte 65 Kinder und fand heraus, daß sie dauerhaft an bei Fachleuten bekanntem "toxischen Stress" leiden. Schwindelerregende 90% haben nahe Familienangehörige verloren und die Mehrzahl hat Tags oder Nachts Alpträume.

"Ich träume von einer Frau mit blutverschmierten Gesicht", murmelte ein Mädchen im Alter von 10 oder 11 Jahren.

Ein anderes Mädchen im selben Alter sagte:

 "Ich habe Alpträume von toten Körpern."

Ein Junge war dabei, als Daesh-Kämpfer seinem Cousin eine Zigarette angeboten haben. Als er sie annahm, haben sie ihm in den Rücken geschossen. Die psychologische Beraterin, Dr. Marcia Brophy, hat Kinder aus Mossul befragt und festgestellt, daß sie selten lachten und davon berichteten Angst vor undefinierbaren "Dingen", "Personen" oder selbst "Monstern" zu haben.

Laut Brophy war ihr Verhalten "roboterhaft" und völlig emotionslos. Das ist das klassische Profil von Kindern, die mit entsetzlichen Bildern bombardiert worden sind und Eltern sowie Freunde verloren haben. Im Lager, Hammam al-Alil, außerhalb der Stadt, berichten Kinder zwischen 10 und 15 Jahren davon gesehen zu haben wie Familienmitglieder vor ihren Augen ermordet worden sind. Auch wurden sie Zeugen von Köpfungen und Auspeitschungen, welche unter der Herrschaft von Daesh zum Alltag gehörten. Ein 13-jährger Junge berichtete über ein groteskes Spektakel, bei dem Leichen tagelang an Eisenstangen aufgehängt waren.

Es überrascht wenig, daß die Kinder nicht glauben, daß Daesh für immer verschwunden ist. Sie denken, daß er, wie der böse Charakter in einem Märchen, jederzeit wieder auftauchen kann. Mitarbeiter von Hilfsorganisationen baten die Kinder alles, was sie wollen, in einen "Zauberkoffer" zu packen. Sie wählten oft "Traurigkeit" und "Daesh" zu Dingen, die sie gern loswerden würden.

Eine 11-Jährige sagte, daß sie gesehen hat wie Menschen von Daesh auf der Straße ermordet worden sind.

"Sie haben uns alles verboten, selbst das Spielen."

Ihr eigenen Bruder wurde vor ihren Augen ermordet, weil er angeblich Informationen an die irakische Armee weitergegeben haben soll. Aussagen wie ihre werden sich deutlich mehren, wenn die Stadt zurückerobert ist. Es gab unter der Herrschaft von Daesh schätzungsweise 600.000 Kinder in Mossul und der Provinz Ninive.

Bildung wurde nur wenig, in Form geistiger Zerstreuung angeboten. Kunst und Wissenschaft sind, zugunsten eines sehr eingeschränkten Lehrplans über die Version des Islam von Daesh, auf Eis gelegt worden. Während viele Eltern behaupten ihre Söhne und Töchter von der Schule genommen zu haben, werden sie die meisten, aus Furcht um die Folgen, jedoch dorthin geschickt haben.

Kinder befanden sich oft an der Spitze des terroristischen Aufstands. Sie wurden von Daesh als menschliche Schutzschilde benutzt, und in einem Fall hat sich eine Selbstmordattentäterin zur Tarnung mit einem Baby in ihren Armen in die Luft gesprengt. Sie gab vor eine Mutter zu sein, die aus der Stadt flieht, zündete jedoch die Bombe, als sie irakische Soldaten und Zivilisten passierte.

Unter Daesh sind mindestens 30.000 Kinder im Irak geboren worden. Ihre Geburten wurden von den Terroristen registriert, weshalb sie nunmehr de facto staatenlos sind. Die aus der Herrschaft unter Daesh hervorgehende Generation von Schülern wird bei dem Versuch, sich in die restliche irakische Gesellschaft zu integrieren, Schwierigkeiten mit ihrer eigenen Identität bekommen. Teil des notwendigen Heilungsprozesses wird es sein ihren Platz im Irak zu finden und zu beginnen den Horror ihrer frühen Lebensjahre aus ihrem Gedächtnis zu löschen.


Quelle: http://www.globalresearch.ca/the-suffering-of-children-in-mosul-revealed-as-daesh-is-snuffed-out/5599487

Die Originalquelle des Artikels ist Al Shahid
Das verwendete Bild stammt von Al Shahid


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