Mittwoch, 25. Oktober 2017

Die Balfour-Feierlichkeiten - ein mögliches PR-Desaster für die britische Regierung

Übersetzt von wunderhaft


Das außergewöhnliche Programm für die Hundertjahrfeier im Vereinigten Königreich zu Ehren von Lord Balfour und seiner verrückten Erklärung – und dem fortwährenden Anteil der britischen Regierung daran – ist sowohl für englische Staatsbürger als auch für Millionen Ausländer ein Affront. Und viele erwarten eine spitze Nadel, um den schönen, von den Zuerst-Israel-Reihen vorsätzlich aufgepumpten Balfour Ballon in Westminster platzen zu lassen.





23. Oktober 2017, Veterans Today
Das Versprechen von Lord Arthur Balfour und die sich in den letzten 70 Jahre daraus ergebenden Konsequenzen treten die christlichen Werte sowie die Menschenrechte mit Füßen.

Rothschild hat Balfours Brief mit den Worten beantwortet, daß "die britische Regierung hiermit vielen Menschen einen Ausblick auf Sicherheit und Trost eröffnet hat, dessen diese bedürfen". Nun hat sich hiermit jedoch für Millionen Palästinenser auch der Ausblick – und die Realität – auf ein Leben in tiefstem Elend eröffnet, dessen diese weder bedurften und bestimmt nicht verdient haben. Er hat auch dabei geholfen eine Schreckensherrschaft in der heiligsten Region des Mittleren Ostens zu errichten, das die Menschenrechte sowie das Völkerrecht mißachtet und darauf aus ist, um seiner Expansion willen ringsum Instabilität zu erzeugen und jeden Hektar Land sowie sämtliche natürlichen Ressourcen zu konfiszieren.

Das Verrückteste daran ist, daß Lord Arthur Balfour die Deklaration nicht einmal selbst geschrieben hat. Er war schlicht der Oberschicht-Heini, der sie unterzeichnet hat und das, ohne sich darum zu scheren die Menschen zu konsultieren, deren Heimat er beabsichtigte wegzugeben. Der sorgfältig formulierte Brief an Rothschild (die sogenannte Deklaration) war das Werk von Leopold Amery, einem politischen Sekretär des damaligen Kriegskabinetts, der schlau genug war seine jüdische Abstammung während seiner gesamter, durchaus eindrucksvollen Karriere zu verheimlichen. Er war auch weitgehend für die Bildung der Battalione der Jüdischen Legion* verantwortlich, welche die Vorgänger der verhassten Israelischen Verteidigungskräfte waren, die der Israeli, Miko Peled, als "eine der besttrainierten und -ausgerüsteten sowie besternährten Terrororganisationen der Welt" beschreibt.

Amery war ein eifriger Zionist und hatte eine Überwachungsfunktion in der britischen Mandatsregierung in Palästina während der 1920er Jahre, welche die jüdische Übernahme aktiv vorbereitet hat. Er operierte innerhalb einer oberen Schicht der Regierung, die mit zionistischen Sympathisanten wie Churchil und Lloyd George besetzt gewesen ist.


Als Antwort auf den überschwänglichen Jubel über den feierlichen Unsinn zu Gunsten der Deklaration, gab die Palästina Mission für das Vereinigte Königreich* eine ´Make It Right´-Kampagne in Auftrag, welche unterschiedliche Bilder palästinensischen Lebens vor und nach 1948, nachdem Israel einen Staat auf dem Land ausgerufen hat, das von ihm überrannt und ethnisch gesäubert worden ist, beinhaltet hat. In der Tat protestier die Botschaft der Kampagne gegen die Balfour Deklaration, die den Juden eine Heimat in Palästina versprochen hat. Es wurde vorgeschlagen Plakate an Bussen und in U-Bahnhaltestellen anzubringen, jedoch hat die Transportbehörde, Transport for London (TfL), die Werbung vor Ort verboten, weil sie, so wörtlich, "unseren Richtlinien nicht vollständig entspricht". Es scheint als ob TfL "öffentlich sensible oder kontrovers diskutierte Themen oder parteipolitische Darstellungen" nicht mag.

Der palästinensische Botschafter, Manuel Hassassian, wirft der TfL mit folgenden Worten Zensur vor: "Die palästinensische Geschichte ist eine zensierte Geschichte. Die britische Regierung hat 100 Jahre lang den Bruch ihres in der Balfour-Deklaration gegebenen Versprechens, die Rechte der Palästinenser zu schützen, als sie ihr Land einem anderen Volk gegeben hat, verheimlicht. Die Entscheidung der TfL überrascht nicht und ist bestenfalls ein Zeichen ihrer Empfindsamkeit oder deutet, schlimmstenfalls, auf ihre Komplizenschaft mit all den institutionellen Kräften und aktiven Lobbygruppen hin, die kontinuierlich daran arbeiten die Sichweise der Palästinenser auszuschalten."

Premierministerin Theresa May lud ihr israelisches Gegenüber, ´Bibi´ Nethanyahu, zu den Feierlichkeiten nach London ein. In Regierungskreisen ist es undenkbar einen Ehrengast mit einem London zu konfrontieren, das mit solch unangenehmen Botschaften zugepflastert sei. Nichtsdestotrotz werden sie auf 52 Londoner Taxen erscheinen, die nicht unter der Kontrolle der TfL stehen, so daß der abscheuliche Besucher unserer Parlamentarier sich der Verlegenheit nicht vollständig entziehen können mag, vorausgesetzt, daß er zu einer solchen Empfindung fähig ist.


Das Verschmelzen von Gerechtigkeit und Toleranz mit Antisemitimus


Wo ich gerade von Deklarationen rede, fällt mir eine weit sensiblere von Shimon Tzabar* ein, der Mitlglied der jüdischen Terrororganisationen in Palästina gewesen ist, einschließlich der Stern Gang*, Irgun* und Haganah*. Nach der Errichtung des israelischen Staates im Jahr 1948 hat er von 1948-1950, sowie in den Jahren 1956 und 1967 in dessen Kriegen gekämpft, sich jedoch sowohl gegen die Annexion der Golan Höhen als auch Ost-Jerusalems sowie gegen die Besatzung der West-Bank und des Gaza-Streifens ausgesprochen. Er hat sich selbst sogar als "hebräisch sprechenden Palästinenser" bezeichnet. Tzabar und andere haben sich schließlich bewogen gefühlt die folgende Erklärung zu veröffentlichen:
"Würde es Mrs May nicht vorziehen die Tzabar-Delklaration zu feiern? Er ist nach England gezogen, wo er bekanntlich die Broschüre, [MUCH BETTER THAN] THE OFFICIAL MICHELIN Guide to Israeli prisons, Jails, Concentration Camps and Torture Chambers ([Viel besser als] Der offizielle Micheline Guide zu israelischen Gefängnissen, Untersuchungsgefängnissen, Konzentrationslagern und Folterkammern). Der beste Weg einen Ausflug durch diese schrecklichen Einrichtungen zu beginnen, stand dort, bestand darin, wie ein palästinensischer Araber auszusehen und sich verhaften zu lassen. "Wenn Sie erst einmal aussehen wie ein Palästinenser haben sie gute Chancen verhaftet zu werden. Tatsächlich ist Ihre Chance so hoch, daß Sie gar nichts weiter dafür tun müssen."
Der andere, oben erwähnte offenherzige Redner, Miko Peled, sorgte während des Parteitags der Labour Party im letzten Monat für Aufregung, als er Aktivisten erzählt hat, daß Israel "entsetzt" darüber sei, wenn Jeremy Corbyn Premierminister werden würde und alles daransetzen würde das zu verhindern. "Sie werden alle Bremshebel ziehen, sie werden ihn verleumden und alles ihnen mögliche tun um Corbyn vom Amt des Premierministers fernzuhalten. Es liegt an Labour, es liegt an Ihnen (sicherzustellen), daß sie nicht die Möglichkeit haben, das zu tun.... Jeremy Corbyn ist eine Gelegenheit für Britannien, die, falls sie verloren geht, für sehr lange Zeit nicht wiederkehren wird."

"Der Grund, warum Antisemitismus benutzt wird, ist, weil sie (die Israelis) kein Argument haben, nichts spricht dafür", sagte Peled. "Wie kann die Forderung von Gerechtigkeit und Toleranz mit Antisemitismus verknüpft werden? Ich weiß nicht, ob sie das begreifen, aber sie spielen den Judaismus gegen alles aus, was gut und gerecht ist."

Peled ist israelischer Jude, der Sohn eines israelischen Generals, und ehemaliger Soldat der israelischen Armee. Sie können keine authentischere Insider-Quelle finden. Hier ist ein Hauch seiner Botschaft:
In der Zwischenzeit hat Netanyahu gerade eine temporäre Ausweitung der Fischereigrenzen verkündet, die den Fischern in Gaza gesetzt sind. Für zwei Monate werden sie 9 Meilen weit hinausfahren dürfen, bevor die Grenzen wieder auf 6 Meilen beschränkt werden. Klingt das nicht großherzig? Nein, es ist absurd grausam. Und in der nördlichen Hälfte sind die Einschränkungen sogar noch enger. Laut den Abkommen von Oslo* (1993) soll Israel den Palästinensern, im Einklang mit dem Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen, eine 12 Meilen-Zone für die Fischerei einräumen, jedoch ist das zionistische Regime, wie bei so viele Übereinkommen, seiner Verpflichtung niemals nachgekommen. Außerdem hat Israels zehnjährige Blockade von Gaza vielen Fischern die Möglichkeit genommen Teile für den Erhalt ihrer Schiffe zu kaufen, wodurch die einst blühende Fischindustrie erlahmt ist.

Und kürzlich hat Netanyahu die Palästinenser für 11 Tage eingesperrt, während Israelis Feiertage begingen. Die für israelische Zeitung, Haaretz, schreibende Marilyn Garson, hat berichtet: "Netanyahu versiegelt die großen Tore zur West-Bank und nach Gaza für 11 Tage wegen der Feiern zum Laubhüttenfest (Sukkot). Wie abscheulich, Millionen Menschen im Namen eines Festes einzusperren, an dem der unsoliden Beständigkeit von Mauern gedacht wird. Wenn Juden hinter Betonmauern eingepfercht und für elf Tage weggesperrt würden, damit jemand anders einen judenfreien Feiertag begehen könnte, würden wir das achselzuckend hinnehmen?" Haaretz ist eine relativ redliche Quelle, und so etwas in Israel zu drucken ist wahrhaftig kühn.

Zum selben Thema hatte die Jewish Chronical Folgendes zu sagen: "Grenzschließung während hohen Feiertagen und anderen jüdischen Festtagen sind Routine, aber in der Regel viel kürzer. Die ursprüngliche Entscheidung hat zu Beschwerden innerhalb des israelischen Sicherheitsestablishments darüber geführt, daß sie prinzipiell dem Eifer von Politikern zum Aufpolieren ihrer rechtsextremen Referenzen eine "Bühne" bot." Die JC erklärte weiter, daß die elftägige Schließung von der israelischen Polizei und dem Minister für innere Sicherheit gefordert worden und ursprünglich vom israelischen Militär und leitenden Beamten aus dem Verteidigungsministerium mit der Begründung abgelehnt wurde, daß es sich hierbei um eine unnötige Bestrafung Zehntausender rechtschaffener palästinensischer Arbeiter handle.

Allerdings versäumten beide israelischen Zeitungen zu erwähnen, daß, dank des Vermächtnisses von Balfour, seit der Schließung des Gaza-Streifens und der West-Bank vor 26 Jahren, für Palästinenser keine Bewegungsfreiheit existiert. Schließung ist der Normalzustand, der nicht durch verrückte Ideen von üblicherweise offenen Übergängen vernebelt werden darf.


Gegensätzliche Versprechungen


Das Balfour-Projekt, das sowohl Juden als auch Arabern Gerechtigkeit, Sicherheit und Frieden verspricht, hat eine Fülle an Information ermöglicht. Eine der hiervon veröffentlichten bringt es nahezu auf den Punkt:

Ja, im Jahr 1948 haben wir das von uns geschaffene Chaos aufgegeben. Als die letzten britischen Soldaten abgezogen sind, haben jüdische Führer einen grenzenlosen Staat ausgerufen, und ihn weit über über die Jahre vorher vom  UN-Teilungsplan für Palästina gesetzten Grenzen ausgedehnt, indem ihre Terrormiliz Hunderttausende Palästinenser zur Flucht gezwungen und viele weitere massakriert sowie ihre Häuser und Farmen gestohlen hat.

Was Britannien im Heiligen Land verursacht war das Gegenteil von Anstand und Gerechtigkeit. Die Geschichte wird die Entscheidung der britischen Regierung, Balfour "mit Stolz" zu huldigen, während sie jede Entschuldigung und Wiedergutmachung verweigert  nicht wohlwollend beurteilen. Es besteht eine faire Chance, daß dieses ganze traurige Schauspiel auf Theresa May zurückschlagen und ihren unliebsamen Partnern eine harte Lektion erteilen wird.

Eine Kollegin schrieb erst gestern an einen unserer Regierungsminister, und was sie sagte ist wert hier zu wiederholt zu werden: "Die Minister, von der Premierministerin abwärts, sollten in Demut darüber nachdenken, daß ohne die desaströse Entscheidung ihrer Vorgänger vor 100 Jahren, das Heilige Land immer noch ein Land des Friedens sein könnte, in dem alle Religionen in Harmonie miteinander leben.


© Stuart Littlewood – 23 September 2017

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Stuart Littlewood arbeitete auf Kampfjets der RAF und hat seine Karriere dann im industriellen Marketing fortgesetzt.

Später arbeitete er als Freiberufler mit innovativen Beratungsunternehmen. Er absolvierte ein Psychologiestudium an der Exeter University und war Mitglied des Chartered Institute of Marketing. Von 1992-2007 diente er als parteiunabhängiges Mitglied des Bezirksparlaments von Cambridgeshire und bei der Ordnungsbehörde. Er ist Mitglied der königlich photographischen Gesellschaft. Seit seiner Pensionierung arbeitete er als Zeitungskolumnist und produzierte zweier photographischer Dokumentarbücher. Er ist regelmäßiger Autor mehrerer Nachrichtenmagazine im Internet.

Stuarts Buch Radio Free Palestine, mit einem Vorwort von Jeff Halper, beschreibt die Not der Palästinenser unter der brutalen Besatzung und ist nun auch im Internet zu lesen.


Quelle: https://www.veteranstoday.com/2017/10/23/balfour-british/

Alle mit einem * versehenen Links wurden zusätzlich eingefügt.

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