Mittwoch, 29. November 2017

Die finstere Unvermeidbarkeit des Zionismus

Von Prof. Lawrence Davidson via Consortiumnews
Übersetzt von wunderhaft



Lawrence Davidson schreibt, daß sich unter den zunehmenden Angriffen auf die Meinungsfreiheit eine von Israel betriebene Kampagne zum Boykott Israels wegen dessen rassistischer Verfolgung der Palästinenser befindet.



27. November 2017, Global Research
Wir wissen woher der Zionismus Israel genommen hat. Die Balfour Deklaration hat den Weg dafür bereitet. In diesem imperialistischen und kolonialistischen Dokument versprachen die Briten der Zionistischen Weltorganisation eine "Nationale Heimat der Juden" in Palästina. Das haben sie, wie Edward Said es ausdrückt, "in vollkommener Mißachtung, sowohl der Präsenz als auch der Wünsche der einheimischen Mehrheitsbevölkerung dieser Region, getan".

Von Beginn an haben die Zionisten den Begriff "Nationale Heimat" letztlich als jüdischen Staat verstanden. Die Verwirklichung dieser Annahme hat nicht nur für die Palästinenser, sondern auch für die Juden enorme Auswirkungen. Und, wie sich herausstellt, ebenso für den Rest von uns.

Sie können ein Volk, in diesem Fall eine große Anzahl Europäer jüdischen Glaubens, nicht ohne negative Konsequenzen in ein Gebiet einschleppen, das von Hunderttausenden Nichteuropäern besiedelt ist. Und wenn die ankommenden Europäer das Ziel haben einen Staat ausschließlich für ihre eigene Gruppe zu gründen, werden diese Konsequenzen, in der Tat, schrecklich sein. Umgeben von "den anderen", ist der einzige Weg Ihren exklusiven Staat zu errichten, die Anwendung diskriminierender Praktiken und Gesetze, die letzlich einen Apartheidstaat schaffen. Und genau das ist geschehen.

Während es für die Palästinenser Ausgrenzung, ethnische Säuberungen und Bantustans* bedeutet hat, bedeutete es für die Juden ihre Religion mit einer rassistischen politischen Ideologie zu verknüpfen. Es gibt kein Beispiel von durch Israel an Palästinensern verübten Beeinträchtigungen, keinen Gewaltakt gegen sie, die nicht gleichzeitig das jüdische Volk und seine Religion entehren und erniedrigen.


Ein Abschnitt der Mauer – errichtet von israelischen Behörden, um den Durchgang von Palästinensern zu verhindern – mit einem Graffity mit den Worten, die Präsident John F. Kennedy beim Anblick der Beriliner Mauer sagte: "Ich bin ein Berliner".
(Bildquelle: Marc Venezia)

Weltweite Konsequenzen


Was geschieht mit dem Rest der Welt? Die Konsequenzen des Zionismus bedrohen überall sowohl die Sicherheit als auch die Gleichheit. Das geschieht folgendermaßen:

– Wie die Balfour Deklaration andeutet, sind Israel und seine Gesellschaft Produkte aus der Kolonialzeit. Das war eine Ära in der sowohl Eruopa als auch die Vereinigten Staaten eine offen rassistische Politik und ein ebensolches Verhalten gegenüber Nichteuropäern praktiziert haben. Sie haben die Rechte der vermeintlichen Untergebenen regelmäßig niedergetrampelt. Israel wendet diese Praxis bis in die Gegenwart an:
– Nach dem 2. Weltkrieg wurde klar, daß solch ein Verhalten und Einstellungen moralisch unvertretbar sind und ihre Folgen behoben werden sollten. Und so wurden die Vereinten Nationen gegründet, die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte verfasst und eine Menge Verträge geschlossen, die das Völkerrecht verkörpern, welches Verbrechen gegen die Menschlichkeit benennt. Durch diesen Prozeß ist die Welt in ein potentiell zivilisierteres, post-koloniales Zeitalter eingetreten.

– Als dies geschah wurde das zionistische Projekt umgehend zu einem Anachronismus. Israel wurde tatsächlich zu einem Staat, der den modernen Normen ab dem Moment seiner Ausrufung getrotzt hat.

– Allerdings wollte Israel nicht abseits der Normen stehen. Es wollte als "normale Nation" akzeptiert werden, besonders innerhalb des westlichen Staatensystems. Es gibt nur zwei Wege auf denen das geschehen kann: entweder (1) gibt Israel die rassistische Ideologie des Zionismus auf und nimmt eine Form von Demokratie an, die all seinen Menschen, unabhängig von Religion oder Ethnie, zugänglich ist, oder (2) die Welt muß zur Akzeptanz von zumindest einigen der kolonialen Praktiken des 19. und frühen 20. Jahrhunderts zurückkehren.
Man sollte annehmen, daß die Wahl der antirassistischen Option und der für einen fundamentalen Wandel erforderliche Druck auf Israel – wie es die Welt mit dem weiß regierten Südafrika gemacht hat – die offensichtliche Wahl für heutige Staatsmänner sei. Dem scheint aber nicht so zu sein. Woran liegt das?

Es gibt derzeit andauernde Bemühungen, man mag sie als Aktualisierung des zionistischen Projekts bezeichnen, welche die Welt rückwärts bewegen, sodaß vergangene rassistische Praktiken als "normal" akzeptiert werden. Sie bestehen aus
(a) einem Angriff auf das Völkerrecht, welches die Menschenrechte schützt (trotz der Tatsache, daß vieles von diesem Recht als Reaktion auf die antisemitischen Verbrechen der 2. Weltkriegs geschaffen worden ist),

(b) dem Versuch den Internationalen Strafgerichtshof zu unterwandern und

(c) einem Angriff auf die Vereinten Nationen und ihre Behühungen zum Schutz der menschlichen und politischen Rechte der Palästinenser.

Treten sie dem BDS* bei


Es ist klar, daß nur wenige der Regierungen der Welt willens sind Israel die Stirn zu bieten, obwohl es sich um einen Apartheidstaat in einem Zeitalter handelt, das von sich behauptet solch rassistischen Regime zu verabscheuen. Das hat eine Menge mit den finanziellen und den besonders starken Interessen zionistischer Unterstützer sowohl bei Juden als auch bei Christen und mit der Anwendung solcher Macht zur Korruption der Politikgestaltung zu tun, was sich am deutlichsten in den Vereinigten Staaten beobachten läßt.

Paläsinensische Jungen bereiten sich auf den Empfang von Women´s Boat to Gaza* vor, das von der israelischen Seeblockade am 5. Oktober 2016 abgefangen worden ist
Es existieren auch umfangreiche israelische Netzwerke für den Handel mit Spitzentechnologie und Waffen in Europa, Afrika und Südamerika, die wichtige politische und wirtschaftliche Institutionen sowie Einzelpersonen dazu verleiten den zionistischen Staat zu unterstützen oder vor ihm ein Auge zuzudrücken. Und sicherlich gibt es eine wachsende Anzahl von Staaten, die ihrerseits planen ihre eigenen Minderheiten auszugrenzen.

Bedeutet das, daß es keine Möglichkeit gibt gegen die tückischen Effekte dieses reaktionären Regimes vorzugehen – das, laut seinem eigenen ehemaligen Premierminister, Ehud Barak, "mit Faschismus infiziert ist"? Nein, es gibt Möglichkeiten sich Israel zu widersetzen. Allerdings lassen diese sich derzeit nur außerhalb des Bereichs staatlichen Handelns und, zumindest momentan, auch nur außerhalb Palästinas finden.

Letzteres ist so, weil die indigene Bevölkerung in Palästina in 70 Jahren kolonialer Barbarei durch Israel zermürbt worden ist, was jedoch nicht bedeutet, daß der Widerstand innerhalb der Besetzten Gebiete nicht fortgesetzt wird. Er wird fortgesetzt, wenn auch auf relativ niedriger Ebene und zu einem hohen Preis.

Seit dem Tod von Yasser Arafat im Jahr 2004 sind zu viele palästinensische Führer dazu benutzt worden die Rolle eines modernen Verräters zu spielen. Die Palästinenser innerhalb der von Israel kontrollierten Gebiete sind nun in Bantustan-ähnliche* Enklaven fragmentiert, und ihrer eigenen "Sicherheitskräfte" arbeiten oft Hand in Hand mit den israelischen Unterdrückern.

Als Konsequenz aus diesen Umständen, kann momentan der größte Druck auf die Apartheid in Israel nur durch Aktivitäten einer organisierten Zivilgesellschaft ausgeübt werden. Nur dieser Druck selbst ist möglicherweise in der Lage einen fundamentalen Wandel in Israel herbeizuführen oder auch nicht, jedoch ist er sicherlich in der Lage die Kosten für diese rassistische Gebaren zu erhöhen und die öffentliche Meinung zu beeinflussen.

Wir sprechen hier über die BDS (dt. Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen) Bewegung, die sowohl Individuen als auch Organisationen (seinen es wirtschaftliche, kulturelle oder intellektuelle) auffordert auf die Zusammenarbeit mit Israel und seinen staatlich finanzierten Institutionen und Projekten zu verzichten. Bisher hat sich das als effektive Waffe gegen den israelischen Rassismus und Kolonialismus erwiesen. Zum Beispiel finden Sie, wenn Sie auf die Website der U.S. Campaign for Palestinian Rights gehen, eine Liste von 200 kürzlichen Erfolgen finden, die unter die Kategorien, Boykott und Desinvestitionen, fallen. Staatliche Sanktionen sind noch Zukunftsmusik.


Israelischer Druck


Diesbezügliche Erfolge haben, selbstverständlich, heftige Reaktionen bei den Zionisten hervorgerufen. Laut einem Artikel der Huffington Post, "soll die israelische Regierung zu deren Bekämpfung den Ministerien und ihren Agenten in Militär und Nachrichtendiensten zigtausend Dollar bereitgestellt haben.

Der israelische Minister für Transport, Geheimdienste und Atomenergie, Yisrael Katz, hat vor Kurzem die "gezielte Tötung von Zivilisten" aus der BDS Führung gefordert. Tatsächlich zeigt eine solche Reaktion nicht nur, daß die Kosten für den israelischen Rassismus steigen, sondern auch, daß die Zionisten die öffentliche (wenn nicht gar die staatliche) Debatte über ihr Verhalten gegenüber den Palästinensern verloren haben.

Allgemein gesagt ist BDS eine Bemühung zum Schutz des positiven Potentials innerhalb der modernen post-kolonialen Gesellschaft: Das zivilisierte Potential, das dem Völkerrecht, den Menschen- und Bürgerrechten sowie einem wohltätigen und gleichheitlichen Rechtsstaat für uns alle innewohnt.

BDS war bisher so erfolgreich und kraftvoll bei der Anstrengung Israel auf denselben Weg wie das weiß regierte Südafrika zu zwingen, daß Israel und seine Stellvertreter in den VS und Europa gewillt sind dieselben Gesetze und Rechte zu unterminieren, die dabei helfen die bestehende Freiheiten im öffentlichen Raum zu gewährleisten. In den Vereinigten Staaten wird bspw. genau jenes Recht zur Beteiligung an einem solchen Boykott und somit auch die von der Verfassung geschützte Meinungsfreiheit von den Zionisten angegriffen. Amerikanische Zionisten scheinen gewillt zu sein ihre eigenen verfassungsmäßigen Schutzvorkehrungen zu zersetzen, um einen rassistischen, ausländischen Staat zu unterstützen.

Der Zionismus kann als seltsame Verdrehung der Warnung des spanischen Philosophen, George Sanrayana, betrachtet werden, wonach "jene, die sich der Vergangenheit nicht erinnern, dazu verdammt sind sie erneut zu durchleben". Die Zionisten erinnern sich bestimmt an die von europäischen Juden erlittenen Verfolgungen. Aber sie vergessen, daß dies Mißhandlungen allermeistens von rassistischen Staaten organisiert worden sind, die eine ethnische Säuberung der Juden gefordert haben.

Diesen politischen Aspekt ihrer eigenen Vergangenheit zu vergessend, begehen die Zionisten nun dasselbe Vergehen an den Palästinensern. Um die ethnische Säuberung an den Palästinensern weiterhin ausüben zu können, bedarf es auch unser aller Vergessen der Sünden des vergangenen Rassismus. Unsere Antwort sollte das Motto beherzigen: "Nie Wieder!" Bezüglich des beschämenden Verhaltens Israels und der Zionisten, ist an der Zeit das zu fordern.

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Lawrence Davidson ist Professor für Geschichte an der West Chester University in Pennsylvania. Er ist der Autor der Bücher Foreign Policy Inc.: Privatizing America’s National Interest, America’s Palestine: Popular and Official Perceptions from Balfour to Israeli Statehood sowie von Islamic Fundamentalism. Er betreibt das Blog, www.tothepointanalyses.com

Die Originalquelle dieses Artikels ist Consortiumnews


Quelle: https://www.globalresearch.ca/the-dark-inevitability-of-zionism/5620310



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