Dienstag, 14. November 2017

Die Zusammenarbeit von Israel und Saudi-Arabien bei der Ergreifung der Kontrolle über den Mittleren Osten

Von Wayne Madsen
Übersetzt von wunderhaft


 How Israel and Saudi Arabia Conspire to Seize Control of the Middle East


9. November 2017, Strategic Culture
Die kürzlich durchgesickerte geheime Depesche des israelischen Außenministeriums an all seine diplomatischen Einrichtungen deutet auf die List hin, deren Ziel die politische Zwietracht im Libanon und eine möglicherweise gemeinsame militärische Konfrontation von Saudi-Arabien und Israel ist. Das Telegramm weist die israelischen Diplomaten an den diplomatischen Druck auf die Hisbollah den Libanon und den Iran zu erhöhen. Der israelische Plan sah hierfür in der  Tatsache, daß das von Kronprinz Mohammed bin Salman (MbS) geführte neue saudi-arabische Regime fähig war den Libanesischen Premierminister Saad Hariri, eine langjährige Marionette der Saudis, zu zwingen seinen Posten auf saudischem Boden zu räumen, eine Gelegenheit.

Das israelische Telegramm forderte seine ausländischen Gesandtschaften auch dazu auf ausländische Regierungen zu einer Unterstützung des saudi-arabischen Kriegs zu drängen. Der Iran ist sowohl Hauptunterstützer der Houthis, die dem saidischen Zweig des Islam angehören, der enge religiöse Verbindungen zu den Schiiten unterhält, die den Iran regierenden und die Hisbollah anführen, als auch zu dem alawitischen Zweig des Islam, der die syrische Regierung dominiert.

In seiner englischen Übersetzung aus dem Hebräischen erklärt die israelische Depesche erklärt den israelischen Diplomaten: "Sie müssen betonen, daß Hariris Rückritt zeigt, wie gefährlich der Iran und die Hisbollah für die Sicherheit des Libanons ist." Obwohl viele politische Beobachter des Mittleren Ostens glauben, daß der mutmaßliche Angriff auf den King Khalid International Airport durch eine Mittelstreckenrakete der Houthi  eher der Fantasie als den Tatsachen entspricht, ordneten die Israelis, die mit militärischen und geheimdienstlichen Operationen unter Falscher Flagge vertraut sind, ihre Diplomaten an ihren Gastregierungen zu demonstrieren, daß "der Raketenstart durch die Houthis in Richtung Riad mehr Druck auf den Iran und die Hisbollah erfordere."

Auf die Veröffentlichung des israelischen Telegramms folgten zwei Ereignisse in Saudi-Arabien. Das erste bestand in dem de facto Staatsstreich durch MbS gegen vermeintliche Feinde seines Vaters, König Salman. Dem Staatsstreich folgte einige Tage später der zweite große Zwischenfall: eine geheimnisvolle Reise des Sonderberaters und Schwiegersohns von  Präsident Donald Trump, Jared Kushner, nach Riad. Kushner und MbS arbeiteten viele Abende bis um 04:00 des nächsten Morgens an einer gemeinsamen "Strategieplanung". Kushner kam in Begleitung der in Kairo geborenen stellvertretenden Sicherheitsberaterin der VS, Dina Powell*, einer Unterstützerin des saudi-freunlichen ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah el-Sisi, und dem Gesandten des Weißen Hause für den Mittleren Osten, Jason Greenblatt, einem strengen Unterstützer des israelischen Premierministers, Benjamin Netanyahu und engem Freund der Familie Kushner.

Wie aus der durchgesickerten israelischen Depesche ersichtlich, planten Kushner, Greenblatt, Powell und MbS eine Serie von Zwischenfällen, die den Mittleren Osten mit Israels Unterstützung auf den Weg zu einem großen sunnitisch/wahabitischen Krieg, gegen den Iran, Libanon und die Regierung der Houthis im Jemen bringen sollten. Durch MbS Staatsstreich gegen den regierenden Prinzen des Hauses Saud wurde aus dem "saudischen" Regime ein "salmanisches". MbS war einer der Haupttriebfedern hinter der Errichtung des Islamischen Staates im Irak und der Levante (ISIL) oder Daesh im Irak und Syrien, der Chefarchitekt des genozidalen, von den Saudis geführten Kriegs im Jemen und die treibende Kraft hinter den wirtschaftlichen- und Reisebeschränkungen die Katar vom Golf-Kooperationsrat* auferlegt worden sind. Auch möchte MbS, der mit Kushner und den Israelis zusammenarbeitet, die Vereinigten Staaten in einen großen militärischen Konflikt mit dem Iran locken.

Anstatt ein Reformer oder "moderat" zu sein, besinnt sich MsB vielmehr auf ein Zeitalter, in dem rivalisierende Scheichs und Stammesführer noch um die Kontrolle weiter arabischer Wüstengebiete konkurriert haben. MsBs andauernder Staatsstreich gegen rivalisierende Prinzen des Hauses Saud deutet auf seine Absicht hin autokratischer Herrscher über Saudi-Arabien zu werden, wenn sein Vater, König Salman, die Bühne verläßt. Obwohl MsB die Macht der gefürchteten saudi-arabischen Religionspolizei eingeschränkt und Frauen das Autofahren erlaubt hat, um öffentliche Unterstützung für seine eigene "salmanische" Bewegung in Saudi-Arabien zu erhalten, hat sein salmanisches Regime den Hang gezeigt keinen politischen Widerspruch zu dulden, wie seine Verhaftungen mächtiger saudischer Prinzen und Geschäftsleute sowie wahabitischer Kleriker verdeutlicht haben.

Einige Mittel Ost-Experten sehen in der MsBs rapider Machtübernahme letztlich das Ziel derselben autokratischen Herrschaft über Saudi-Arabien, wie die des Gründers des modernen Saudi-Arabiens, Abdulaziz bin Saud in den 1930er Jahren. Und ebenso wie Abdulaziz bin Saud sieht auch MsB beim Erreichen seiner Ziele kein Problem in der Kooperation mit den Zionisten. Historische Dokumente und Biographien beweisen, daß Abdulaziz oder Ibn Saud, wie er gewöhnlich genannt wird, im Jahr 1953 kein Problem mit der Unterstützung von Dr. Chaim Weizmann, dem Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation sowie dem späteren, ersten Präsidenten des Staates Israel, bei der Errichtung eines jüdischen Staates in Palästina gehabt hat. In einer Notiz für Präsident Franklin Roosevelt berichtet Lt. Col. Harold B. Hoskins, der Gesandte des Präsidenten für den Mittleren Osten, daß Ibn Saud den Plan der Zionisten für einen jüdischen Staat im Gegenzug für ein Bestechungsgeld in Höhe von £20.000.000 Pfund akzeptiert hat, die er von Weizmann erhalten hatte. Der kürzliche "Deal" zwischen den Saudis und den Israelis könnten eine von Riad und Jerusalem unterstützte Bestechung für einen Krieg der VS mit dem Iran zur gegenseitigen Genugtuung Trumps und Kushners sowie Nethanyahus und MbSs beinhaltet haben.

MbS ernsthafter Aufstieg in eine prominenten Rolle innerhalb des Hauses Saud begann im Oktober 2011, als der Kronprinz, Sultan bin Abdulaziz, verstorben ist. Der derzeitige König, Salman, der ehemalige Gouverneur der  Provinz Riad, wurde im November 2011zum stellvertretenden Premierminister und Verteidigungsminister. Salman hat MsB zu seinem persönlichen Berater gemacht und ihn mit weiten Befugnissen ausgestattet, mit denen der junge Prinz das Entfachen der jihadistischen Rebellion gegen Präsident Bashar al Assad in Syrien und dem Aufstand gegen Muammar Gaddafi in Libyen unterstützt hat. Msb hat auch seinem Vater dabei geholfen den demokratie-freundlichen Aufstand in Barhain niederzuschlagen.

Im November 2012 starb Salmans Bruder, Kronprinz Nayef bin Abdulaziz Al Saud. Salman wurde zum Kronprinz und stellvertretenden Premierminister ernannt. Salman gestaltete im Wesentliche die Innenpolitik Saudi-Arabiens, während sein Halbbruder, König Abdullah, außer Landes war, was häufig der Fall gewesen ist. Kronprinz Salmans Neigung zu wohltätigen Spenden an weitgehend verarmte muslimische Länder, die con MsB geteilt wurde, ließ saudisches Geld in die Koffer radikaler wahabitischer Gruppen in Somalia, Bangladesch, Afghanistan und des Sudans fließen.

Im Januar 2015 starb König Abdullah im Alter von 90 Jahren und Salman erlangte den saudischen Thron. Der ehemalige Chef des saudischen Geheimdienstes, Prinz Muqrin bin Abdulaziz Al Saud wurde von Salman zum Kronprinz ernannt. Murqrins Regentschaft dauerte nicht lange. Im April des Jahres 2015 ersetzte Salman Murqrin durch seinen Neffen, den Innenminister, Prinz Muhammad bin Nayef al-Saud. MbS wurde zum Verteidigungsminister ernannt. Am 21 Juni 2017 wurde Kronprinz Nayef durch etwas wie einen "schleichenden Putsch" per königlichem Dekret abgesetzt. Nayef wurde, was ein Hinweis auf künftige Ereignisse war, nur vier Monate später in seinem Palast unter Hausarrest gesetzt und gezwungen auf seine Ansprüche auf den Thron zu verzichten. König Salman beeilte sich MBS zum neuen Kronprinzen zu ernennen.

Im September 2017 hat MBS einige der höchsten Kleriker in Saudi-Arabien festnehmen lassen, einschließlich Salman al-Quda, der, als von der wahabitischen Infrastruktur Saudi-Arabiens unabhängig, für die Befürwortung einer Aussöhnung zwischen Saudi-Arabien und Katar bekannt gewesen ist. Zwei Landleute von al-Quda, Awad al-Qarni und Ali al-Omari sind ebenfalls verhaftet worden.

Der ehemalige Kronprinz Nayef soll unter Hausarrest gesetzt geblieben sein, bis MSB sich am 4. November 2017 plötzlich gegen andere Mitglieder des Hauses Saud gewandt hat. Mit der Verkündung der Gründung eines neuen saudischen Korruptionsausschusses hat MbS mindestens 12 saudische Prinzen, einschließlich des Multimilliardärs und internationalen Investors sowie Vorsitzendem der königlichen Holdinggesellschaft, Prinz Alaweed bin Talal al-Saud, unter Hausarrest gestellt und auch den Kommandeur der saudischen Nationalgarde, den Sohn des verstorbenen Königs Abdullah, Prinz Miteb bin Abdullah entlassen und ihn durch den MBS loyalen Prinz Khalid Bin Ayyaf Al-Muqrin ersetzt.

Viele leitende Beamte aus der Regierung des verstorbenen Königs Abdullah werden von MSB und seinen Untergebenen systematisch eliminiert. Unter ihnen befinden sich Prinz Turki bin Abdullah, ein ehemaliger Gouverneur der Provinz Riad und Khaled al-Thuwaijri, der unter Adullah Chef des königlichen Gerichts gewesen ist. Zur selben Zeit hat MbS Prinzen und Minister in Riad versammelt. Ein Hubschrauber, der den Prinz Mansour bin Muqrin, den stellvertretenden Gouverneur der Provinz Asir, und sieben weitere leitende saudische Beamte transportiert hat, ist nahe Abha in der Provinz Asir, nahe der Grenze zu dem von Houthis kontrollierten Nordjemen, abgestürzt. Prinz Mansour war der Sohn des ehemaligen Kronprinzen, Prinz Muqrin bin Abdulaziz, der im Jahr 2015 zugunsten Salmans abgelöst worden ist. Am 6. November hat der saudische Königspalast zum Tod des 44 Jahre alten Prinzen Abdul Aziz kondoliert. Laut Berichten aus Saudi-Arabien starb der Prinz an Schußwunden, nach einem Schußwechsel seiner Leibgarde mit MbS loyalen Polizisten, die gekommen waren um ihn zu verhaften.

Trump, der sich auf einer Asienreise befindet, tweetete sein volle Unterstützung für den Staatsstreich von MbS. Mit der List von MbS, Kushner und den Israelis tanzt Trump die Vereinigten Staaten einer möglicherweise katastrophalen Konfrontation mit dem Iran und einen totalen Zusammenbruch des ohnehin schwachen status quo im Mittleren Osten entgegen.

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Wayne Madsen ist investigativer Journalist, Autor und freier Auslandskorrespondent. Er ist Mitglied der Society of Professional Journalists (SPJ) und des National Press Club.


Quelle: https://www.strategic-culture.org/news/2017/11/09/how-israel-saudi-arabia-conspire-to-seize-control-middle-east.html



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