Mittwoch, 24. Januar 2018

Afghanistan: Das Vermächtnis des britischen Empires. Ein kurzer geschichtlicher Abriß.

Von Dana Visalli
Übersetzt von wunderhaft


[Anm: Dieser Beitrag umfaßt etwa 10 Normseiten und stellt, wie sich bei der eigenen Recherche feststellen läßt, tatsächlich nur einen kurzen Abriß dar, der einen Blick auf die Wurzeln und die historischen Zusammenhänge der derzeitigen Krise in und um Afghanistan gibt. Auch zeigt er, wie tief die Menschenverachtung derer sein muß, die diesen Krieg für den Erhalt des anglo-amerikanischen Imperiums führen lassen. A.]

Beitrag als PDF-Datei herunterladen.



Dieser zeitgeschichtliche Beitrag wurde ursprünglich am 22. März 2013 bei Global Research veröffentlicht.


Unser Problem ist nicht ziviler Ungehorsam. Unser Problem ist ziviler Gehorsam. Unser Problem ist, daß Menschen überall auf der Welt den Befehlen ihrer Regierungsanführer gehorcht haben, in den Krieg gezogen sind und Millionen wegen dieses Gehorsams getötet wurden. Unser Problem ist, daß die Menschen, im Angesicht von Armut und Hunger und Dummheit und Krieg und Unmenschlichkeit gehorchen. Unser Problem ist, daß Menschen gehorsam und die Gefängnisse voll von Gelegenheitsdieben sind, während die großen Diebe das Land verwalten und plündern. Das ist unser Problem.



23. Januar 2018, Golbal Research
Ein kurzer Abriß über die jüngere Geschichte Afghanistans erklärt einige der Hintergründe bezüglich der heutigen Krise in diesem Land.

Zunächst sei erwähnt, daß es sich bei Afghanistan um ein komplexes Gebilde handelt. Es gibt dort 20 große unter den insgesamt mehr als 50 ethnischen Gruppen mit über 30 verschiedenen Sprachen, allerdings spricht die Mehrheit auch Paschtu und/oder Dari.

Die spiegelt spiegelt sich in der geographischen Lage des Landes als Kulturknotenpunkt ebenso wieder wie in seiner gebirgigen Topographie, welche verschiedene ethnische Gruppen voneinander trennt. Im 18. Jahrhundert, als Afghanistan sich zu einer Nation geformt hat, sind zwei der Großmächte jener Zeit aus zwei verschiedenen Richtungen auf das Land vorgerückt. England war zwischen 1757 und 1857 dabei Indien zu erobern, und Rußland breitete seine Kontrolle im Osten aus und gelangte im Jahr 1828 an die afghanischen Grenzen. Dieser Überblick wird sich zunächst mit Englands und dann mit dem amerikanischen Anteil bei der Gestaltung des modernen Afghanistans beschäftigen.

Eines der lukrativsten Produkte, die England aus seiner neuen Kolonie, Indien, exportiert hat, war Opium.[1]

Um 1770 hatte Britannien ein Monopol auf die Opiumproduktion in Indien und nahm sich vor den Anbau auch auf Afghanistan auszuweiten (die Grenzen zwischen beiden waren bis 1893 nicht klar definiert). Darauf bedacht ihren Drogenhandel zu schützen und um einen zu freundlichen Umgang des afghanischen Königs, Dost Mohammed, mit den Russen besorgt, haben die Briten im Jahr 1838 ein 12.000 Mann starkes Expeditionskorps nach Afghanistan entsandt, um ihn zu entthronisieren und ihren eigenen, handverlesenen König, Sah Shoja, an die Macht zu bringen. Sie errichteten eine Garnison in Kabul, um ihn zu unterstützen. Allerdings leistete die afghanische Bevölkerung Widerstand gegen dies Besatzung, und im Winter des Jahres 1842 sahen sich die Briten gezwungen einen Rückzug nach Osten zu wagen. Innerhalb weniger Tage nach ihrem Rückzug aus Kabul lagen 17.000 britische Soldaten und  Hilfskräfte nach einem Kampf mit afghanischen Streitkräften abgeschlachtet im Schnee zwischen Kabul und Dschalalabad.[2]

Dost Mohammed kehrte an die Macht zurück, doch die afghanische Regierung besaß nicht die Macht zum Schutz ihrer Grenzen, und England übernahm schon bald die Kontrolle über das gesamt afghanische Territorium zwischen dem Indus* und dem Hindukusch*, einschließlich Belutschistan im Jahr 1859, und verweigerte Afghanistan den Zugang zum Meer.[3] Immer noch besorgt über die Expansion Rußlands, marschierte England im Jahr 1878 erneut in Afghanistan ein, stürzte den herrschenden König und zwang die neue Regierung ein britische Protektorat zu werden. England überlegte Afghanistan in etwas aufzuteilen, was London zu einer "systematischen Grenze" ihres indischen Imperiums bestimmt hatte, entschied sich jedoch für eine Afghanische Regierung, über deren Wirtschafts- und jegliche Außenpolitik es die Kontrolle zurückerlangt hatte.[4]

Die britischen Invasionen erbitterten das afghanische Volk, das eine gewisse Xenophobie entwickelte, die einem machtvollen Widerstand gegen westlich orientierte Reformen schuf, welche die afghanischen Führer in den kommenden Jahre auf den Weg bringen sollten.

Um seine Ziele zu erreichen schuf England im Jahr 1893 die Durand-Linie*, eine willkürliche 1.500 Meilen lange Grenze zwischen dem "britischen" Indien und Afghanistan, die seine ehemaligen Landgewinne festigten und die nordwestlichen Grenzprovinzen, die schon lange als Teil Afghanistans betrachtet worden waren, beanspruchten. Diese Grenze wurde in einem anglo-russischen Übereinkommen, ohne die vorherige Konsultation der Afghanischen Regierung, dauerhaft gemacht.[5] Die Einnahme dieser Provinzen spaltete das paschtunische Volk*, das seit Urzeiten als fester Bestandteil des afghanischen Vaterlandes betrachtet worden war, zwischen zwei getrennten Nationen, Afghanistan und Indien. Dies erschuf eine tiefe Feindseligkeit unter den Paschtunen, die bis zum heutigen Tag erhalten geblieben ist. In der Tat sind alle Taliban Paschtunen. Danach ist es weder Britannien noch Pakistan gelungen die volle Kontrolle über die nordwestlichen Provinzen zu erlangen, die später zur Quelle des radikalen Islams geworden sind und sowohl Al-Qaida als auch die Taliban hervorgebracht haben. Es sind diese nordwestlichen Provinzen, auf die heutzutage der Großteil der amerikanischen Raketen von Drohnen abgefeuert werden. Diese Abneigung hat ihren Ursprung in der Festlegung der Durand-Linie.

Ein streng anti-kolonialer junger König, König Amanullah, bestieg im Jahr 1919 den afghanischen Thron und erklärte die Afghanistan in seiner Antrittsrede für unabhängig von dem Status eines britischen Protektorats. Er versuchte die paschtunischen Gebiete östlich der verhassten Durand-Linie durch das Organisieren von Aufständen und ihrer Unterstützung mit afghanischen Truppen zurückzugewinnen. Als Reaktion auf diese Provokation haben die Briten im Juni des Jahres 1919 daraufhin erneut, mit dem Beginn des dritten Anglo-Afghanischen Krieges innerhalb von achtzig Jahren, mit einem Angriff auf diese Provokation geantwortet. Die Briten erlitten schon früh Rückschläge und beantworteten diese mit (feigen / Anm. d. Übers.) Luftangriffen auf Kabul und Dschalalabad. Da keine der beiden Seiten die Ausdauer für einen langen Krieg gehabt hat, wurde im August 1919 ein Friedensvertrag geschlossen, der Afghanistan die volle Unabhängigkeit gewährte, jedoch den Status quo der Durand-Linie bestehen ließ.

In der Zwischenzeit erwies sich die britische Kontrolle über die paschtunischen Stammesgebiete eher als Wunsch denn als Realität. Zwischen 1849 und 1999 wurden nicht weniger als 42 Militäroperationen ausgeführt, die zu nicht viel mehr geführt haben, als zur Wiederbestätigung der hartnäckigen Unabhängigkeit der Gebirgsstämme. Als Amanullah die Wiedervereinigung nach 1919 weiter fortgesetzt hat, antwortete Britannien mit einem unbarmherzigen und blutigen Einsatz um die nordwestlichen Territorien ruhig zu stellen. Im Jahr 1920 ereignete sich ein Fünftagekrieg, in dem zweitausend britische und indische sowie mehr als viertausend afghanische Soldaten getötet worden sind.[6]

Amanullah selbst ist in Afghanistan zu einer Lichtgestalt der Befreiungsbewegung geworden. Er hat sich in dem Land durch die Reformation der Armee, die Abschaffung der Sklaven- und Zwangsarbeit und durch die Ermutigung zur Frauenbefreiung um drastische Veränderungen bemüht. Er war gegen den Gebrauch des Schleiers und die Unterdrückung der Frau und hat Bildungsmöglichkeiten für Frauen geschaffen. Das haben die Briten Amanullah verübelt, weil sie befürchtet haben, daß die Liberalisierung der afghanischen Gesellschaft auf Indien überspringen und dor zu einer Bedrohung für die britische Herrschaft werden würde.[7] Aus diesem Grund haben sie in dem Land die Unterstützung konservativer und reaktionärer Islamisten eingeleitet, um Amanullahs Herrschaft zu unterminieren.

Im Jahr 1924 ereignete sich ein blutiger Aufstand konservativer Islamisten inder Grenzstadt, Chost*, der von der afghanischen Armee niedergeschlagen worden ist. Der Aufstand war eine Reaktion auf Amanullahs Sozialreformen, besonders gegen die öffentlichen Bildungseinrichtungen für Mädchen und die größeren Freiheiten für Frauen. Der afghanische Historiker Abdul Samad Ghaus schrieb im Jahr 1988, "Britannien wurde in diesem Fall als Schuldiger betrachtet, weil sie die Stämme gegen Amanullah aufgebracht haben, um zu versuchen seinen Sturz herbeizuführen.[8]

Im Jahr 1928 ereignete sich eine größere Revolte konservativer Stämme, und Amanullah wurde gezwungen das Land zu verlassen. Viele Historiker Vermuten auch in diesem Fall Britannien als Urheber. Aus Ghaus Sicht "sind die Afghanen im Allgemeinen davon überzeugt, daß die Eliminierung Amanullahs von den Briten herbeigeführt worden ist, weil er ... zu einem Hindernis für die Unterstützung der britischen Interessen geworden war".[9]

Der neue König, Nadir Shah, befolgte die Befehle Britanniens, einschließlich der Akzeptanz der Durand-Linie. Britannien eröffnete im Jahr 1930, in einem weiteren Versuch die Kontrolle über die Nordwest-Territorien zu erlangen, eine militärische Aktion. Die Offensive war dürftig, und Britannien war dabei die Kontrolle über Peschawar*  an die Stammeskrieger zu verlieren, als sie ein massives Flächenbombardement gegen afghanische Zivilisten initiierte, um eine Niederlage zu verhindern. Der MIT-Professor, Noam Chomsky, hat später hervorgehoben, daß "Winston Churchil das Gefühl hatte, daß Giftgas genau das richtige Mittel gegen die (besonders kurdischen und afghanischen) "unzivilisierten Stämme  war", während der angesehene britische Staatsmann Lloyd George festgestellt hat, daß "wir auf unser Recht bestehen Nigger zu bombardieren."[10]

Eine der Wurzeln dieser andauernden Animosität zwischen Afghanistan und Pakistan war der scheinbare Verlust der von den Briten vereinnahmten afghanischen Gebiete, einschließlich Belutschistans (mit seinem Zugang zum Meer) sowie die Vergabe der Nordwest-Territorien an Pakistan bei dessen Gründung durch die Briten im Jahr 1947. Die Briten haben die Afghanen von der Teilnahme an Verhandlungen und von dem Teilungsvertrag ausgeschlossen, welcher Pakistans Grenzen abschließend festgelegt hat – auf der Durand-Linie. Zusätzlich zu der Institutionalisierung der im Jahr 1893 geschaffenen Grenzen hat Britanniens Teilungsakt die afghanische Ökonomie durch die permanente Verweigerung Zugangs des Landes zum Meer über sein ehemaliges Territorium, den Hindukusch.

Als Antwort auf das Teilungsabkommen hat die afghanische Regierung eine paschtunische Unabhängigkeitsbewegung geschaffen, welche die Unabhängigkeit der Nordwestterritorien gefordert hat. Daraufhin hat Pakistan seine Position bezüglich dieser Gebiete gefestigt. Im Jahr 1948 hat Pakistan seine Militärpräsenz dort stark erweitert. Diese Aktion provozierte den afghanischen König, Zahir Shah, sich von der Durand-Linie loszusagen und die Zurückgabe seines Territoriums zu fordern. Kabul rief zu einer Versammlung der afghanischen Stämme (eine Loya Dschirga*) auf, die sich zur vollen Unterstützung der Forderung nach einer separaten Unabhängigkeit für die Stammesgebiete von Pakistan entschloß.

Die Versammlung ermächtigte die afghanische Regierung auch sämtliche afghanischen Verträge mit Großbritannien, bezüglich der Trans-Durand-Paschtunen, zu annulieren. Die ernsthafte Involvierung Amerikas in Afghanistan begann kurz nach dem Ende des 2. Weltkriegs. Im Jahr 1950 wurde in einem streng geheimen VS-Strategiepapier, der National Security Direktive 68*, vor dem angeblichen "Streben nach Weltherrschaft" durch die Sowjetunion gewarnt.

Die Vereinigten Staaten bereits im Jahr 1945 mit der Einführung von Hilfsprojekten in Afghanistan begonnen. Der sowjetische Präsident Nikita Cruschtschow hat in seinen Memoiren geschrieben, "es war uns klar, daß die Amerikaner mit dem offensichtlichen Ziel der Errichtung eines Militärstützpunkts nach Afghanistan eindrangen".[11] Die VS haben im Jahr 1956 tatsächlich einen ziemlich nutzlosen internationalen Flughafen in Kandahar errichtet, der weitgehend als Auftankstation für VS-Bomber betrachtet worden ist. Wikipedia merkt an, daß, "da der Flughafen als Militärstützpunkt entworfen worden ist, ist es wahrscheinlicher, daß die Vereinigten Staaten beabsichtigen ihn, im Falle einer kriegerischen Auseinandersetzung zwischen den VS und der ehemaligen UDSSR, als solchen nutzen werden".[12]

In den frühen 1970er Jahren haben die VS entschieden, daß der beste Weg sich dem sowjetischen "Streben nach Weltherrschaft" entgegenzusetzen in der Unterstützung der strengen Islamisten besteht, die sich den fortschrittlichen Reformen der afghanischen  Regierung widersetzt haben. Laut Roger Morris, einem Mitglied des Nationalen Sicherheitsrats, hatet die CIA bereits im Jahr 1973 mit der verdeckten Unterstützung radikaler Islamisten begonnen.[13] Im August 1979 hat ein vertraulicher Bericht des Außenministeriums erklärt: "den höheren Interessen der Vereinigten Staaten wäre ...  mit einem Sturz des derzeitigen afghanischen Regimes gedient, welche Rückschläge das auch immer für künftige soziale und ökonomische Reformen in Afghanistan bedeuten würde".  Der afghanischen Regierung feindlich gesonnene und von den VS unterstützte fundamentalistische Islamisten erlangten als Mudschahedin oder ´Kämpfer für den Islam´ allgemeine Bekanntheit

Zbigniew Brzezinski, der nationale Sicherheitsberater von Prädident Carter, hat nach dem sowjetisch-affhanischen Krieg zugegeben, daß die CIA den afghanischen Mudschahedin ganze sechs Monate vor der sowjetischen Invasion verdeckte Unterstützung hat zukommen lassen.[14] Er unterstrich, daß die Absicht der VS bei dieser Unterstützung gewesen ist, "die Russen in die afghanische Falle tappen zu lassen ... am Tag, an dem die Sowjets offiziell die Grenze überschritten haben, schrieb ich Präsident Carter: Jetzt haben wir die Gelegenheit der UDSSR ihren Vietnamkrieg zu geben". Der Einmarsch der Sowjets nach Afghanistan basierte nach deren Ansicht größtenteils auf dem Wissen, daß die VS die afghanische Regierung vorsätzlich für ihre eigenen Zwecke destabilisiert haben.

Als die Sowjets einmarschiert sind, haben sich die VS beeilt die Mudschahedin mit Waffen zu versorgen. Im Februar 1980 berichtete die Washington Post, daß sie Waffen von der der VS-Regierung erhalten haben. Deren Anzahl ist erheblich gewesen: Von 10.000 Tonnen an Waffen und Munition im Jahr 1983 stieg deren Menge, laut Mohammed Yousaf, der den verdeckten Krieg vom Jahr 1983-1987 überwachte, im Jarhr 1987 bis auf jährlich 65.000 Tonnen an.  Der zwischen 1986 und 1989 für die Bewaffnung der Mudschahedin verantwortliche Einsatzleiter der CIA in Pakistan, Milton Bearden, erklärte, " Die VS haben die Sowjets bis zum letzten Afghanen bekämpft".[15]

Im Verlauf des Krieges haben die Vereinigten Staaten und Saudi-Arabien die fundamentalistischen Mudschahedin schätzungsweise mit Waffen im Wert von $40 Milliarden Dollar vesorgt.[16] Das Geld wurde über die pakistanische Regierung geschleust, die einen Teil für die Errichtung Tausender fundamentalistischer Islamschulen (Madrasas*) für die ins Land geströmten afghanischen Flüchtlingskinder verwendet hat, welche zu nachhaltig prägenden Einrichtungen für die Taliban geworden sind.[17]

Viele der Studenten und werdenden Taliban in den Madrasas waren traumatisierte afghanische Kriegswaisen, die dann in den ausschließlich für Jungen bestimmten Schulen erzogen worden sind, wo sie nicht viel mehr als die buchstäbliche Interpretation des Koran und die Kunst des Krieges gelernt haben. Fünfzehn Jahre später befanden sich die VS mit genau denselben Kämpfern im Krieg, die sie durch ihre Finanzierung der Madrasas und der Fundamentalisten selbst erschaffen hatten. Die Anschläge vom 11. September sind von denselben radikalen Islamisten ausgeführt worden, welche die VS während der Jahre des sowjetischen Krieges genährt und unterstützt haben.

Im Jahr 2001 hat er britische Premierminister, Tony Blair, den Grund für den Krieg in Afghanistan damit verkauft, daß der Einmarsch den illegalen Drogenhandel des Landes beenden würde. In einer leidenschaftlichen Rede vor der Labor Party sagte er seinen Unterstützern: "Für die Waffen, welche die Taliban heute kaufen, bezahlen britische Jugendliche, die ihre Drogen auf britischen Straßen kaufen, mit ihrem Leben."

Tatsächlich jedoch hatte die Taliban den Mohnanbau im Mai des Jahres 2000 verboten, und zur Zeit der US/NATO Angriffe und Invasion in Afghanistan war der Drogenhandel dort so gut wir komplett verschwunden.[18]

Nachdem die Taliban gestürzt waren, schnellte der Mohnanbau sowie die Heroin- und Opiumproduktion dermaßen in die Höhe, daß fast jedes Jahr neue Rekordmengen produziert werden, und Afghanistan zum weltgrößten Anbieter dieser Drogen geworden ist. Die Heroinproduktion afghanischer Bauern stieg zwischen 2001 und 2012 von 185 auf gigantische 5.800 Tonnen. Neunzig Prozent des auf britischen Straßen verkauften Heroins wird aus afghanischem Opium hergestellt, und nach zwölf Jahren der VS-Besatzung stammt die Hälfte des afghanischen BIP aus dem Verkauf von Heroin und Opium.[19]

In dem sowjetisch-afghanischen Krieg sind, neben über vier Millionen Verwundeten, mehr als eine Million Afghanen getötet worden. Mehr als fünf Millionen Flüchtlinge haben das Land während dieses Krieges verlassen und zwei Millionen Menschen wurden innerhalb des Landes vertrieben.[20] 400.000 weitere  starben während des Bürgerkriegs und 40.000 während der Besatzung durch die Vereinigten Staaten.[21] 30 Jahre Krieg haben gemeinsam mit 250 Jahren der Manipulation durch ausländische Mächte Afghanistan zu einem der ärmsten und ökologisch am meisten geschädigten Länder der Welt gemacht.[22]
Ziviler Ungehorsam ist nicht unser Problem. Unser Problem ist Ziviler Gehorsam. Unser Problem ist, daß Menschen überall auf der Welt den Befehlen ihrer Regierungsanführer gehorcht haben, in den Krieg zogen und Millionen wegen dieses Gehorsams getötet worden sind. Unser Problem ist, daß die Menschen, im Angesicht von Armut und Hunger und Dummheit und Krieg und Unmenschlichkeit gehorsam sind. Unser Problem ist, daß Menschen gehorsam und die Gefängnisse voll von Gelegenheitsdieben sind, während die großen Diebe das Land  verwalten und plündern. Das ist unser Problem.

– Howard Zinn, Historiker

Quellenangaben:
[Verschiedene Link-Adressen wurden aktualisiert.]


1. http://en.wikipedia.org/wiki/Opium_Wars

2. Invisible History: Afghanistan’s Untold Story, Paul Fitzgerald & Elizabeth Gould, 2009, pg 34

3. Ibid, pg 38

4. Ibid, pg 45

5. Ibid, pg 54

6. Ibid, pg 60

7. Ibid, pg 63

8. Ibid, pg 62


9. Ibid, pg 63

10. Ibid, pg 65

11. Ibid, pg 94

12. http://en.wikipedia.org/wiki/Kan

13. http://original.antiwar.com/james-lucas/2010/03/05/americas-nation-destroying-mission-in-afghanistan/

14. Interview with Zbigniew Brezinski”. Le Nouvel Observateur. Jan. 15, 1998

15. Milton Bearden, “ Afghanistan Graveyard of Empires.” Foreign Affairs, November/December 2001.

16. http://en.wikipedia.org/wiki/Foreign_relations_of_Afghanistan

17. https://web.stanford.edu/class/e297a/Afghanistan%20-%20A%20Second%20Chance%20to%20transform%20a%20Nation.doc “Lessons from History: U.S. Policy Towards Afghanistan, 1978-2001.” 5 October 2001 [Link-Adresse geändert]

18. http://www.dailymail.co.uk/news/article-2102158/Heroin-production-Afghanistan-RISEN-61.html [Artikel nicht mehr auffindbar]

19. http://www.unodc.org/pdf/publications/afg_opium_economy_www.pdf

20. http://en.wikipedia.org/wiki/Soviet_war_in_Afghanistan#Destruction_in_Afghanistan

21. http://www.scaruffi.com/politics/massacre.html 
http://www.globalresearch.ca/afghanistan-ecology-and-the-end-of-war/5326749


*******

Dana Visalli ist in Twisp, Washington, ansässiger Ökologe und betreibt dort biologischen Landbau. Sie können ihn unter dana@methownet.com erreichen. Lesen Sie auch seine Artikel, Afghanistan, Ecology and the End of War und
US Occupation Forces in Afghanistan: Incompetent, Irreverent, and Irrelevant.



Quelle: https://www.globalresearch.ca/afghanistan-the-legacy-of-the-british-empire-a-brief-history/5327994


Weiterführender Beitrag:


Bitte unterstützen Sie den gefährdeten Erhalt dieses unabhängigen, werbefreien Blogs mit einer Spende, und empfehlen Sie ihn weiter.

Herzlichen Dank!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Konstruktive Kommentare und Kritik zu den jeweiligen Beiträgen sind erwünscht, solange sie die geltenden rechtlichen Bestimmungen und die Regeln des friedlichen Miteinander wahren.