Freitag, 2. Februar 2018

Der italienische Stiefel tritt Afrika ins Gesicht

Von
Übersetzt von wunderhaft


9. Januar 2018, Oriental Rewiev
Die afrikanische Migrationskrise hat zu einer militärischen Antwort Italiens in Libyen und Niger, den beiden Haupttransitländer auf der Route in das stiefelförmige europäische Land geführt, die nun, durch die Wahl militärischer Mittel für einen aktiven Umgang mit der an seine Küsten aufschlagende Flutwelle der "Waffen der Massenmigration", droht Rom noch tiefer in das Geschehen auf dem afrikanischen Kontinent zu verwickeln.

Libyen wurde lange als "vierte Küste" Italiens betrachtet, jedoch hat die Migrationskrise Italien gegenwärtig, gemessen an der großen Anzahl von Menschen, die die gefährliche Reise von Nordafrika nach Südeuropa unternommen haben, mehr oder weniger zu Libyens "zweiter Küste" werden lassen. Die daraus entstandenen Kosten waren immens, besonders für ein Land, das innerhalb der EU bereits vor 2015 und dem Beginn dieses humanitären Desasters finanzielle Probleme hatte. Als eine der politische Folgen, haben rechtsextreme populistische Kräfte in den vergangenen Jahren ihren Stern aufgehen sehen und haben damit gedroht durch die Herausforderung der euro-liberale Hegemonie Deutschlands eine südliche Front der Euro-Realiseten neben im "Osten" aufzubauen, weshalb sich die römische Elite entschlossen hat früher oder später etwas zu tun, um diesen Trend zu aufzuhalten.

Libyan Migrants

Nach einer sorgfältigen Kosten-Nutzen-Analyse schlußfolgerten die italienischen Entscheidungsträger, daß es insgesamt weniger teuer sei diese Dynamik langfristig durch militärische Mittel umzukehren und Libyen wieder zu ihrer "vierten Küste" zu machen, indem sich Rom der Krise durch die Migration über das Mittelmeer annimmt. In diesem Zusammenhang hat Italien über den Sommer nicht nur eine Marinemission an seiner vierten Küste begonnen, sondern überlegt nun auch an der Verlegung von mindestens 470 bisher im Irak stationierten Soldaten in den Binnenstaat Niger, der als westafrikanisches Tor nach Libyen dient. Die geopolitische Bedeutung dieser Schritte Italiens bezüglich Libyen und Niger ist nur allzu deutlich, und stellt den Tritt des italienischen Stiefel in das Gesicht Afrikas dar, um die niemals endende Migrationskrise zu unterdrücken, die sich über Europa ergießt, obwohl Rom mit ihrer vorausschauenden Politik riskiert nur noch tiefer von den Umständen auf diesem Kontinent erfaßt zu werden.

Obwohl Italiens militärische Macht vor der seines einstigen historischen Vorgängers verblaßt, besteht seine einzig relevante Bedeutung aus Stützpunkten vor der Nordafrikanischen Küste und dem enormen, zur Marine gehörenden Luftwaffenstützpunkt, den die Vereinigten Staaten im sizilianischen Sigonella betreiben. Nichtsdestotrotz haben die steigenden Gesamtkosten für die Hundertausenden "Waffen der Massenmigration", die in den vergangenen zwei Jahren an seine Küsten gespült worden sind, Italien gezwungen die Führung bei dem unvorhergesehenen Einsatz von Militärstreitkräften in Afrika zu übernehmen. Während Italien im Jahr 2011 im Krieg gegen Libyen eine entscheidende Rolle gespielt hat, tat es das als Teil einer formellen Koalition, und obwohl sein derzeitiges Verhalten eher unilateral ist besteht kein Zweifel daran, daß es sich mit seinen Partnern abgesprochen hat. Schließlich ist Rom nicht der einzige ausländische Akteur mit einer Militäreinrichtung im Niger, da französische und amerikanische Streitkräfte bereits dort stationiert sind und es deutsche bald auch sein werden.

Italian Soldiers
Die bereits bestehende (und im Falle Deutschlands geplante) Stationierung der drei wichtigsten, stellen viele andere, ebenfalls militärisch kompetente Verbündete die naheliegende Frage, wozu Rom dort beizutragen gedenkt, das den Wert der Differenz in irgendeiner Form erhöht. Offiziell sagt Italien, daß es dort den Terrorismus bekämpfen und Schmugglerringe ausheben will, was von Bedeutung ist, da diese beiden nicht staatlichen Bedrohungen durchqueren den Niger auf der Route nach Libyen und letztlich bis zu Italiens eigenen Küsten, jedoch ist es derzeit unmöglich zu beurteilen ob Roms Streitkräfte bei der Unterstützung ihrer Verbündeten, die genau denselben Auftrag haben,  irgend eine spürbare Wirkung haben werden. Es kann sein, daß weder Washington noch Paris oder Berlin die finanziellen und personellen Gesamtkosten für diese Aufgabe allein schultern und stattdessen Rom einen Teil der Kosten aufladen wollen, da es direkter von diesen Bedrohungen betroffen ist und daher ein deutlich sichtbares Eigeninteresse an der Teilnahme an dieser Mission hat.

In der Region entwickelt sich eine merkwürdige "Arbeitsteilung", wobei die VS durch Aufteilung der Kontrolle des Gebietes durch Stellvertreter zwei Arten der "Führung aus dem Hintergrund" zu praktizieren scheinen. Zum einen zeigt die direkte Stationierung der VS, daß die Leitung auch von der Front ausgeübt werden kann, jedoch ist nebenher die zweite Rolle Frankreichs die Zusammenstellung der "G5 Sahel" Koalition von Staaten in der Region von Mauretanien an der Atlantikküste Afrikas bis in den Tschad in seinem innersten Zentrum. Ob Paris dies nun weiß oder nicht, spielt es hier die Rolle des strategischen Untergebenen Washingtons in Westafrika, egal ob Frankreich selbst behaupten mag mit ihm zu "konkurrieren" oder ein "gleichwertiger Verbündeter" zu sein. Auf der zweiten Ebene der Hackordung befinden sich Deutschland und Italien, wobei Berlin, als Anführer der EU, grundsätzlich alle Ereignisse beobachtet, während seine Untertanen in Rom erwartungsgemäß mit der "Drecksarbeit" beauftragt werden, um ihre Schulden an Deutschland zu begleichen.

Egal ob diese Zusammensetzung der "Arbeitsteilung" nun bestehen bleibt oder sich ändert, wird eines ihrer dauerhaften Merkmale sein, daß Italien wahrscheinlich von jetzt an in die inneren Angelegenheiten Afrikas verwickelt bleibt, nachdem es durch die kürzliche Errichtung eines Marinestützpunkts in Libyen und die kommende Errichtung eines Militärstützpunkts auf dortigem Boden wieder in sie hineingezogen worden ist.

Geostrategisch gesprochen ist Libyen ebenso Italiens "vierte Küste" wie das stiefelförmige Land die zweite Küste des ehemaligen Jamahiriyya*, weswegen das Schicksal der beiden untrennbar miteinander verbunden ist, was sich die VS ganz bestimmt zu Nutze machen werden. Weil dieser westafrikanische Migrationsdruck aus Überbevölkerung, Elend und Gewalt sich künftig noch verschärfen wird, ist unvorhersehbar ob Rom sich in naher Zukunft von seiner asymmetrischen Kriegsfront wird zurückziehen können, solange es von diesem Ansturm der "Waffen der Massenmigration" bedroht wird.


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Andrew KORYBKO ist in Moskau ansässiger, amerikanischer politischer Analyst, und auf die Beziehungen zwischen der VS-Strategie in Afro-Eurasien, Chinas Vision des One Belt, One Road-Projekts* in Verbindung mit einer neuen Seienstraße und die hybride Kriegsführung spezialisiert.


Quelle: https://orientalreview.org/2018/01/09/italian-jackboot-kicking-africa-face/

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