Montag, 2. April 2018

Ist eine weitere Explosion des Pulverfasses auf dem Balkan geplant?

Von Ian Greenhalgh
Übersetzt von wunderhaft


Photo: kp.ru

31. März 2018, Veterans Today  
[Anmerkung des Herausgebers: Der Balkan ist seit langem das Pulverfaß Europas, insbesondere seit dem Jahr 1914, als die Ermordung von Franz Ferdinand in Sarajevo zum Funken für den bis dahin schrecklichsten Krieg geworden ist. Serbien ist eine slawische, christlich-orthodoxe Nation, die heute genauso eng mit Rußland verbundenen ist, wie vor hundert Jahren. Das Kosovo ist, geschichtlich betrachtet, serbisches Territorium und umfaßt zahlreiche, für die Serben kulturell kolossal bedeutsame Orte, weshalb die kosovarische Unabhängigkeit in Serbien ein brandgefährliches Thema ist. Dies bedeutet, daß das Kosovo der wahrscheinliche Unruheherd für ein Wiederaufflammen der Kriege ist, welche die Region in den 1990er Jahren und am Anfang dieses Jahrhunderts heimgesucht haben.

Die EU hat sich in den vergangenen Jahren sehr darum bemüht Serbien näher an sich heranzuziehen, und es gibt Bestrebungen für einen NATO-Beitritt des Landes. Ich glaube, daß der Grund für diese Schritte darin besteht Rußland, als Teil des andauernden Angriffs auf Rußland durch den Westen, von seinem balkanischen Verbündeten zu trennen.

Die kosovarischen Moslems werden vom Westen unterstützt, was bedeutet, daß sie reif für Manipulationen durch den Westen und Israel sind und es ein Leichtes wäre sie zu einem Angriff auf die kosovarischen Serbe anzustiften, ein Schritt, der unweigerlich zu einer serbischen Intervention führen würde. Zahlreiche Serben sind bereits der Meinung, daß die Angriffe auf Kosovo-Serben im Auftrag der westlichen Mäzene des Kosovos begangen worden sind.

Dieses Szenario birgt das Potential für eine schnelle Eskalation zu einem größeren Krieg, in dem Rußland und China Serbien unterstützen würden, wenn es zu einem militärischen Angriff des Westens auf Serbien unter dem Vorwand der Verteidigung der Kosovaren käme. Es ist also leicht verständlich, daß der Balkan ein Pulverfass bleibt, das auf seine Zündung wartet. Ian]




Am 26. März ist eine friedliche Versammlung von Serben im kosovarischen Mitrovica* von Militanten angegriffen worden, wobei Dutzende Serben schrecklich verprügelt worden sind. Der Chef des Regierungsbüros für das Kosovo und Metochien, Marko Djuric, ist gewaltsam verhaftet worden. Später wurde er aus dem Territorium des Kosovos und Metochiens abgeschoben.

Dieser gewalttätige Angriff kosovarischer Separatisten sollte der letzte Sargnagel für ein "rechtsverbindliches Abkommen zwischen Belgrad und Pristina" gewesen sein. Zu hoffen bleibt, daß die früheren Märchen über die Aussöhnung von Serben und Albanern auf Serbiens Weg in die EU ebenfalls mit diesem Sarg begraben wird. Solche Illusionen, an denen die Serben in den vergangenen Monaten festgehalten haben, sind von der harten Balkan-Politik der VS und der EU zerstört worden.

Auch ist höchste Zeit eine weitere berüchtigte, Brüsseler Abkommen vom 19. April 2013* genannte, Vereinbarung zu kündigen, mit der die VS und die EU Serbien ein Ultimatum gesetzt haben, welches die Überwachung des Friedensprozesse dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (VN) entzogen und der Europäischen Union übertragen hat. Moskau hat dieser Entscheidung nach ständigen Wiederholungen des wohl bekannten politischen Mantras, "Russen können nicht serbischer sein als Serben", zugestimmt. Zu diesem Zeitpunkt war sich Rußland noch nicht darüber im Klaren, daß eine solche "Bereinigung der Kosovo-Frage" den Weg für expansionistische Bestrebungen des Westens in der Ukraine ebnen würde. Schließlich begann der Euromaidan im November 2013 in Kiew.

Was versteckt sich also hinter dem "rechtsverbindlichen Abkommen" über die Unabhängigkeit des Kosovos? Es liegt auf der Hand, daß die nächsten Aufgaben des Westens in Sanktionen gegen Rußland und dem Beginn von Beitrittsverhandlungen der NATO mit Serbien bestehen. Abgesehen davon, wird Serbien einer Reihe von europäischen Standards bezüglich der Gender-Gesetze und der Rechte der LGBT-Minderheiten annehmen müssen. Die ersten beiden werden zu einem Zusammenbruch der staatlichen Souveränität Serbiens führen, während die letzten beiden die Grundlagen der serbischen Gesellschaft zerstören werden.

Ganz offensichtlich ist die übereilte serbisch-albanische Versöhnung, inmitten der Ultimaten der VS und der EU, eine Illusion und eine gefährliche Falle für Serbien und die Balkanstaaten.

Was mögen die weiteren Schritte und Richtlinien bei der Abwicklung des Kosovos sein?

Am Anfang steht der Übergang von defensiver zu offensiver Diplomatie. Während der letzten fünf Jahre hat ist deutlich geworden, daß Brüssel nicht in der Lage ist den Abwicklungsprozeß des Kosovos unvoreingenommen zu verwalten. Es werden neue Formate entstehen. Serbien hat gute Chancen von defensiven diplomatischen Strategien zu einer offensiven Diplomatie überzugehen. Um dies zu erreichen, wird Serbien die Pflege von Illusionen über eine "europäische Integration" aufgeben und Ressourcen seiner strategischen Teilhaber und Verbündeten, allen voran die Rußlands, Chinas und anderer Länder, die das Kosovo nicht anerkennen, in Anspruch nehmen müssen.

Der zweite Schritt lautet: "Wenn Du Frieden willst, bereite den Krieg vor." Die Separatisten im Kosovo sollten begreifen, daß sämtliche widerrechtliche Handlungen und Provokationen gegen die serbische Bevölkerung in der Region zu einem unvermeidlich vernichtenden Schlag durch Serbien führen werden. Weder die VS noch andere westliche Gönner werden Kosovaren, die blutige Verbrechen an Kosovo-Serben begehen, retten. Die Goldene Regel unvermeidbarer Vergeltungsmaßnahmen hat sich bei der Vernichtung von Terroristengruppen durch Rußland in Syrien als wirksam erwiesen. Sie ist ein Grundstein der Politik Israels. Eine militärisch-technologische Kooperation zwischen Rußland und Serbien ist eine gute Grundlage für diese Politik. Wir schreiben heute nicht mehr das Jahr 1999 und Hochpräzision-, Funkwellen- sowie andere Waffen werden Serbien zu ganz anderen Bedingungen geliefert. Nichtsdestotrotz bleiben der politische Wille und die Entschlossenheit der serbischen Führung, welche die Integrität des Landes sichern und  wirkliche Sicherheitsgarantien für das serbischen Volk schaffen, die vorrangigen Faktoren in dieser Angelegenheit.



MIlica Jurivic. Photo von ihrem persönlichen Konto im sozialen Netzwerk


Serbien ist jahrelang dem Dialog mit Pristina verpflichtet gewesen und hat zumeist zum Schaden seiner eigenen nationalen und staatlichen Interessen gehandelt. Belgrad hat innerhalb von 5 Jahren alle Bedingungen des Brüsseler Abkommens erfüllt, während der selbsternannte kosovarische Pseudo-Staat nicht einmal einer einzigen Verpflichtung, sprich der Einrichtung einer Gemeinschaft serbischer Kommunen im Kosovo, nachgekommen ist. Das hat Milica Jurjevic, Mitglied der Zavetnici, EADaily gegenüber erklärt. Trotz aller Zugeständnisse Serbiens, haben die Separatisten im Kosovo gezeigt, daß sie weder Vereinbarungen treffen noch Zugeständnisse machen wollen, sagte sie.

Jurjevic hat daran erinnert, daß Belgrad innerhalb der letzten Monate ständigem Druck ausgesetzt gewesen ist. Sie versuchen Serbien das rechtsverbindliche Abkommen mit Pristina unterzeichnen zu lassen, die so genannte Unabhängigkeit des Kosovo formell und offiziell anzuerkennen und dessen VN-Beitritt anzuerkennen. Albanien droht weiterhin mit der Intervention in Nordkosovo und Metochien, wo die überwältigende Bevölkerungsmehrheit aus Serben besteht. Es handelt sich um ein strategisch wichtiges Gebiet, sagte die serbische Politikerin. Laut Junjevuc, ist der Mord an einem der Vertreter der Kosovo-Serben, Oliver Ivanovic (am 16. Januar 2018), dazu benutzt worden dieses Gebiet für instabil zu erklären und es unter die Kontrolle des Pseudo-Staates zu stellen.

"Der gestrige Terroranschlag im kosovarischen Mitrovica wurde von der Regierung in Pristina durchgeführt und von ihren westlichen Gönnern orchestriert. Das Ziel bestand darin die Serben in die Ecke zu treiben und sie zu zwingen Konzessionen zu machen. Die haben Gewalt angewendet, um den Eindruck zu erwecken, daß sie das gesamte Gebiet nördlich und südlich des Flusses Ibar* kontrollieren", sagte Milica Jurjevic.

Die Politikerin stellte die rhetorische Frage: "Wie können sie über eine Verlängerung der Gespräche mit den Separatisten unter der Schirmherrschaft Brüssels reden, wenn der Kopf der serbischen Delegation öffentlich in den Straßen von Pristina angegriffen worden ist?"

"Augenscheinlich hat die Europäische Union ihre Autorität verloren und ist als legitimer Mediator in künftigen Verhandlungen ungeeignet. Bei der Überlegung, daß die VS sowohl direkt als auch indirekt an der Abwicklung des Kosovo partizipieren, ist möglicherweise ein neues Format, welches die Rußland in die Gespräche einbezieht –  seine Juristen, Diplomaten und geopolitische Experten – der einzige Ausweg", sagte sie.

Die Politikerin glaubt, daß Serbien der Bildung einer so genannten Armee des Kosovo vorbeugen muß. Die UN-Resolution 1244 über das Kosovo erwähnt keine solche ´Armee´, und wenn sie aufgebaut werdeb würde, würde sie zu einer legalen Terrorgruppe auf dem Gebiet des Südserbiens werden, sagte Milica Jurjevic. "Viele waren der Meinung, daß der politische Prozeß im Kosovo abgeschlossen sei, jedoch denke ich, daß alles gerade erst begonnen hat", sagte sie abschließend.

Wie EADaily berichtete, ist Marko Djuric am 26. März von Militanten einer Einheit der ROSU* im Verwaltungsbezirk Mitrovica festgenommen und dann nach Pristina transportiert und anschließend aus dem Kosovo ausgewiesen worden. Nach dem Vorfall haben Mitglieder der serbischen Partei, List, im ´Parlament´ au dem separatistischen Territorium entschieden, die durch Pristina kontrollierten Machtinstitutionen zu verlassen und selbst eine serbische Verwaltungsgemeinschaft zu errichten. Unter den Brüsseler Abkommen, müssen die Kosovo-Serben sich in einer Gemeinschaft vereinen, was von den separatistischen Behörden fünf Jahre lang heftig abgelehnt worden ist.

*******

Jan Greenhalgh ist Fotograf und Historiker mit einem besonderem Interesse an Militärgeschichte und den tatsächlichen Gründen von Konflikten.

Sein Studium der Geschichte und der Medienwirtschaft haben ihm einen tiefen Einblick in den Gebrauch der Massenmedien beim Erzeugen von Konflikten in der Moderne ermöglicht.

 
Seine bevorzugten Studiengebiete umfassen staatlich finanzierten Terrorismus, von Medien hergestellte Realität und die Rolle von Geheimdiensten bei der Manipulation der Bevölkerung und der Wahrnehmung von Ereignissen.


Quelle: https://www.veteranstoday.com/2018/03/31/balkans-tinderbox-set-to-re-ignite/


Die mit einem * gekennzeichneten Links wurden zusätzlich eingefügt.
  

Weiterführender Beiträge:


Der Mindestwert dieser Übersetzung beträgt, ohne Formatierung und Recherche, 125,- Euro. Bitte tragen sie durch Ihre Spenden zur Deckung der Kosten und dem Erhalt dieser Arbeit bei.

Herzlichen Dank!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Konstruktive Kommentare und Kritik zu den jeweiligen Beiträgen sind erwünscht, solange sie die geltenden rechtlichen Bestimmungen und die Regeln des friedlichen Miteinander wahren.