Donnerstag, 10. Mai 2018

Eskalation in der Ukraine: Regionale Sicherheitsgefahren und das globale Schachbrett

Von SouthFront
Übersetzt von wunderhaft




9. Mai 2018, SouthFront
Wegen des Endes der so genannten "Anti-Terror-Operation" (ATO) am 30. April und der darauf folgenden "Umformatierung" von Militäroperationen in der Ost-Ukraine, die entweder eine Eskalation oder, im Gegenteil, die Wiederaufnahme des, seit der zweiten Runde des im Frühjahr 2015 unterzeichneten Minsker Abkommens*, zum Scheitern verurteilten Friedensprozesses, könnte die Situation in der Ost-Ukraine eine dramatische Wende erfahren. Die Mission des VS-Sonderbeauftragten, Volker, in der Ukraine, die Treffen mit seinem russischen Gegenüber, Wladislaw Surkow, beinhaltete, hat in keinerlei Hinsicht zu einem sichtbaren Fortschritt geführt. Die Idee von Friedenstruppen ist, wegen unüberbrückbarer Differenzen, ähnlich festgefahren. Während Rußland und die abtrünnigen Republiken Friedenstruppen als Mittel zur Trennung der Konfliktparteien fordern, stellen diese für die Ukraine und die VS ein Mittel dar, um, als Vorspiel für deren militärische Eroberung, die Republiken von Rußland zu isolieren.

Schlimmer noch, ist im Jahr 2018 eine weitere Runde der Verschlechterung der Beziehungen zwischen Rußland und dem Westen zu beobachten. Diese wurde durch den, höchstwahrscheinlich unter falscher Flagge verübten Angriff auf die Skripals sowie den von Jaysh al-Islam inszenierten oder gestellten Chemiewaffenangriff in Douma geschürt, die, nach der ausgedehnten amerikanisch-russischen "Konfliktvermeidung" zur Verhinderung eines heißen Krieges zwischen den beiden führenden Weltmächten, zu einem Angriff mit Marschflugkörpern durch die VS, Briannien und Frankreich auf verschiedene Orte in Syrien geführt haben. Die Trump-Administration brachte außerdem ihre Ungeduld mit einer weiteren Runde restriktiver Maßnahmen gegen Rußland und russische Akteure, insbesondere gegen Yuri Deripaskas Mischkonzern, Rusal*, einem der Welt größten Aluminiumproduzenten, zum Ausdruck. Selbstverständlich hat dies Besorgnisse erhöht, daß die Eskalation in Syrien leicht zu einer, entweder von Kiew oder den Vereinigten Staaten angestifteten, Eskalation in der Ukraine führen könnte

Tatsächlich wurde im April 2018 eine weitere Runde der Eskalation in dem Konflikt zwischen der Ukraine und Rußland sowie dem Ukraine-Donbass-Konflikt sichtbar. Der Beschuß von Stellungen der Volksrepublik Lugansk (LPR) und der Volksrepublik Donetsk (DPR) durch die Ukraine hat sich bis zu dem Punkt zugespitzt, an dem das überaus wichtige Wasserwerk von Lugansk aufs Korn genommen wurde, dessen Mitarbeiterbus von Scharfschützen beschossen worden ist. Es gab eine Reihe von Zusammenstößen zwischen Patrouillen und Banden von Plünderern im Niemandsland sowie verschiedene Terroranschläge innerhalb der LPR und der DPR selbst, was die Konfliktparteien weiter entzweit hat. Jedoch haben sich die Feindseligkeiten nicht auf das Donbass beschränkt. Die Ukraine hat zwei Schiffe beschlagnahmt, die privaten russischen Akteuren gehören. Das Fischereiboot, "Nord", im Asowschen Meer und ein Frachtschift des Unternehmens, Trans Services Maritime, im Hafen von Odessa. Die Besatzung der Nord wurde verhaftet und vom ukrainischen Geheimdienst SBU* verhört und nach einem ausgedehnten Arrest in die Obhut russischer Diplomaten übergeben. Die Beschlagnahme der Nord deutet an daß Kiew bereit ist die direkte Konfrontation mit russischen Streitkräften internationalen Gewässern zu riskieren, und die unmittelbar bevorstehende Fertigstellung der Krim-Brücke* macht sie gewiß zu einem attraktiven Ziel.

Läßt sich eine Verbindung zwischen der Eskalation in Syrien und der Ukraine erkennen? Bisher gibt es keine Anzeichen dafür daß der Westen die Ukraine als Bestandteil desselben Spiels behandelt wie in Syrien, und bisher schlagen die Bemühungen der Ukraine, sie zu einem solchen Bestandteil zu machen, fehl. Wenn die Eskalation in Syrien Teil eines großen Planes wäre, in dem sowohl die Ukraine als auch Syrien Bauern auf demselben Schachbrett sind, wäre in der Ukraine eine ähnliche Eskalation von denselben drei Ländern, die die Angriffe in Syrien ausgeführt haben, zu erwarten. Dies hätte in Form von mehr "Ausbildern" der NATO in der Ukraine, einer größeren Präsenz von NATO-Kriegsschiffen im Schwarzen Meer und im Asowschen Meer und mit einer neuen Runde umfangreicher Manöver in Osteuropa geschehen können. Bisher hat sich keines dieser drei Szenarien ereignet. Selbst die umfangreich beworbene Lieferung von Panzerabwehrlenkwaffen des Typs Javelin* an die Ukraine kann an der jetzigen Situation nicht wirklich etwas ändern.

Eine unilaterale Eskalation erscheint ebenfalls unwahrscheinlich, da die ukrainischen Streitkräfte weiterhin massive Probleme mit der Rekrutierung, Ausbildung, Ausrüstung sowie mit der Kampfmoral haben und die Überläufe von den ukrainischen Streitkräften (UAF) zu den abtrünnigen Republiken andauern. Eine direkte militärische Auseinandersetzung zwischen Rußland und der Ukraine würde schnell zu einer rapiden ukrainischen Niederlage führen und selbst auf einen Zusammenbruch des Regimes vor westlichen Mächten ließe sich eine sinnvolle Antwort finden.

Außerdem haben die russischen Streitkräfte des südlichen Militärdistrikts, als Antwort auf die oben erwähnte Eskalation im Donbass, in der Nähe von Rostow* Übungen veranstaltet, um die UAF von der Annahme abzubringen, daß Rußland von den Ereignissen in Syrien zu abgelenkt sei, um auf einen Versuch Kiews, das Donbass gewaltsam seiner Autonomie zu berauben, nicht zu reagieren. Diese Manöver hatten den Nebeneffekt, daß Kiew vorhersehbare Beschwerden einreichte, daß Rußland sich auf eine Invasion der Ukraine vorbereite, Beschwerden, die von westlichen Regierungen nicht erwidert worden sind. Das VS-Außenministerium hat das Granatfeuer und den Beschuß durch Heckenschützen auf das Lugansker Wasserwerk verurteilt, wenn es auch "beide Seiten" aufgefordert hat auf die Eskalation der Situation zu verzichten

All das deutet darauf hin, daß, wenn der Westen eine einheitliche Position gegenüber der Ukraine vertritt, diese in der Minimierung der mit der Unterstützung des Regimes verbundenen, sowohl direkten, für die für Kiew aufgewendeten Ressourcen, als auch der indirekten Kosten in Form der Konfrontation mit Rußland besteht. Diese Botschaft hat Kiew durch die kollektive kalte Schulter erhalten, der Poroschenko sich kürzlich auf einer Reise zu westlichen Institutionen gegenübersah. Nicht nur die Spendenkanäle in die Ukraine trocknen aus, sondern es wird auch wachsende Kritik an dem "Regime in Kiew" laut. Der alljährliche Menschenrechtsbericht des VS-Außenministeriums hat dem SBU Folter, Verschleppungen und illegale Verhaftungen vorgeworfen. Sogar der Nordatlantikrat, ein langjähriges Sprachrohr der NATO, hat den Machtgewinn der ukrainischen Neonazis plötzlich als beunruhigend gefunden, eine Kritik, die indirekt auf das derzeit herrschende Duo Poroschenko-Groysman zurückfällt.

Schließlich scheinen Kiews jüngste Aktionen wenig mehr als ein Gebot zur weiteren Verwendung in einer Welt gewesen zu sein, die längst weitergezogen ist. Es ist dem Mangel an Aufmerksamkeit, der diese, sich fortsetzenden Eskalationen schüren, wenn auch möglicherweise mit einer anderen Ziel. In den ersten Jahren nach dem Majdan hatte Kiew versucht den Konflikt mit Rußland eskalieren zu lassen, um sich die finanzielle und militärische Hilfe des Westens zu sichern und vielleicht sogar eine Militärintervention des Westens auszulösen. Heute sind sie hauptsächlich dazu bestimmt den Westen daran zu erinnern, daß, der einem möglichen  Sturz Poroschenkos folgende Aufruhr "Putin nützten würde" und sollen den Westen deshalb von dem Versuch abhalten Poroschenko ersetzen zu wollen. Diese Taktik wird sich so lange als effektiv erweisen, so lange der Westen und Rußland sich im Konflikt befinden. Jedoch wird Poroschenkos kurfristiges Eigeninteresse der Ukraine langfristig schaden, weil der nächste Regime Change in der Ukraine hiedurch umso traumatischer werden wird. Auf der Haben Seite fördert die Unberechenbarkeit und die Aggressionsbereitschaft der Ukraine die wachsende Unabhängigkeit des Donbass von Kiew. Jüngste Zeitungsberichte deuten an, daß Kohle und Stahl aus dem Donbass mittlerweile bereits die Türkei erreichen...


Quelle: https://southfront.org/regional-security-threats-and-global-chessboard/

Alle mit einem * versehenen Links wurden zusätzlich eingefügt

Der Mindestwert dieser Übersetzung beträgt, ohne den Zeitaufwand für Recherche und Formatierung (Layout), 101,- Euro. Bitte tragen sie durch Ihre Unterstützung zur Deckung der Kosten und zum Erhalt dieser Arbeit bei.

Herzlichen Dank!


Creative Commons Lizenzvertrag



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Konstruktive Kommentare und Kritik zu den jeweiligen Beiträgen sind erwünscht, solange sie die geltenden rechtlichen Bestimmungen und die Regeln des friedlichen Miteinander wahren.