Montag, 7. Mai 2018

Nachbesprechung mit Wissenschaftlern: Unbezahlte Geheimdienstinformanten

Von Prof. James Petras
Übersetzt von wunderhaft


5. Mai 2018, Global Research

Einführung


Ich bin seit fünfzig Jahren in der Forschung tätig und habe vor sozialen Bewegungen und linken lateinamerikanischen Regierungen doziert und mit ihnen gearbeitet. Ich habe VS-Beamte und Think Tanks in Washington und New York interviewt. Ich habe eine Menge Bücher und hunderte professioneller Artikel geschrieben sowie zahlreiche Arbeiten auf Fachkonferenzen vorgelegt.

Im Verlauf meiner Tätigkeit habe ich entdeckt, daß viele Akademiker regelmäßig in etwas verwickelt sind, das von Regierungsbeamten ´Nachbesprechungen´ genannt wird! Akademiker treffen sich in der Botschaft mit Regierungsbeamten Regierungsbeamten oder in Washington mit Beamten des Außenministeriums zum Essen und sprechen über ihre Arbeit, ihre Datensammlung, ihre Beobachtungen und ihre persönlichen Kontakte.

VS-Regierungsbeamte planen diese `Nachbesprechungen´ ein, bei denen sie von den Akademikern Zugang zu Informationen erhalten, die sie von anderen, bezahlten Geheimdienstagenten oder Kollaborateuren vor Ort nicht bekommen können.

Nicht alle akademischen Informanten sind ausgezeichnete oder kompetente Ermittler. Jedoch liefern viele von ihnen nützliche Einsichten und Informationen, besonders über linke Bewegungen, Parteien und deren Anführer die tatsächliche oder mögliche anti-imperialistische Gegner darstellen.

Die Erbauer des VS-Imperiums, ob nun mit politischen oder militärischen Tätigkeiten betraut, benötigen Informationen, besonders darüber, wer unterstützenswert und wer zu unterwandern ist, wer diplomatische Hilfe und wer finanzielle Mittel und Militärressourcen erhalten sollte.

Die so befragten Akademiker machen ´moderate´ und ´radikale´ Gegner ausfindig und auch persönliche und politische Schwachstellen. Die Beamten nutzen gewöhnlich Gesundheitsprobleme oder familiäre Bedürnisse aus, um Linke in imperialistische Spitzel zu ´verwandeln´.

VS-Bedienstet sind besonders an akademischen Pförtnern interessiert, die  ´anti-imperialistische´ Kritiker, Aktivisten, Politiker und Regierungsbeamte ausgrenzen.

Zuweilen behaupten Beamte des VS-Außenministeriums wohlwollend ´progressiv´ gegenüber jenen zu sein, die sich den ´Neandertalern´ in ihrer Institution widersetzen, um linken akademischen Informanten Insiderinformationen zu entlocken.

Diese Nachbesprechungen sind ein weitverbreitetes Mittel und erfordern sowohl zahlreiche Akademiker von großen Universitäten und Forschungszentren als auch außerbehördliche ´Aktivisten´ sowie Herausgeber wissenschaftlicher Journale und Veröffentlichungen.

Die an den Nachbesprechungen teilnehmenden Wissenschaftler geben ihre Berichterstattung gewöhnlich nicht ihrer Regierung preis, sondern teilen sie höchstwahrscheinlich mit anderen wissenschaftlichen Informanten. Sie alle behaupten nur über Forschungsergebnisse und die ´Wissenschaft´ sowie weitere ´humanitäre Werte´ betreffende Informationen zu berichten.

Wissenschaftliche Informanten rechtfertigen ihre Kollaboration immer damit ´unseren´ Politikern zu einem ausgeglichenerem Bild zu verhelfen und ignorieren das wahrscheinlich daraus folgende, vorhersehbar destruktive Ergebnis ihres Handelns.


Wissenschaftler als Diener des Imperiums


Zur Verteidigung der multinationalen und Lateinamerikanischen Elite, die mit den Erbauern des Imperiums kollaboriert, vermeiden die wissenschaftlichen Informanten es immer die Berichte über verdeckte, offene und geheime Strategien der VS zu studieren sowie Forschungsergebnisse darüber zu sammeln und zu veröffentlichen.

VS-Bedienstete sind nicht an ´Nachbesprechungen´ mit Wissenschaftlern interessiert, die anti-imperialistische Forschung betreiben.

VS-Beamte sind scharf auf alle Informationen über ´Basisbewegungen´ die sie erhalten können: Wer sie sind, wieviel Einfluß sie haben, ihre Anfälligkeit für Bestechungsgelder, Erpressung und Einladungen in Außenministerium, nach Disneyland oder ins Wilson Center* in Washingotn D.C,

VS-Beamte finanzieren wissenschaftliche Forschung über militante Gewerkschaften, landwirtschaftliche Sozialbewegungen, in den Klassenkampf verwickelte feministische und ethnische Minderheiten sowie anti-imperialistische Aktivisten und Führer, die der imperialisischen Unterdrückung alle als Ziele dienen.

Die Beamten sind auch scharf auf wissenschaftliche Gutachten über so genannte ´moderate´ Kollaborateure, die zu Verteidigung des Imperiums finanziert, beraten und rekrutiert werden sowie den Klassenkampf unterwandern und Bewegungen spalten können.

Wissenschaftliche Informanten sind für die Bereitstellung von persönlichen und politischen Informationen über solche lateinamerikanischen linken Intellektuellen, Wissenschaftler, Journalisten, Schriftsteller und Kritiker besonders brauchbar, die es VS-Beamte erlauben sie zu rekrutieren und mit Zuschüssen und Einladungen ins Kennedy Center* in Harvard zu verführen.

Wenn es VS-Beamten schwerfällt die Unwägbarkeiten und Konsequenzen ideologischer Debatten und parteiinterner Spaltungen innerhalb linker Parteien oder Regierungen zu verstehen, liefern ehemalige Linke aus den Reihen der wissenschaftlichen Informanten, welche Dokumente und Interviews sammeln, detaillierte Erklärungen und versehen die Beamten mit einem politischen Fahrplan um die Spaltungen auszunutzen und auszuweiten sowie repressive Strategien anzuwenden, die sowohl in den anti-impeialistischen- als auch in den Klassenkampf involvierte Gegner unterminieren.

Das Außenministerium arbeitet bei der Bewerbung von Journalen, die sämtliche Erwähnungen von Imperialismus und die Ausnutzung durch die herrschende Klasse vermeiden Hand in Hand mit Forschungseinrichtungen und Stiftungen; sie bewerben ´Sonderthemen´ über ´klassenlose´ Identitätspolitik, postmoderne Theoriebildung und ethnisch-rassische Konflikte sowie Aussöhnung.

In einer Studie der beiden führenden Journale über Politikwissenschaften und Soziologie widmete sich in einem Zeitraum von fünf Jahren weniger als 0,01% des Inhalts dem Klassenkampf und dem VS-Imperialismus.

Wissenschaftliche Informanten haben niemals über VS-Regierungsverbindungen zu Herrschern von Narco-Staaten* berichtet.

Wissenschaftliche Informanten forschen nicht über die weitverbreitete, lang andauernde Kollaboration Israels mit Todesschwadronen in Kolumbien, Guatemala, Argentinien und El Salvador. In einigen Fällen wegen ihrer Loyalität zu Tel Aviv, in den meisten Fällen jedoch, weil das Außenministerium nicht an Nachbesprechungen interessiert ist, die welche die gemeinsame Mittäterschaft mit ihren Verbündeten aufdecken.


Wissenschaftliche Informanten: Was erwarten und was erhalten sie?


Wissenschaftliche Informanten engagieren sich aus verschiedenen Gründen in Nachbesprechungen. Ein paar wenige tun das schlicht, weil sie sie mit der Strategie und Ideologie der Erbauer des Imperiums einverstanden sind und es als ihre ´Pflicht´ betrachten zu dienen.

Die große Mehrheit besteht jedoch aus etablierten Akademikern mit Verbindungen zu Forschungszentren, die informieren, weil dies ihren Lebenslauf aufbläht – was wiederum für die Sicherung von Fördergeldern, eindrucksvolle Ämter und Auszeichnungen hilfreich ist.

Mitwirkende progressive Akademiker haben einen janusköpfigen Denkansatz. Sie sprechen auf öffentlichen Konferenzen der Linken, insbesondere zu Studenten und privat berichten sie dem Außenministerium.

Viele Wissenschaftler glauben, sie können die Regierungspolitik beeinflussen oder ändern. Sie versuchen selbstdefiniert ´progressive´ Beamte mit ihrem Insiderwissen darüber zu beeindrucken, wie sich Kritiker der Lateinamerikapolitik in moderate Kollaborateure ´verwandeln´ lassen. Sie erfinden harmlos erscheinende Kategorien und Konzepte, um Graduierte zur weiteren Zusammenarbeit mit imperialistischen Kollegen zu gewinnen.


Die Konsequenz wissenschaftlicher Nachbesprechungen


Ehemalige wissenschaftliche Informanten werden regelmäßig von den Massenmedien als verlässliche und anerkannte ´Experten´ zitiert, um anti-imperialistische Regierungen, Akademiker und Kritiker in Mißkredit zu bringen

Der Druck auf ehemals linke Wissenschaftler mit einer kritischen Betrachtungsweise auf die Übernahme sinnvoller Kritik wächst, um anti-imperialistische ´Extremisten´ zu denunzieren und zurückzuweisen und um sie  als ´polemische Ideologen´zu verunglimpfen.

Wissenschaftliche Informanten aus Chile waren der VS-Botschaft dabei behilflich Militante in deren Umfeld zu identifizieren, die währen des Diktatur Pinochets an die Geheimpolizei (DINA) übergeben worden sind.

Wissenschaftliche Mitarbeiter der VS in Peru und Brasilien lieferten derie Botschaft Forschungsprojekte, die nationalistische Militärbeamte und linke Studenten ausgemacht haben, die in der Folge eliminiert, eingesperrt und gefoltert worden sind.

In Kolumbien haben wissenschaftliche Informanten der VS aktiv Berichte über ländliche Aufstandsbewegungen geliefert, die zu massiven Repressalien geführt haben. Wissenschaftliche Kollaborateure lieferten der Botschaft in Venezuela detaillierte Berichte über die Graswurzelbewegunge und die politischen Spaltungen unter der Regierung-Chavez und über kommandierende Militärbeamte.

Das Außenministerium hat Wissenschaftler bezahlt, die in NGOs gearbeitet haben, welche Jugendliche aus den Mittelklasse als Straßenkämpfer, Drogengangster und Mittellose für gewaltsame Aufstände zum Sturz der gewählten Regierung durch die Lähmung der Wirtschaft ausgemacht und rekrutiert haben.

Wissenschaftliche Gutachten über ´Gewalt´ und ´Autoritarismus´ des Regimes dienten dem Außenministerium als Propagandafutter für die Verhängung von Sanktionen, die Verarmung des Volkes und zum Schüren eines Putsches. Wissenschaftliche Kollaborateure der VS warben ihre lateinamerikanischen Kollegen an, um Petitionen zu unterzeichnen, die rechtsgerichtete Regime drängten Venezuela zu boykottieren.

Wenn akademische Informanten mit den destruktiven Konsequenzen imperialistische Fortschritte konfrontiert werden, sagen sie. daß dies nicht ihre ´Absicht´ gewesen sei, und daß es nicht ihre Kontakte zum Außenministerium waren, welche die regressive Politik umgesetzt haben. Die zynischere Behauptung war, daß die Regierung ihre schmutzige Arbeit unabhängig von den Nachbesprechungen verrichtet hätte.


Zusammenfassung


Was aus buchstäblich allen bekannten Erfahrungen deutlich hervorgeht ist, daß Nachbesprechungen mit wissenschaftlichen Informanten die Erbauer des Imperiums gestärkt und die tödliche Arbeit von professionellen Geheimdienstagenten der CIA, DEA und der National Security Agency ergänzt haben.

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Prof. James Petras* ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Centre for Research on Globalization


Quelle:  https://www.globalresearch.ca/de-briefing-academics-unpaid-intelligence-informants/5639248

Der Originalartikel ist auf der Website von Prof. James Petras als PDF-Datei abrufbar.

Sämtliche Links wurden vom Übersetzer zusätzlich eingefügt.

Der Mindestwert dieser Übersetzung beträgt, ohne den Zeitaufwand für Recherche und Formatierung (Layout), 128,- Euro. Bitte tragen sie durch Ihre Unterstützung zur Deckung der Kosten und zum Erhalt dieser Arbeit bei.

Herzlichen Dank!


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