Donnerstag, 31. Mai 2018

Tod und Zerstörung nach der Befreiung Mossuls

Von Nazli Tarzi und Prof Michel Chossudovsky
Übersetzt von wunderhaft


30. Mai 2018, Global Research
Es ist wert, sich die Geschichte des ursprünglichen Einfalls von ISIS-Truppen (im Sommer 2014) und den zeitlichen Ablauf von seiner, von den VS verdeckt unterstützten, Besetzung Mossuls im Sommer 2014 bis zu deren drei Jahre darauf erfolgten, ebenfalls von den VS und ihren Alliierten unterstützten "Befreiung" ins Gedächtnis zu rufen.

Wir haben es hier mit einer militärischen und geheimdienstlichen Agenda zu tun.

Als der ISIS überdies Mossul erst einmal eingenommen hatte und fest innerhalb des Irak etabliert war, haben die VS und ihre Verbündeten zwei Monate später mit ihrer vermeintlich gegen den ISIS gerichteten "Anti-Terror-Operation" begonnen.

Bei der so genannten "Befreiung" des Irak (Juni-Juli 2017) ist es wichtig über Washingtons diabolisches Projekt nachzudenken.

Der ISIS, ein Konstrukt der VS-Geheimdienste, wurde im Sommer 2014 in den Irak entsandt. Mit begrenzten paramilitärischen Fähigkeiten hat er Mossul besetzt.

Was wäre, militärisch betrachtet, benötigt worden, um den ISIS-Daesh-Konvoi, der über keine effektive Luftabwehr verfügte, auszuschalten?

Hätten sie die Brigaden des Islamischen Staates vernichten wollen, hätten sie deren Konvois aus Toyota-Pickups mit Bombenteppichen überziehen können, als diese im Juni die Wüste von Syrien in den Irak durchquert haben. Diese Antwort ist offensichtlich, nur hat kein einziges der Medien sie eingeräumt. Die syrisch-arabische Wüste ist offenes Gelände (siehe die Karte rechts). Mit modernen Kampfflugzeugen (F15, F22 Raptor, F16) wäre es –militärisch betrachtet– ein "Sahnestück" gewesen, ein schneller und zielführender operativer Eingriff gewesen,  der die Konvois des Islamischen Staates innerhalb von Stunden dezimiert hätte.

Die irakischen Streitkräfte sind von den VS vereinnahmt worden, um es geschehen zu lassen. Die irakischen Militärkommandeure sind manipuliert und bestochen worden. Sie haben erlaubt die Stadt in die Hände von ISIS-Rebellen gelangen zu lassen, ohne auch nur "einen einzigen Schuß abzugeben".

Der schiitische General, Mehdi Sabih al-Gharawi, der die Armeedivisionen von Mossul befehligt hat, "hatte die Stadt verlassen". Al-Gharawi hat Hand in Hand mit dem VS-Militär zusammengearbeitet. Er hatte das Kommando über Mossul im September 2011 von dem VS-Oberst, Scott Mc Kean, übernommen.

Ist er von seinen VS-Kollegen bestochen und angewiesen worden sein Kommando im Stich zu lassen?

Dann hat Obama im August 2014 eine so genannte "Aniti-Terror-Operation" gegen den ISIS begonnen, namentlich gegen Terroristen, die von den VS, dem VK, der Türkei, Saudi Arabien, Katar und Israel finanziert worden sind.

Drei Jahre umfangreicher Bombardierungen unter einem falschen Anti-Terror-Mandat.

Amerikas ultimative Absicht bestand darin den Irak als Nation zu zerstören, zu destabilisieren und aufzuspalten. Dieses Ziel ist weitgehend erreicht worden.

Die "Befreiung" von Mossul, die in der aktiven Unterstützung der ISIS-Terroristen bei der Besetzung Mossuls und darauf folgenden umfangreichen Bombenangriffen zur "Befreiung" der Stadt bestand, stellt ein tiefgeifendes Verbrechen gegen die Menschlichkeit 


Michel Chossudovsky, Global Research, 30. Mai 2018

Der folgende, sorgfältig dokumentierte Artikel von Nazli Tarsi beschreibt die grausamen Folgen der "Befreiung" von Mossul.

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Wie schwerer Nebel: Die Luft in Mossul ist vom Gestank des Todes erfüllt

von Nazli Tarsi

Middle East Monitor 

29. Mai 2018

Während der neun Monate, vom Beginn der militärischen Operationen zur Befreiung der nordwestlichen Provinz des Irak im Oktober 2016, sind tausende Männer, Frauen und Kinder sowie auch Kämpfer umgekommen. Das Pentagon erwähnt die in der uralten Stadt, Mossul, gefallene Zivilbevölkerung als "unbeabsichtigte" Verluste, vor Ort jedoch wird ihr Tod immer noch als der von Müttern, Vätern, Kindern und Enkelkindern betrauert, die alle ins Kreuzfeuer eines Krieges gerieten, der außerhalb ihres Einflusses lag.

Im Juli letzten Jahres hat der irakische Premierminister, Haider Al-Abadi, die Befreiung der uralten Stadt von der letzten Hochburg des Daesh verkündet. Nun sind weitere zehn Monate vergangen, und immer noch ist der Boden von Mossuls Altstadt übersät mit Leichen von Zivilisten und Daesh-Kämpfern. Laut des Ermittlers der Überwachungsorganisation Airways*, Samuel Oakford, "existieren keine offiziellen Zahlen über die Anzahl der Toten in Mossul."

Elftausend hat deren höchste von Nachrichtenagenturen genannte Anzahl betragen, aber es werden wohl Hunderte, die immer noch als vermißt gemeldet sind, zu deren Endbetrag addiert werden müssen. Die Anzahl wächst wahrscheinlich für mindestens noch sechs Monate, wenn nicht länger.
Bemühungen die zergliederten und verstümmelten Leichen zu beseitigen schreiten ebenso qualvoll langsam voran wie die des Wiederaufbaus einer Stadt die, laut Airways, zu ihrer Befreiung 1.200 Luftangriffe erdulden mußte. Die Körper werden vom irakischen Zivilschutz aufgelesen und anschließend Sterbeurkunden ausgestellt, aber selbst dessen Bemühungen sind begrenzt, da es an  Geld und die Mitarbeitern fehlt, um das Problem direkt zu anzugehen.
Die glühende Hitze des irakischen Sommers droht die mit den verwesenden Leichen verbundenen nachteiligen Gesundheitsrisiken noch zu verschärfen. Bereits jetzt erfüllt der Gestank von Tod und Verwesung die Luft in Mossul wie schwerer Nebel. Es werden unbedingt weitere Anstrengungen benötigt, aber das Nichtbeachten der Körper ist zur Norm geworden, sie werden schlicht der Verwesung überlassen.
Sowohl die irakischen Zentral- als auch die Bezirksbehörden habe sich gegen Vorwürfe von Gleichgültigkeit bezüglich dieser Frage gewehrt. Jede von ihnen beschuldigt die andere des Versagens beim Exhumieren der zwischen Schutt gefangenen Körper, und die Familien werden damit allein gelassen die Lücken über den Verbleib ihrer Geliebten zu ertragen.. Einige Staatsbedienstete haben zur Verteidigung ihrer Inaktivität die vermeintliche Identifizierung unbekannter Leichen benutzt.

Die Teams des irakischen Zivilschutzes haben sich in einigen Fällen geweigert Leichen zu beseitigen, die angeblich zu "Daesh-Familien" gehören. Nichtsdestotrotz haben Zivilschutzeinsätze, allein am 17. und 18. Mai, nicht weniger als 1.000 Leichen geborgen.
Freiwillige vor Ort und zivil-gesellschaftliche Organisationen haben das Dilemma mit dem Hinweis auf das Fehlen von Spezialisten, Ausrüstung und den benötigten Mitteln zur Säuberung der Stadt erklärt. Mohammad Dylan, ein Mitglied des Wasel Tasel-Teams, das Hilfsgüter verteilt und in zerstörten Stadtvierteln und Wohnungen in der Altstadt Hilfe anbietet, rechnet mit weiteren Verzögerungen. "Einige dieser Gebiete sind für allein reisende Freiwilligengruppen nicht sicher", sagt er gegenüber MEMO, "besonders in der Altstadt, wo sich die meisten der Leichen befinden."
In Ermangelung koordinierter Maßnahmen zur Beseitigung der Leichen, haben Freiwillige aus Nineveh und anderen irakischen Provinzen die Verantwortung übernommen, welche die Beamten achselzuckend ablehnen. Trotz des langsamen Tempos ihrer Arbeit sehen sie, zum ersten Mal seit
der Niederlage des Daesh im vergangenen Juli deren Erfolge.
Fatima Alani, die leitende Ermittlerin des in Amman beheimateten Irakischen Zentrums für Kriegsverbrechen, nennt "zahlreiche Gründe" für die derzeitige Situation. "Sichere Korridore, die in der Stadt eingeschlossenen Zivilisten als sichere Fluchtwege hätten dienen können, sind nicht gesichert gewesen", erklärte sie. Außerdem haben wir Hinweise darauf erhalten, daß Zivilisten während der Schlacht um die Befreiung der Stadt daran gehindert oder davon abgeraten worden ist diese zu verlassen."
Allein in der vergangenen Woche, hob Alani hervor, sind in einem Zeitraum von 48 Stunden 600 Leichen geborgen worden. Sie behauptet, daß die Brutalität, mit der Mossul heimgesucht worden ist, hätte verhindert werden können, wenn nicht vorsätzlich von Zivilisten bewohnte Zentren mit überwältigender militärischer Gewalt angegriffen worden wären.

Die Zerstörung der Gebäude hat das Gesicht von Mossul bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Das Ausmaß der Verwüstung der Stadt hat es Familien nahezu unmöglich gemacht Angehörige, von denen sie befürchten umgekommen zu sein, aufzufinden oder deren Todesursache zu herauszufinden.

Das Muster der stattgefundenen Morde läßt klar erkennen, daß unter jedem zerstörten Gebäude verwesende Leichen begraben bleiben werden.
Da der Tigris die Beseitigung von Leichen vereinfacht hat, ist nun die Wasserversorgung der Stadt gefährlich belastet. Der Kopf des Verwaltungsrats der Wasserversorgung von Nineveh hat solche Behauptungen bestritten, obschon er den Bewohnern der Stadt die regelmäßige Kontrolle und Sterilisation des Trinkwassers zugesagt hat. Es existiert keine unabhängigen Beweise für die Bestätigung dieser Behauptungen.
Mohammad Al-Azzawi, der stellvertretende Leiter des Gesundheitszentrums in Alam, sagte der staatlichen chinesischen Nachrichtenagentur, Xinhua, daß Laborkontrollen zeigen, daß das Wasser des Flusses hochgradig mit Fäkal- und Darmbakterien kontaminiert sei. "Die von uns beobachtete Nachlässigkeit im Umgang mit diesen Leichen wird den Anstieg verschiedener Krankheiten auslösen", sagte er, Sie könnte zu einer weiteren Seuche oder zu Milzbrandinfektionen führen. Je länger sie nicht geborgen werden desto toxischer wird die Belastung der Umgebung werden.
Al- Azzawi fügte hinzu, daß wir nicht vergessen sollten, daß der ausgedehnte Verbleib von Leichen im Schutt und auf den Straßen die Gesundheit der zurückgelassenen Anwohner beeinträchtigen und die Kläranlagen der Stadt kontaminieren wird. Die Ausbreitung tödlicher Stämme von Influenzaviren und anderer tödlicher Pathogene werden für Zivilisten ein hohes Gesundheitsrisiko darstellen."
Während viele Fragen unbeantwortet bleiben, sind die drängendsten mit der Identität von kürzlich entdeckten und  besonders  in als  "Tötungsräumen" gefundener Leichen verbunden, in denen unzählige Körper kreuz und quer übereinander gestapelt worden sind. Fast ein Jahr nach der Befreiung Mossuls sind noch nicht alle Leichen forensisch untersucht worden, um deren Todesursachen und Identitäten zu ermitteln.
Der Gestank des Todes der schwer über der mit Leichen verseuchten Stadt lastet, hat den Optimismus auf eine hoffnungsvolle Zukunft ihrer verbliebenen Bewohner gehemmt. Sie haben einen der häßlichsten Kriege der modernen Geschichte überlebt, aber ihr Kampf ums Überleben dauert an.

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Michel Chossudovsky ist preisgekrönter Autor und emerierter Professor für Wirtschaftswissenschaften an der University of Ottawa, Gründer und Direktor des Centre for Research on Globalisation (CRG) in Montreal sowie der Herausgeber von Global Research. Als Gastprofessor hat er in Westeuropa, Südostasien, im Pazifischen Raum und in Lateinamerika gelehrt und war als Berater für verschiedene internationale Organisationen in Entwicklungsländern tätig. Er ist Autor von elf Büchern, einschließlich "The Globalization of Poverty", "The New World Order" (2003), America’s “War on Terrorism” (2005), "The Global Economic Crisis", "The Great Depression of the Twenty-first Century" (2009) (Herausgeber), "Towards a World War III Scenario: The Dangers of Nuclear War" (2011), "The Globalization of War", "America's Long War against Humanity" (2015). Er ist Beitragender der Encyclopaedia Britannica. Seine Texte wurden in über zwanzig Sprachen veröffentlicht. Im Jahr 2014 erhielt er die Goldmedaille für Verdienste um die Republik Serbien für seine Schriften über den Angriffskrieg der NATO gegen Jugoslawien.

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Nazli Tarzi ist eine unabhängige Journalistin, deren Artikel und Filme sich mit der antiken Geschichte sowie der gegenwärtigen politischen Situation im Irak beschäftigen.
zuletzt editiert: 1. Juni 2018, 09:45 Uhr


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