Freitag, 11. Mai 2018

Wird eine Folter-Schergin zur CIA-Direktorin ernannt?

Von Ray McGovern via Global Research
Übersetzt von wunderhaft


[Anmerkung d. Übersetzers: Diesen Artikel hat der Autor im Vorfeld seiner hier festgehaltenen eigenen Verhaftung bei der beschriebenen Veranstaltung geschrieben. A]


Am Mittwoch erwartet Gina Haspel, trotz ihrer rekordverdächtigen Unterstützung von Folter, von der selbst das Pentagon zugibt, daß sie nicht funktioniert, eine Bestätigungsanhörung für das Amt zur  CIA-Direktorin.


10. Mai 2018, Global Research
Das Geheimdienstkomitee des Senats plant am Mittwoch darüber zu entscheiden, ob Gina Haspel für das Amt der Direktorin der Zentralen Geheimdienstbehörde empfohlen wird. Das übersteigt das Vorstellungsvermögen.

Es ist kein Geheimnis, daß Haspel in einem "Geheimgefängnis" der CIA in Thailand über Folter an Gefangenen, einschließlich Waterboarding, hinweggesehen hat. Das gemeinnützige Nationale Sicherheitsarchiv mit Sitz an der George Washington University berichtet, daß Haspel später ein Telegramm mit der Anordnung verfaßt hat, dutzende Videoaufnahmen von Foltersitzungen zu löschen, einschließlich einiger vor ihrem dortigen Amtsantritt aufgenommenen. Auch hat Haspel wiederholt dabei geholfen gegenüber leitenden CIA-Beamten und zwei Präsidenten Lügen über die angebliche Effektivität von Folter zu verbreiten.

Wie also gedenkt Präsident Donad Trump diese Nominierung genehmigt zu bekommen? Es ist eine jämmerliche Geschichte. Umfragen zeigen, daß die meisten Amerikaner, einschließlich Katholiken, durch Hollywood- und Fernsehfilme sowie andere Medien und durch Trump selbst eingeredet bekamen, daß Folter funktioniert.
"Absolut, ich spüre, daß es funktioniert," sagte Trump im Januar 2017 gegenüber ABC.
Nachdem zweckdienliche Argumente die Diskussion beherrschen, möchte ich zunächst darauf eingehen, ob es Hinweise darauf gibt, daß Folter funktioniert und dann auf die Tendenz zu deren –  gleichsam jesuitischen – zweideutigen moralischen Rechtfertigung. Ich muß jedoch vorab betonen, daß die zivilisierte Welt schon vor langer Zeit entschieden hat, daß Folter an sich schon teuflisch ist: also immer das falsche Mittel darstellt. Auch verstößt sie gegen ganz bestimmt gegen internationales sowie nationales Recht. Aber Folter ist nicht falsch, weil sie illegal ist. Es ist genau anders herum. Folter ist illegal, weil sie schlichtweg falsch ist – immer.

Das Erzwingen von ´Falschinformationen`

Am 6. September 2006 entschloß sich der damalige stellvertretende Geheimdienstchef der Armee, General John Kimmons, diese Frage auf einer Pressekonferenz des Pentagon öffentlich zu behandeln, nur eine Stunde bevor er erfuhr, daß Präsident George W. Bush die Vorteile der Folter, die als "erweiterte Verhörtechniken" bekannt geworden sind, öffentlich zu preisen. General J. Kimmons sagte:
"Gute Geheimdienstinformationen stammen nie aus Mißbrauchspraktiken. Ich denke, daß uns die Geschichte das lehrt. Ich denke, daß die empirischen Beweise der letzten fünf Jahre – fünf harte Jahre –  uns das lehren."
Hier ist allerdings die Ausnahme: Folter kann wie ein Zauber "wirken" wenn den Vernehmenden befohlen wird falsche "Geheimdienstinformationen" zu erzwingen, die bspw. dazu benutzt werden können einen Krieg zu beginnen.

Oberst Lawrende Wilkerson, der ehemalige Stabschef  unter Außenminister Collin Powell, hat erklärt wie sein Chef dem CIA-Direktor, George Tenet, und seinem Stellvertreter, John McLaughlin, in die Falle gegangen ist, als Oberst Wilkerson die letzten Änderungen an Außenminister Powells schauerlicher Rede über den Irak vom 5. Februar 2003 vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen vornahm. Mr. Tenet wußte, daß die von ihm genutzten Informationen von einem Folteropfer stammten, um Powell zu der Behauptung zu verführen, daß es eine "finstere Verbindungen" zwischen Saddam Hussein und Al-Qaida gebe.

Laut Oberst Wilkerson, hat Tenet Powell verschwiegen, daß dies "Geheimdienstinformation" von Abu Yahya al-Libi stammte, der vom ägyptischen Geheimdienst "ausgequetscht" und mir Waterboarding gefoltert worden war. Der militärische Nachrichtendienst der VS* hatte die Informationen von al-Libi offiziell für unglaubwürdig erklärt, jedoch hat Tenet Powell das nie erzählt. Al-Libi hat seine Aussage dann, weniger als ein Jahr später widerrufen und zugegeben, daß er die Geschichte über Saddam und al-Qaida erfunden hatte, um die Folter zu beenden.


´Das Grundlegend Böse´

Wer von uns vor Jahrzehnten jesuitische Institutionen besucht hat, dem wurde gelehrt, daß es Kategorie namens "grundlegend böse" existiert – Handlungen, die immer falsch waren, einschließlich Vergewaltigung, Sklaverei und Folter. Bedauerlicherweise scheint Folter auf meiner Alma Mater, der Fordham University, aus dieser klar definierten moralischen Kategorie in eine "graue Welt" entschlüpft zu sein.

Bild rechts: Kontroverse am Rosenhügel


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Im Frühling 2012 haben sich leitende Wissenschaftler, die sich der wechselhaften beruflichen Karriere des Beraters für Nationale Sicherheit (und späteren CIA-Direktors) John Brennan bewußt gewesen sind, der Entscheidung von Fordhams Präsident, Joseph M. McShane, S.J., heftig widersetzt, Brennan, der im Jahr 1977 einen Abschluß auf dem Fordham College erlangt hatte, einzuladen, um auf dem Bronx Campus die Eröffnungsrede zu halten und – vor allen Dingen – mit der Ehrendoktorwürde ausgezeichnet zu werden. Brennan war bereits wegen seiner Verteidigung  "außerordentlicher Auslieferungen", Geheimgefängnissen im Ausland und "erweiterter Verhörtechniken" aktenkundig geworden.

Viele Fordham-Studenten haben es als Skandal empfunden, daß die gewaltsame Politik, die Brennan vertrat, in starkem Kontrast zu den Prinzipien stand, denen sich die Fordham University, als jesuitische Universität angeblich verschrieben hat. Scott McDonald, ein leitender Wissenschaftler bat um ein Treffen mit Präsident McDonald, um über jene Belange zu diskutieren, jedoch blieb Brennon der Eröffnungsredner. McDonald verließ das Treffen mit der Frage, ob die Moraltheologen bei Fordham Folter nun als einen "Graubereich" betrachteten,

Im letzten Jahr ist Brennan, durch die Ernennung zum renommierten Mitglied für das Fach, Globale Sicherheit, am Zentrum für Nationale Sicherheit der Schule  erneut von Fordham ausgezeichnet worden. Und Brennan hat die Nominierung Haspels befürwortet.

Mich berührt all dies auf einer tiefen persönlichen Ebene. Nicht nur weil ich seit 1953 stolz bin Fordham-Absolvent zu sein, sondern, was wichtiger ist, weil wir neun Enkelkinder haben, von denen sieben noch nicht wissen, welches College sie besuchen werden. Es schmerzt mich tief, daß ich ich ihnen meine Alma Mater nicht empfehlen kann.

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Ray McGovern hat diesen Artikel ursprünglich auf Anfrage des jesuitischen Wochenmagazins, America*, verfaßt. Er wurde im Verlagshaus herumgereicht, die Veröffentlichung jedoch wurde verworfen.

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Ray McGovern arbeitet Mit "Tell the World", einem Verlagsbereich de ökumenischen Church of the Savior in der Innenstadt von Washington, D.C. zusammen. Als Alumnus* von Fordham, arbeitete er 27 Jahre lang, angefangen unter der Kennedy-Administration bis zu der ersten Bush-Administration, als CIA-Anslyst. Er hält ein Theologie-Diplom von Georgetown und ist Absolvent des Studiengangs, Modernes Management, der Harvard Business School.

Quelle: https://www.globalresearch.ca/will-a-torturer-become-cia-director/5639888

Der Artikel ist ursprünglich am 7. Mai 2018 bei Consortiumnews.com erschienen

Alle mit einem * versehenen Links wurden zusätzlich eingefügt

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