Freitag, 20. Juli 2018

Die Houthis und der Krieg im Jemen

Von: SouthFront
Übersetzung©: wunderhaft


[Anm: Diese Übersetzung einer Analyse der Hintergründe des Jemen-Konflikts umfaßt etwa 38 Normseiten. Unserer Meinung nach eine gelungene Grundlage für eigene Recherchen, um zu einem fundamentalen Verständnis der komplexen derzeitigen geopolitischen Umstände im Nahen Osten zu gelangen. A.]

 
 

 

 

1. Die Geschichte der Bewegung sowie ihre Struktur und Ideologie

 

Geschichte

Die Bewegung von Ansar Allah (Unterstützer Allahs), auch bekannt als die Houthis, ist eine im Jemen agierende paramilitärische Gruppe zaidischer Schiiten. Der Zaidismus* ist einer der moderaten Strömungen des schiitischen Islams mit über 10 Millionen Anhängern weltweit, dem über ein Drittel der jemenitischen Bevölkerung angehört. In dogmatische Hinsicht beziehen die Zahiditen eine Position, die der des sunnitischen Islam nahe ist und sich vorwiegend auf den Koran und die Sunnah* stützt. Im Gegensatz zu anderen Schiiten glauben die Zaiditen an den Verborgenen Immam*, die "umsichtige Verschleierung" (Taqwā*) und weisen den Anthrophormismus* sowie die uneingeschränkte Vorsehung zurück.

Im Jahr 2004 begannen die Houthis einen Aufstand. Ihr Ziele waren die Beendigung der Regierungstyrannei und -korruption, der Widerstand gegen das Mehrheitsprinzip der Sunniten und die Ideen des von dem saudischen Nachbarn erworbenen Wahhabismus sowie die Inthronisierung ihres eigenen politischen Führers, Imam Badr al-Din Houthi. Dennoch wurde dieser am 10. September desselben Jahres ermordet.

Die Organisation der zahidischen Shiiten des Jemens, aus denen sich die Bewegung anschließend rekrutierte, hat ihre Arbeit ursprünglich auf Kultur und Bildung konzentriert. Die erste dieser Organisationen ist im den frühen 1990er Jahren aufgetaucht und wurde "Forum für Jugend und Glauben" genannt. Diese Organisation hat Sommerlager organisiert und zahlreiche Schulclubs betrieben, um die Ideen des zahidischen Islams in der Provinz Saádah zu fördern.

Einer der Hauptgründe hinter dem Aufbau der Bewegung durch Badr al-Din al-Houthi ist die Marginalisierung und Verfolgung der Haschimiten und Zaiditen durch die jemenitische Regierung. Diese sind nach der Errichtung der Republik Jemen aus sämtlichen wichtigen Positionen im Land verdrängt worden. Außerdem hat Badr al-Din al-Houthi die Bewegung aus der Sorge um das Erlöschen des zaidischen Glaubens gegründet, besonders nachdem viele Zaiditen, wegen der Verfolgung durch die jemenitische Regierung, zum sunnitischen Glauben konvertiert waren. Es ist wichtig anzumerken, daß die Provinzen mit mehrheitlich zaidischer Bevölkerung wirtschaftlich schwach entwickelt waren.


Struktur

Nach der Ermordung des Gründers der Bewegung, Hussein Badr al-Din al-Houthi, im Jahr 2004, wurden die Houthis von Husseins Vater, dem spirituellen Führer, Badr al-Din al-Houthi, angeführt. Der derzeitige Anführer der Bewegung ist Husseins jüngerer Bruder, Sayyid Abdul-Malik Badr al-Din al-Houthi. Bis zum 19. April 2018 war Saleh al-Samad Vorsitzender der Höchsten Politischen Rates im Jemen. Er war einer der jüngsten Regierungs- und Staatsoberhäupter in der modernen Welt und wurde während eines Luftangriffes der Koalition getötet. Sein Amtsnachfolger ist Mahdi al-Mashat.

Politische Führungspositionen 
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Mitglieder der Houthi-Familie haben eine erhebliche Dominanz bei der politischen Führung der Bewegung. Allerdings konzentriert sich die Leitung nicht ausschließlich in ihren Händen.
Am 28. November, als die Houthis ihre Regierung der Nationalen Befreiung gebildet haben, besetzten die Mitglieder der Bewegung nur 10 der 36 Ministerämter: das des stellvertretenden Premierministers für Wirtschaft, des Justizministers, des Verteidigungsministers, des Ministers für die öffentliche Verwaltung und Versicherungen, des Transportministers, des Erziehungsministers, des Informationsministers, des Ministers für Rechtsangelegenheiten, des Elektizitäts- und Energieministers und des Tourismusministers. Am 2. Oktober 2016 wurde Abdel-Aziz bin Habtour zum Premierminister der neu gebildeten Regierung ernannt.

Ursprünglich war, nach der Flucht von Abed Rabbo Mansur Hadi*, besetzte das Höchste Revovlutionskomitee (SRC) die höchste Regierungsposition in dem Land. Das SRC begann seine Interimsregierung am 6. Februar 2015, nachdem die Houthis die Kontrolle über Sana´a erlangt hatten.

Am 15. August 2016, übergab das SRC die Macht formell an den Höchsten Politischen Rat (SPC). Der SPC ist ein von Ansar Allah und dem Volkskongreß (GPC) zur Regierung Jemens gegründetes Exekutivorgan. Der am 28. Juli 2016 gegründete Präsidentschaftsrat besteht aus 10 Mitgliedern und wurde bis zu einem Drohnenangriff am 19. April 2018 gemeinsam von seinem Präsidenten, Ali al-Sammad, und dem Vizepräsidenten, Qassem Labozah geführt. Der SPC hat die Funktion des Staatsoberhauptes im Jemen und verwaltet die staatlichen Angelegenheiten in der Absicht das während des Krieges entstandene politische Vakuum zu füllen. Der SPC wird nicht international anerkannt. Der SPC trägt die Verantwortung für die Schaffung der Regierung der Nationalen Erlösung. Währenddessen sind die Verantwortlichen des SRCs nicht abgeschafft worden und üben die tatsächliche Kontrolle über wichtige politische Gebiete und das gesellschaftliche am Boden aus.

Die Houthis haben vollständige Militärstrukturen die sowohl die neu geschaffenen paramilitärischen Einheiten als auch den Großteil der bewaffneten Streitkräfte des Jemens umfassen. Die Houthis haben ihre eigenen, vollständigen bewaffneten Streitkräfte mit eigenem Generalstab, Luft- und Küstenverteidigung, Raketeneinheiten sowie einem Geheimdienst und Sondereinheiten aufgebaut.


Militärkommando

Laut den erhältlichen Daten sind die Streitkräfte in 7 Militärbereiche mit je einem Befehlshaber unterteilt.

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Militärdistrikte und Kommandeure
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Eine spezielle Rolle in den Strukturen der Streitkräfte der Houthis nehmen die jemenitischen Raketenstreitkräfte (die 5. und 6. Raketenbrigade) ein,, welche für das Ausführen von Raketenangriffen im Jemen und Saudi-Arabien verantwortlich sind und einen Bestand von etwa 200 Boden-Luft -Raketen des Typs V-755 aus dem S-75/SA-2 System* in ballistische Raketen umbauen. Wartung, Zusammenstellung und Umbau der Raketen werden von der eigenen Forschungsabteilung der Streitkräfte übernommen – dem Raketenforschungs und -etwicklungszentrum. Dort sind zahlreiche russische Boden-Luft-Raketen schon zu unter Qaher-1, Qaher-2 und Qaher-1 bekannt gewordenen Mittelstreckenraketen umgebaut worden.

Im April 2018 ist al-Qubari, der dem Team der Republikanischen Garde (Miliz) vorstand, das, laut saudischen Quellen, für große Raketenoperationen gegen Ziele im Jemen und Saudi-Arabien verantwortlich war, bei einem saudischen Luftangriff getötet worden.

Laut verschiedenen Quellen haben die Houthis derzeit 150.000 Kämpfer in dem Land rekrutiert.


Ideologie

Die Ziele der Bewegung beinhalten die Bekämpfung der Wirtschaftsflaute sowie der politischen Marginalisierung im Jemen und den Kampf um die Autonomie von Regionen mit mehrheitlich zaidischer Bevölkerung. Aus den Stellungnahmen hochrangiger Vertreter der Bewegung, lassen sich die Ziele Ansar Allahs klar erkennen. Sie beinhalten die Suche nach einer verantwortlichen Regierung, die Korruptionsbekämpfung, den Zugang der Menschen zu öffentlichen Diensten, den Kampf um faire Treibstoffpreise, Aufstiegsmöglichkeiten für gewöhnliche Jemeniten und die Beendigung westlicher Eingriffe in die inneren Angelegenheiten des Landes. Auch haben sie den Wunsch nach der Errichtung einer nicht-konfessionellen Demokratischen Republik im Jemen geäußert.

Bezüglich der Religion haben die Führer der Bewegung erklärt, daß ihre Handlungen sich auf den Kampf gegen die Ausbreitung des Salafismus richten, die aus dem benachbarten Saudi-Arabien stammt und auf den Schutz der Gemeinschaft vor religiös bedingter Diskriminierung. Das Motto der Bewegung lautet: "Allah ist der Größte. Tod Amerika, Tod Israel, Fluch über die Juden, Sieg dem Islam". Das bedeutet nicht, daß die Houthis die VS oder Israel zerstören wollen. Laut Ali al-Bukhati, dem offiziellen Sprecher und Pressesprecher der Houthis, bedeutet diese Motto, daß die Bewegung gegen die Einmischung der VS und Israels, welche Saudi-Arabien und dessen Verbündete unterstützen, in die inneren Angelegenheiten des Jemens sind.


2. Hintergrund des Konflikts und der saudisch-gesteuerten Intervention

 

Im Januar 2011 begannen Massendemonstrationen auf denen der Rücktritt des damaligen Präsidenten Ali Abdullah Saleh, der das Land 33 Jahre lang regiert hatte. Die Gründe hierfür waren: Armut, Hunger und fehlender Zugang zu Trinkwasser eines maßgeblichen Bevölkerungsanteils, Jugendarbeitslosigkeit und religiöse Spannungen.

 Anfang Februar 2011 haben die Proteste den Präsidenten dazu gezwungen einige Zugeständnisse zu machen: er übergab die Macht nicht an seinen Sohn, reduzierte die Anzahl der präsidialen auf zwei aufeinanderfolgende und verabschiedete sich von der Idee an den bevorstehenden Wahlen teilzunehmen. Saleh weigerte sich seinerzeit vom Amt zurückzutreten. Am 17. Februar starben die ersten Demonstranten durch die Hände der Polizei in Aden. Die Gewalt wuchs und erreichte ihren Höhepunkt am 18. März, als 52 Demonstranten in der Hauptstadt, Sanaa, getötet worden sind. Die Zusammenstöße, die Schüsse und Explosionen beinhalteten dauerten bis zum 19. Mai 2011, an dem ein Waffenstillstandsabkommen vereinbart worden ist. Präsident Saleh wurde darauf vorbereitet innerhalb von 30 Tagen zurückzutreten und in den kommenden 2 Monaten Neuwahlen durchzuführen.

Jedoch weigerte sich Saleh das von den Parteien vereinbarte Dokument zu unterzeichnen. Seine Entscheidung führte zu einer neuen Runde der Gewalt. Jemens Luftwaffe und bewaffnete Oppositionsgruppen betraten die Bühne. 72 weitere Menschen sind in der Hauptstadt getötet worden. In den letzten Tagen des Mai wurden bei den sich ausbreitenden Demonstrationen 50 Jemeniten im Südwesten der Stadt Taizz getötet. Ein entscheidender Wendepunkt war der Beschuß des Präsidentenpalasts am 3. Juni in Sana´a. Der Premierminister, der Sprecher des Parlaments und Abdullah Sahel selbst sind hierbei verwundet worden. Die Houthis hatten versucht in die Stadt einzudringen. Hierauf ist Saleh aus dem Jemen geflohen.

 Im November desselben Jahres hat er dann aus der saudi-arabischen Hauptstadt, Riad, und in Anwesenheit von König Abfullah sowie dem Kronprinzen, Nayef Al Saud, seinen endgültigen Rücktritt erklärt. Saleh hat schließlich die Macht an Hadi übergeben – den damaligen Vizepräsidenten des Jemens, einem Sunniten, der eine pro-saudische Position vertrat. Allerdings hat dieser Schritt weder den Bürgerkrieg verhindert noch zu einer Veränderung der Situation beigetragen. Die von Salehs Sohn befehligten Truppen eröffneten das Feuer auf Demonstranten und töteten und verwundeten bis zu 100 Menschen. Die Regierung ergriff verschiedene unpopuläre Maßnahmen, insbesondere die Kürzung von Subventionen auf Erdölprodukte, die erwartungsgemäß zu höheren Benzinpreisen geführt haben. Daraufhin brachen neue Proteste aus. Die Houthis griffen zu den Waffen, eroberten Bezirke, staatliche Institutionen und errichteten eigene Kontrollpunkte. Trotz eines unter der Teilnahme der Vereinten Nationen unterzeichneten Friedensvertrags und dem Austausch des Premierministers, dauerten die militärischen Aktionen an und weiteten sich auf andere jemenitische Städte aus. Am 20. Januar 2015 besetzten Unterstützer von Ansar Allah, den Präsidentenpalast des Jemen und zwangen Hadi am 22. Januar zur Unterzeichnung seines Rücktritts und zur Flucht aus dem Land.


Die saudisch-gesteuerte Intervention 

Aufgrund der politischen Krise und der Unfähigkeit der Regierung Hadi zur Wiederherstellung der Ordnung und Durchführung notwendiger Reformen, ist die Popularität der Ansar Allah Bewegung beträchtlich gestiegen. Die Bewegung hat die zunehmende Kontrolle über weitere Gebiete und deren Infrastruktur übernommen. Diese Situation erschien dem saudischen Regime unakzeptabel. Die Saudis bildeten eine militärische Koalition, die (abgesehen von Oman) so gut wie alle Anrainerstaaten des Persischen Golfs umfaßte. In gewissem Ausmaß haben sich auch Ägypten, die Vereinigten Staaten, Marokko, der Sudan, Pakistan, Senegal und Jordanien unterstützend beteiligt. Nach seiner Flucht nach Saudi-Arabien hat Hadi eine Militärintervention zur Unterdrückung des Aufstands im Land gefordert. Aden wurde zur Hauptstadt für die dem geflohenen Präsidenten loyalen Kräfte. Die Houthis haben im Gegenzug ihre Macht im Nordwesten des Landes ausgebaut.

Offiziell hat die Invasion am 26. März 2015 mit der Operation "Decisive Storm" begonnen. Die Koalition richtete eine Flugverbotszone über dem Jemen ein. Bei anfänglichen Luftangriffen wurden die meisten Flugabwehrsysteme der Houthis auf dem Staatsterritorium zerstört oder unbrauchbar gemacht. Anschließend begannen die allumfassenden Kämpfe beider Seiten. Am 21. April wurde die Operation auf die Bitte von Hadi selbst offiziell beendet. Am 22. April wurde mit einer zweite Operation, die Operation "Restoring Hope" begonnen, die bis zum heutigen Tag andauert. Ihr Ziel besteht darin die Macht von Präsident Hadi über das gesamte Land wiederherzustellen und der Houthi Bewegung ein Ende zu setzen. Derzeit, besteht die Ansar Allah Bewegung aus nord-jemenitischen Stämmen, einigen Unterstützern des ehemaligen Präsidenten, Saleh, einschließlich Einheiten der Republikanischen Garde und der jemenitischen Armee. Der Iran ist externer Verbündeter, der Militärberater und technische Spezialisten, einschließlich solcher der libanesischen Hisbollah, zur Verfügung stellt. Die saudischen Interessen innerhalb des Jemens werden von den Sunniten, Unterstützern des abgesetzten Präsidenten, Hadi, und auch von dort ansässigen Wahhabiten unterstützt. Eine weitere Seite des Konflikts sind die Vereinigten Arabischen Emirate, welche die "Bewegung des Südens" im Jemen unterstützt und die Interessen eines bedeutsamen Teils der süd-jemenitischen Bevölkerung (die Volksrepublik des Jemen) repräsentiert.


3. Der allgemeine Verlauf des Krieges

 

Die wichtigsten Ereignisse 

Das Jahr 2015 war von den gewalttätigsten Zusammenstößen geprägt. Während dieser Zeit verlor die Koalition sowohl die F-16* der marokkanischen Luftwaffe in der Provinz Sa´adah als auch drei Kampfhubschrauber vom Typ AN-64 Apache*, von denen zwei in der saudischen Provinz Nadschran abgeschossen wurde, und eine über der jemenitischen Provinz Marib verloren ging. Die Offensive der Koalition auf der Straße von Aden nach Abyan wurde durch hohe Verluste von gepanzerten Fahrzeugen bekannt. Am 24. August haben die Houthis in der saudischen Provinz Jizan zwei Kampfpanzer vom Typ Abrams* zerstört. Am 25. August wurde eine Kolonne gepanzerter Fahrzeuge der Vereinigten Arabischen Emirate in einem Hinterhalt zerstört. Soldaten der Emirate haben 11 MRAPs* verloren von denen einige von ihren Besatzungen aufgegeben worden sind. Am 29. August wurden zwei weitere Abrams in derselben Provinz zerstört. Am Ende des Monats hatte sich der geplante Blitzkrieg der Koalition in eine totale Niederlage verwandelt. Die Unterstützer Hadis und die Interventionisten waren in heftigen Kämpfen in den Provinzen Taizz, Marib und Baida gefangen. Schätzungsweise wurden hierbei Dutzende gepanzerter Fahrzeuge verloren. Am 4. September, sind mehr als 100 Kämpfer, einschließlich 52 Soldaten der Vereinigten Arabischen Emirate, 10 saudischer Soldaten und fünf bahrainischen Staatsbürgern getötet worden, als eine Rakete vom Typ "Totschka-U*" in ein Feldlager der Koalition in Marib eingeschlagen ist.

Mitte September sind in Marib drei Tage später 20 gepanzerte Fahrzeuge der Saudis zerstört worden. Hohe Verluste haben die Kommandeure der Koalition gezwungen ihre Soldaten mit Milizen aus den Reihen der Unterstützer von Hadi zu ersetzen. Im selben Monat hat die Luftwaffe der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) damit begonnen den Unterstützern Hadis von eritreischem Boden aus Luftunterstützung zu leisten, was die Flugdauer für die Luftangriffe erheblich verkürzt hat. Um die Kosten der Luftangriffe zu verkürzen haben es die VAE bevorzugt Flugzeuge zur Aufstandsbekämpfung vom Typ AT-802U* hierfür einzusetzen, was deutlich preiswerter ist als der Einsatz von Apache-Kampfhubschraubern und F-16-Kampfflugzeugen. Im Oktober traf sudanesisches Militär im Jemen ein, und es gab Berichte über in der Region operierende kolumbianische Söldner.

Im Jahr 2016 nahm der Krieg Züge eines ausgedehnten Stellungskriegs an. Die Truppen von Hadi waren einen halben Kilometer in die Provinz Taizz* eingedrungen, aber die Houthis hatten nicht genügend Kräfte um den Gegner von seinen Nachschublinien abzuschneiden. Innerhalb der Koalition begannen Reibereien bezüglich der Fortsetzung der Operation, und am 16. Juni haben die VAE ihre militärische Teilnahme an dem Konflikt reduziert. Die Luftwaffe der Koalition setzte ihre Angriffe auf militärische und zivile Ziele im Jemen jedoch uneingeschränkt fort. Die Houthis ihrerseits haben ihre Überfälle auf saudische Grenzprovinzen und Raketenangriffe auf Militäreinrichtungen in Saudi-Arabien weiter fortgesetzt. Diese Situation wurde von Terrororganisationen, wie dem ISIS und Al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP*), ausgenutzt. Diese Organisationen erlangten die Kontrolle über weite Gebiete des Landes.

 Im Jahr 2017, hat der Krieg im Jemen ebenfalls Züge eines Stellungskriegs angenommen. Im Mai hat das sudanesischen Militär versucht eine unabhängige Offensive in der Wüste von Midi zu führen, die in der vollständigen Niederlage der sudanesischen Streitkräfte endete. Im Herbst 2017 haben die Houthis und ein ihnen loyaler Teil der jemenitischen Armee eine Offensivoperation in der Provinz Taizz ausgeführt, die zu erbitterten Grabenkämpfen geführt haben, in denen es keiner der Seiten gelang entscheidende Erfolge zu erzielen. Die Houthis behielten die Kontrolle über die westlichen Provinzen des Landes, einschließlich seiner Hauptstadt. Der Iran gewährt den anti-saudischen Kräften umfangreiche Unterstützung. Die Unterstützer von Hadi besitzen die Kontrolle über die südlichen und östlichen Provinzen. Milizen von AQAP und IS agieren im Norden, ein Beispiel hierfür war der Angriff des ISIS auf Aden im November 2017.

Bis Ende November hat die Luftwaffe der Koalition 8 Flugzeuge verloren, meist aus technischen Gründen, und mindestens 14 Helikopter. Die Gesamtzahl der Opfer auf Seiten der Koalition ist unbekannt. Jedoch wurden bis Ende September mindestens 412 Sudanesen im Jemen getötet. Saudi-Arabien hat während des Konflikts mindestens 42 Panzer verloren und die Verluste an gepanzerten Fahrzeugen belaufen sich auf ca. 300. Die VAE haben mindestens 150 gepanzerte Fahrzeuge verloren. Die offiziellen Verluste der Koalitionsstreitkräfte belaufen sich auf fast 1.300 Soldaten, die geschätzte Gesamtzahl der Opfer der Koalition und deren Stellvertreter während des gesamten Konflikts gehen in die Tausende. Ein Krieg, der zu einem schnellen Sieg führen sollte, hat sich für Riad zu einem großen Problem entwickelt. Trotz ihrer gewaltigen Finanzierung war die saudische Armee nicht in der Lage die Kontrolle über das jemenitische Staatsgebiet zu erlangen und sein eigenes Territorium vor Anschlägen und Raketenangriffen der Houthis zu schützen.

Im Jahr 2019 fanden sowohl in der Stadt Aden als auch südlich und nördlich von Sana´a und an der Westküste, nördlich von Hudaidah, wichtige militärische Entwicklungen statt. Außerdem setzten sich die Zusammenstöße an der saudisch-jemenitischen Grenze und in anderen Regionen im quer durchs Land fort.

Zum Beispiel:

Vom 28. bis zum 31 Januar ereigneten sich Zusammenstöße zwischen der von den VEA unterstützte Bewegung des Südens und den Hadi loyalen, von den Saudis unterstützten Kräften über die Kontrolle von Aden. Die Gewalt kam erst durch die Vermittlung der VEA und Saudi-Arabiens zum Stillstand. Formell blieb die Stadt in den Händen der Koalition, jedoch verringerte sich der Einfluß der von den Saudis unterstützten Fraktion in der Region.

Am 31. Januar eroberten von der Koalition geführte Kräfte die Stadt Aden. Diese Entwicklung wurde als großer Sieg der Koalition dargestellt.

Am 28. Februar haben die Houthis im Bezirk Mawra in der Provinz Taizz einen großen Konvoi der VEA überfallen. Zwölf Soldaten der Emirate und einige Hadi-loyale Kämpfer wurden, laut Berichten, getötet sowie vier gepanzerte Truppentransporter der VAE und vier Fahrzeuge der Hadi-treuen Kämpfer zerstört.

Am 24. März haben von der Koalition unterstützte Kräfte die beiden Berge Rab’ayen und al-Admagh im Distrikt Nihm der Provinz Sanaa erobert und angeblich 26 Houthi-Kämpfer getötet sowie 3 Fahrzeuge und 2 gepanzerte Fahrzeuge zerstört. Bei zahlreichen Angriffen in dem ganzen Distrikt sollen über 70 Houthi-Kämpfer verwundet und getötet worden sein. Das Ziel dieses Vorstoßes war, einen einen Standpunkt für die Eroberung des internationalen Flughafen von Sanaa zu erhalten und hierdurch einen weiteren Versuch zur Eroberung der jemenitischen Hauptstadt vorzubereiten.

Am 24. März eröffneten die Houthis eine Offensive im Distrikt Nihm und töteten mehr als 120 von der Koalition unterstützte Kämpfer. Dutzende von deren Fahrzeuge sollen auf dem Flughafen von Sanaa zerstört worden sein. Die Houthis haben die Ziele der Koalition mit einem einzigen Schnellangriff umgekehrt. Am 27. März haben die Houthis die saudisch unterstützten Kräfte zum Rückzug von einiger ihrer Stellungen im Yam-Gebirge gezwungen. Der saudisch unterstützte Versuch auf Sanaa vorzurücken scheiterte.

Am 7. April haben die Houthis ein ein Bataillon der 9. Luftlandedivision der sudanesischen Streitkräfte überfallen, die in der nordwestlichen Provinz Hajjah im Distrikt Midi auf Seiten der saudisch geführten Koalition gekämpft hatten. Hierbei sind zwischen 50 und 80 sudanesische Kämpfer getötet und mehr als 100 verwundet worden.

Am 11. April haben die saudisch geführten Truppen das Zentrum des Distrikts Midi eingenommen. Hiermit haben sie einen beachtlichen Teil der Grenze südlich des saudischen Provinz Nadschran gesichert. Jedoch hat dies nicht gereicht, um die Houthis von grenzübergreifenden Angriffen abzuhalten.

 Am 25. April haben die Koalitionsstreitkräfte ihre Militäroperation in der südwestlichen Provinz Taizz mit der Eroberung einiger Stellungen im Distrikt Dimmat Khadir fortgesetzt. Allerdings waren sie nicht in der Lage den ursprünglichen Erfolg weiterzuentwickeln.

Seit Anfang Mai haben die Koalitionstruppen ihre aktiven Bemühungen, die Hafenstadt Hudaidah zu erreichen und einzunehmen fortgesetzt, welche eine der logistischen Drehscheiben in der von den Houthis gehaltenen Region bleibt und der Gruppe den Erhalt von humanitärer Hilfe für die Bevölkerung vor Ort gewährleistet. In Norden der Stadt fanden von zwischen Mitte Mai bis zum Juni heftige Kämpfe statt, als die Koalitionsstreitkräfte von ihren Stellungen nahe des Flughafens von Hudaidah vertrieben worden sind. Am 6. Juni haben die Houthis damit begonnen die Nachschublinien in diese Operation involvierten Koalitionsstreitkräfte anzugreifen. Die Situation in der Region bleibt angespannt.

Die Art des Bodenkriegs im Jemen unterscheidet sich von dem was im Irak und Syrien zu beobachten war. Im Jahr 2003 sind amerikanische Infanterie und Panzerverbände im Irak mit Blitzkriegstaktiken innerhalb kurzer Zeit von Region zu Region vorgestoßen. Dies ist beim Vorgehen der saudischen Armee nicht beobachtet worden. Im Gegenteil, es herrschte eine eklatante personelle Inkompetenz und Unfähigkeit der Befehlshaber beim Einsatz der verfügbaren Kräfte und Mittel. Verschiedene Augenzeugen berichteten, daß die Führung der Saudischen Armee damit beschäftigt war persönlichen Querelen auszutragen, anstatt Operationen zu organisieren und zu planen. Die Kommandeure der saudischen Armee haben während der Offensive im Sommer und Herbst des Jahres 2015 bei ihrem Einsatz gepanzerter Fahrzeuge eine Reihe signifikanter Fehler begangen. Für den Truppentransport bestimmte leicht bewaffnete Schützenpanzer (BMPs*) und Schützenpanzerwagen (BTRs*) sind als Unterstützungsfahrzeuge für die Infanterie eingesetzt worden, als diese Stellungen der Houthis gestürmt hat, was zu enormen Verlusten dieser leicht gepanzerten Fahrzeuge geführt hat.

 Die Verherrlichung der Unprofessionalität der Koalition war der Einsatz von BTRs, die zu einem der Symbole für das Wagnis des Königreichs im Jemen geworden sind.

 Die MRAPs* die für gewöhnlich im Jemen eingesetzt worden sind, haben einen guten Schutz vor Minen geboten, waren jedoch bei Beschuß durch panzerbrechende Waffen völlig ungeeignet. Die Saudis haben versucht die schlechte Ausbildung und mangelnde Moral ihrer Infanterie durch den Einsatz einer großen Anzahl gepanzerter Fahrzeuge zu kompensieren. Das Resultat waren enorme Verluste dieser Fahrzeuge. Die MrAPs sind durch den Beschuß mit Panzerabwehrraketen, RPGs* und schwerem Maschinengewehrfeuer zerstört worden. Oft sind die Besatzungen dieser Fahrzeuge bei der Flucht vom Schlachtfeld beobachtet worden. Der Einsatz von zur Erkundung und Truppentransport bestimmtem Gerät hat sich bei der Partisanenbekämpfung als unbrauchbar erwiesen. Gewöhnlich haben die Houthis die aufgegebenen MRAPs zerstört. Sie verfügen nicht über genügend Material oder die zu deren Reparatur notwendige technische Unterstützung. Ähnliche Fehler sind von der saudischen Koalition auch beim Einsatz von schwer gepanzerten Fahrzeugen gemacht worden. Die mangelhafte Ausbildung der Soldaten hat es den Houthis erlaubt amerikanischen Kampfpanzer vom Typ Abrams M1 mit Hilfe veralteter russischer Panzerabwehrsysteme auszuschalten.

 Es gilt als so gut wie sicher, daß der Krieg im Jemen sich zunehmend zu einem Partisanenkrieg entwickeln wird. Hierfür gibt es verschiedene Gründe. Die Ansar Allah Bewegung steht unter einer Blockade und hat nicht genügend Reserven für eine Großoffensive im Süden und Osten des Landes. In Gegenzug haben die Koalitionsstreitkräfte unnötig hohe Verluste erlitten und Probleme mit der Motivation und Moral ihrer eigenen Streitkräfte erfahren.

 Die Houthis sowie die Unterstützer Salehs haben Fortschritte bei der Kampferfahrung und der Ausbildung ihres Personals gemacht. Eine erhebliche Anzahl jemenitischer Offiziere ist vormals von sowjetischen Spezialisten ausgebildet worden. Außerdem haben iranische Berater eine bedeutende Rolle bei der Unterstützung im Kampf gegen die saudischen Streitkräfte gespielt.


Der Raketenkrieg

Seit den frühen 1990ern haben sowohl die Jemenitische Arabische Republik* (YAR) als auch die Demokratische Volksrepublik Jemen*, die für gewöhnlich Südjemen genannt wird, die sowjetischen Raketensysteme, 9K72 (Scud*) und 9K79 (Scarab*) aktiv erworben, die während des Bürgerkriegs im Jahr 1994 umfangreich eingesetzt worden sind. In der Mitte des 1. Jahrzehnts dieses Jahrhunderts hatte die jemenitische Armee vier Artilleriebrigaden, von denen eine mit Feldartillerie ausgerüstet während drei, die 1. die 26. und die 89. Artilleriebrigade mit betriebsfähigen taktischen Raketensystemen bestückt waren. Alle drei Brigaden sind Teil der Republikanischen Nationalgarde gewesen. Ihre Hauptaufgabe bestand darin die Hauptstadt, Sanaa, zu schützen. Zu Beginn der 2000er Jahre, hat die jemenitische Armee das Kurzstreckenraketensystem der Artillerie, Luna-M*, ausgemustert und durch taktische ballistische Raketen vom Typ Hwasong-6* ersetzt, die aus Nordkorea angekauft worden sind. Auch hatte Pyonyang die Wartung der Raketen sowie die notwendige Ausbildung der Soldaten unterstützt. Jedoch ist die Zusammenarbeit der beiden Parteien seit dem Jahr 2003, auf Druck der VS, beendet worden. Laut der dem US-Kongreß verfügbaren Daten, sind im Jemen im Jahr 2004 24 "Totschka"- und 18 "Scud"-Systeme in Betrieb gewesen und einige von ihnen gelagert worden. Laut dem Analyseinstitut, "Jamestown Foundation*", hat die jemenitische Regierung 45 Raketensysteme des Typs Hwasong-6 vom Norden erworben. In den 2000er Jahren war der Iran für die Versorgung des Jemen mit Raketensystemen und Raketen verantwortlich. Seine Raketen sind sowohl mit sowjetischen als auch mit nord-koreanischen Abschußrampen wie dem Scud-System kompatibel gewesen (bspw. die "Sheab-2*"). Außerdem haben sie sogar noch eine höhere Leistung und Reichweite, als ihre sowjetischen und nord-koreanischen Gegenstücke. Jedoch hat der Iran gegenwärtig keine Möglichkeit ihre Houthi-Verbündeten mit neuen Raketen zu versorgen. Die Seeblockade macht es so gut wie unmöglich den Jemen mit umfangreichen Waffenlieferungen zu versorgen. Möglicherweise sind jedoch im Jemen selbst schon Anlagen zu Produktion oder dem Zusammenbau von früher gelieferten Komponenten errichtet worden.

Vom Anbeginn der Operation der arabischen Koalition im Jemen, haben Saudi-Arabien und seine Alliierten versucht die Lager von schweren Waffen und ballistischen Raketen zu zerstören. Allerdings ist dieses Ziel nicht vollständig erreicht worden. Einheiten der jemenitischen Armee, die sich mit den Houthis verbündet haben, ist es gelungen die meisten der mobilen Raketensysteme zu erhalten, was es ihnen in der Folge ermöglicht hat Saudi-Arabien regelmäßig mit Raketen anzugreifen.

Zum Beispiel:
  • Im Oktober 2016 wurde berichtet, daß eine ballistische Rakete des Jemen in der Umgebung von Mekka abgefangen worden ist. Damals hatten die Jemeniten beabsichtigt den Flughafen von Dschidda zu treffen. Auch wurde eine Rakete auf den Luftwaffenstützpunkt King Fahd abgeschossen.
  • Im Mai 2017 gedachten die Houthis dem Riad-Besuch von VS-Präsident, Donald Trump, mit dem Abschuß einer Rakete von Typ Burkan-2. Sie schlug in der Nähe der saudischen Hauptstadt ein. Zuvor hatten die Jemeniten zwei weitere Raketen in Richtung Riad abgefeuert. Ebenfalls im Mai hat ein Angriff Luftwaffenstützpunkt, King Salman, stattgefunden.
  • Am 22. Juli 2017 haben die Houthis ein Video vom Start einer Burkan-2 auf die saudische Raffinerie in der Stadt Yanbu veröffentlicht. Es wurde berichtet, daß diese Rakete 930 Kilometer weit geflogen ist, was die bisher höchste Reichweite einer Rakete der Houthis gewesen ist. Die Houthis haben behauptet, daß diese Rakete eine Erdölraffinerie getroffen hat, allerdings haben saudische Vertreter erklärt, daß, die Anlage, nach der Löschung des Brandes, ihren normalen Betrieb fortgesetzt hat.
  • Am 4. November 2017 hat die saudische Luftabwehr eine ballistische Rakete abgefangen, die vom Jemen, nordöstlich von Riad gestartet war.
  • Als Antwort hat de saudische Kronprinz, Mohammed bin Salman, erklärt, daß die mutmaßlichen Raketenlieferungen des Iran an den Jemen einen militärischen Angriff darstellen.
  • Seit Anfang 2018 ist die Anzahl der Raketenstarts der von den Houthis angeführten Streitkräften gestiegen. Zwischen März und April dieses Jahres sind die Starts besonders zahlreich gewesen.
  • Am 22.März haben die den Houthis loyalen jemenitischen Streitkräfte in einer offiziellen Stellungnahme erklärt, daß sie eine neue ballistische Kurzstreckenrakete, namens Badr-1*, getestet haben. Der Erklärung nach, ist eine der Hauptölförderanlagen des saudischen Erdölkonzerns, Aramco, erfolgreich beschossen worden. Die jemenitischen Streitkräfte sagten, daß es sich bei der Badr-1 um eine mit Festtreibstoff angetriebene Rakete mit einer Geschwindigkeit von bis zu Mach 4,5 und hoher Treffergenauigkeit handelt. Jedoch führt verfügbares Bildmaterial zu dem Schluß, daß es sich nicht um eine ballistische Rakete, sondern um eine mit Festtreibstoff betriebenes Artillerierakete handelt. Die Badr-1 ist wahrscheinlich eine Kopie der iranischen Artillerierakete, Fadschr-3*, da beide Raketen ähnliche Abmessungen besitzen. Die Reichweite der Fadchr-3 beträgt über 43 Kilometer. Das ist mehr als genug, um die Provinz Nadschran aus den von den Houthis gehaltenen Regionen im Nord-Jemen zu erreichen.
  • Am dritten Jahrestags des Beginns der Militäroperation der saudisch geführten Koalition haben die Houthis während der Nacht vom 25. auf den 26. März sieben Raketen verschiedener Bauart auf die Flughäfen von Riad, Abhi, Dschāzān und Nadschran abgeschossen. Die Burkan-H2* wurde auf Riad abgefeuert. Gegen andere Ziele sind Raketen vom Typ Qaher-M2 (modifizierte Luftabwehrraketen des Typs S-75) eingesetzt worden. Die saudische Luftabwehr hat die Raketen durch den Start zahlreicher Patriot-Luftabwehrraketen abgefangen. Allerdings geht aus Beweisvideos hervor, daß mindestens zwei der Luftabwehrraketen defekt gewesen sind: eine ist explodierte kurz nach ihrem Start, und die andere verlor ihren Kurs und fiel zu Boden.
  • Am 8. April feuerten die jemenitischen Raketenstreitkräfte eine Rakete vom Typ Badr-1 auf eine Radarstation außerhalb der Stadt Khamis Mushait in der Provinz Asir ab. Am 9. April beschossen sie den Militärstützpunkt, Nahouqa, in der Provinz Narjan, mit einer Kurzstreckenrakete iranischer Bauart des Typs Zelzal-2. Am 10. April traf ein ballistische Rakete des Typs Badr-1 eine militärische Einrichtung in der Provinz Nadschran. Am 11. April wurde eine Rakete des Typs Burkan-H2 in Richtung der saudischen Hauptstadt und eine Badr-1 auf eine der Grenzregionen in Saudi-Arabien abgefeuert. Die Burkan-H2 hat ihr Ziel erreicht und ging in einem der Wohnviertel der Stadt nieder. Am selben Tag führte die Houthis erfolgreiche Angriffe auf den Flughafen Abha in der Provinz Asir und Einrichtungen der saudischen Kompanie Aramco in der Provinz Jizan aus, bei denen mit Sprengstoff bestückte Drohnen des Typs Qasif-1* verwendet worden sind.
  • Am 17. April haben die jemenitischen Raketenstreitkräfte eine Rakete vom Typ Badr-1 auf ein Kraftwerk in der Provinz Nadschran abgefeuert. Die Rakete ist, laut saudischen Quellen,vom saudischen Militär abgefangen worden.
  • Am 23. April haben die Houthis zwei Badr-1 auf Öl-Raffinerien im Besitz von Aramco in Jizan abgefeuert.
  • Am 28. April haben die Houthis mindestens 8 ballistische Raketen vom Typ Badr-1 auf "wirtschaftliche und entscheidende" Ziele in Jizan abgefeuert. Jedoch wurden keine Details hierüber bekanntgegeben.
Die Seeblockade und der Mangel an materiellen Ressourcen zwangen die Houthis zu einer asymmetrischen Reaktion auf die Koalition. Hierfür haben sie Luftabwehrraketen zu ballistischen Kurzstreckenraketen umgebaut. Das war deswegen sinnvoll, weil die Luftabwehrsysteme des Landes ausgefallen sind, der Vorrat an Raketen aber noch vorhanden war. Hierfür waren große Luftabwehrraketen am besten geeignet. Sie verfügen über kräftige Kerne mit schubstarken Triebwerken. Ihre Triebwerke arbeiten nur während der Beschleunigungsphase, danach fliegt die Rakete entlang der ballistischen Kurve, wie Artilleriemunition. Luftabwehrraketen vom Typ S-75* sind hierfür die ideale Wahl.

Im Oktober 2015 sind die ballistischen Raketen vom Typ Qaher-1 präsentiert. Sie stammen aus Raketen des Luftabwehrsystems S-75. Auch wurde ihr Start von dem Luftwaffenstützpunkt Khalid Bin Abdul Aziz angekündigt. Die spezifischen Parameter dieser selbstgemachten Rakete ist schwer zu beurteilen, jedoch kann sie einen 200-250 kg schweren Sprengkopf innerhalb einer Reichweite von 100-250 km transportieren.


Das Vorgehen der Houthis gegen die Luftwaffe und die Marine der Koalition in deren Luftraum

Vor der Intervention besaß der Jemen etwa 80 Kampfflugzeuge, die meisten von von ihnen waren moderne MIG-29. Es waren ungefähr 20 Stück, und die meisten davon waren auf dem Luftwaffenstützpunkt Al-Dailam (nahe des Internationalen Flughafens von Sanaa) stationiert. Ein kleiner Teil dieser Flugzeuge war auch in Al-Anad stationiert. Während der ersten Wochen der Intervention ist die jemenitische Luftwaffe, einschließlich der Hangars in denen sich die Mig-29 befunden haben, vernichtet worden.

Der einzig mögliche Weg diesem Angriff zu begegnen war die Verwendung von Luftabwehrgeschützen, fahrbaree Luftabwehrgeschützen und MANPADs*. Vor dem Beginn des Angriffs der Koalition besaß die jemenitische Luftverteidigung 20 Raketensysteme vom Typ STRELA-1*, zwischen 200 une 360 Raketen vom Typ STRELA-2, bis zu 120 Flakpanzer (von 20-34 amerikanischen M163s* (6x20 mm) bis zu 89 sowjetischen Shilkas* (4x23 mm), etwa 500 Flakgeschütze (52 amerikanische M167s (20 mm), 100-200 sowjetische SU-23-2s* (23mm), bis zu 150 61-K* (37 mm) und bis zu 40 KS-12* (85 mm). Ein großer Teil dieses Arsenals fiel in die Hände der Unterstützer der Ansah Allah Bewegung.

Der Jemen hatte bis zu 40 Batterien (Geschütze) des sowjetischen S-75-Luftabwehrsystems, 2 Batterien (bis zu 8 Geschützen) des S-125*-Luftabwehrsystems und eine unbekannte Anzahl von Kub*-Luftabwehrsystemen. Einige dieser Systeme hatten ihre Einsatzfähigkeit schon vor dem Ausbruch der Feindseligkeiten eingebüßt. Ein Großteil der fest stationierten funktechnischen Einrichtungen und Anlagen wurden während der ersten Luftangriffe unbrauchbar gemacht. Trotzdem war die jemenitische Luftverteidigung, wenn auch nur mit Hilfe von Tarnung und taktischen Methoden, in der Lage der Luftwaffe der Koalition Verluste zu bereiten.
 
Außer Raketen und Luftabwehrsystemen benutzt die Bewegung einen Vorrat an Raketen, die für den Abschuß durch Kampfjets vorgesehen sind. Am 21. März 2018 wurde eine in der Provinz Saada vom Boden aus gestartete Luft-Luft-Rakete vom Typ R-27*, erfolgreich gegen ein Kampfflugzeug der saudischen Koalition eingesetzt. Am 26. März haben die Houthis Raketen vom Typ R-27T vom Boden aus gestartet, um zwei F-16 der Luftwaffe der VAE abzuschießen, Jedoch verfehlten die Raketen diesmal ihre Ziele.
 
Im August 2017 hat die arabischen Koalition ein Memo veröffentlicht, in dem öffentlich bekannt gegeben wurde, daß sie seit dem 10. Mai 2015 zehn Flugzeuge verloren hat: 4 davon stammten aus den VAE, 3 aus Saudi-Arabien, eines aus Bahrein und ein weiteres aus Marokko. Allerdings hat das Memo vom August 2017 die Verluste der Koalition deutlich unterbewertet. Die offizielle Chronologie der Verluste der Koalition seit dem Beginn der saudisch geführten Intervention lautet, wie folgt:
  • 20. Mai 2015 – eine F-16 der marokkanischen Luftwaffe wurde abgeschossen, der Pilot ist gestorben
  • 22. August 2015 – ein Hubschrauber der saudischen Luftwaffe vom Typ Apache wurde mit MANPADs abgeschossen, beide Besatzungsmitlieder sind gestorben
  • 30.Dezember 2015 – eine F-16 der bahrainischen Luftwaffe ging wegen "technischer Fehlfunktion" in Jiza verloren
  • 14. März 2016 – eine Mirage 200-2000-9 der Luftwaffe der VAE wurde abgeschossen, beide Piloten sind gestorben
  • 12. Juni 2016 – ein Hubschrauber der VAE wurde über dem Meer nahe des Hafens von Mocha abgeschossen
  • 13. Juni 2016 – ein Hubschrauber der VAE ging in der Nähe von Aden verloren
  • 25 Juni 2016 – ein Hubschrauber der saudischen Luftwaffe vom Typ Apache wurde über der Provinz Marib abgeschossen (stürzte angeblich wegen schlechten Wetters ab), beide Piloten sind gestorben
  • 24. Februar 2017 – eine F-16 der Königlich Saudischen Luftwaffe ging in der Provinz Nadschran verloren
  • 18. April. 2017 – ein Hubschrauber der saudischen Luftwaffe vom Typ Black Hawk wurde über Marib abgestürzt
  • 11. August 2017 – ein Hubschrauber der Luftwaffe der VAE ist abgestürzt, alle vier Besatzungsmitglieder sind gestorben
 
Die Operationen auf See 

Militäroperationen auf See beschränken sich auf eine Seeblockade und die Bombardierung der jemenitischen Küste durch die Streitkräfte der Koalition. Die Houthis vergelten dies mit Raketenangriffen auf deren Marine.
  • Am 7. Oktober 2015 haben der jemenitische Küstenschutz (YCDF) ein Schiff der saudischen Koalition mit einer Anti-Schiff-Lenkwaffe, "p-20*" oder einer ihrer Nachbildungen aus chinesischer oder iranischer Produktion getroffen. Kurz nach einem Brand sank das Schiff und wurde an die Küste gespült. Es stellte sich heraus, daß es sich bei dem getroffenen Ziel um den Saudischen Öltanker, Boraida mit einer Verdrängung von 11.200 t gehandelt hat.
  • Am 10. Oktober hat die YCDF eine Rakete auf eine Korvette der Baynunah-Klasse* der Marine der VAE mit einer Verdrängung von 630 t abgeschossen. Die Rakete hat ihr Ziel getroffen und das Schiff ist gesunken.
  • Am 10. Oktober hat die YCDF eine Rakete auf die Fregatte, Al Damman, der La-Fayette-Klasse* der saudischen Marine mit einer Verdrängung von 4.650 t abgeschossen. Die Rakete hat ihr Ziel getroffen und das Schiff beschädigt. Laut einigen Berichten soll es später gesunken sein.
  • Am 10. Oktober hat die YCDF eine Rakete auf eine Korvette der Baynunah-Klasse* der Marine der VAE mit einer Verdrängung von 630 t abgeschossen. Die Rakete hat ihr Ziel erfolgreich getroffen.
  • Am 7. November hat die YCDF eine Rakete auf ein nach einem Schiff der saudischen Küstenwache mit einem Helikopter aussehenden Schiff abgeschossen. Die Rakete hat das Ziel zerstört.
  • Am 8. November hat die YCDF eine Rakete auf ein Kanonenboot der Koalitionsstreitkräfte abgeschossen, welches die Küste beschossen hatte.
  • Am15. November wurden mehrere Raketen auf ein Kanonenboot abgefeuert, welches die Küste beschossen hatte. Berichten nach, soll eine Rakete ihr Ziel getroffen und es beschädigt haben. Da Ziel wurde als Fregatte der Zulfiquar-Klasse* mit der Kennung 254 identifiziert, was den Schluß zuläßt, daß es sich um die pakistanische PNS Aslat gehandelt hat.
  • Am 24. November wurde eine Rakete auf ein Schiff der saudisch geführten Koalition abgeschossen. Die Rakete hat ihr Ziel getroffen, was zu einer schweren Explosion auf dem Schiff geführt hat.
  • Am 5 Dezember hat die YCDF berichtet, daß sie ein weiteres Schiff der saudisch geführten Koalition versenkt hat. Eine Rakete hat eine Korvette der Baynunah-Klasse getroffen und sie versenkt.
  • Am 16. Dezember hat die YCDF eine Rakete auf ein weiteres Kriegsschiff der saudisch geführten Koalition abgefeuert, welches sie versenkt oder beschädigt hat.
Im Jahr 2015 haben die Jemeniten aktiv und erfolgreich Anti-Schiffs-Lenkwaffen vom Typ PK-20 oder deren Pendants aus chinesischer oder iranischer Produktion eingesetzt und der Kriegsflotte der saudischen Koalition signifikante Schäden zugefügt. 2015 war das Jahr der intensivsten Militäroperationen auf See. Abgesehen von den 10 versenkten oder beschädigten Kriegsschiffen der Koalition, haben die von den Houthis angeführten Streitkräfte zahlreiche andere Wasserfahrzeuge, Lastkähne, Tanker und andere Schiffe beschädigt. In den Folgejahren hat die Intensität der Marineoperationen abgenommen. Wegen ihrer signifikanten Verluste sah sich die Koalition gezwungen ihren Marineeinsatz zu einzuschränken. Die hohe Anzahl an Starts hat das das Raketenarsenal der Houthis wahrscheinlich schrumpfen lassen.

Dennoch gab es noch einige weitere Einsätze auf See. Am 2. Oktober haben die Houthis mit Hilfe einer chinesischen Rakete vom Typ C-802* den Hybrid-Katameran, HSV-2 Swift*, zerstört, den die VAE von den VS geleast hatten. Dieses Wasserfahrzeug ist im Interesse der saudischen Koalition eingesetzt worden.

Ein Zerstörer der Arleigh-Burke-Klasse* der US-Navy, die USS Mason (Bord-Nummer: 87), der mit Lenkwaffen bewaffnet ist, wurde am 9., 12., und 15. Oktober 2016 angegriffen. In sämtlichen Fällen habe die aus China stammenden S-802A oder ihre direkten Nachbildungen aus iranischer Produktion, Nur, ihre Ziele nicht erreicht. Wahrscheinlich war der Grund für dieses Szenario die geringe Leistung des sich an der Küste befindlichen radargesteuerten Lenkwaffen-Leitsystems sowie der aktive Einsatz von Maßnahmen zur elektronischen Kriegführung durch die Besatzung der USS Mason. Vielleicht bestand die hauptsächliche Absicht hinter diesen Angriffen in der Erforschung der Schutzeigenschaften des Zerstörers.

Am 30. Januar 2017 wurde eine Fregatte der Al Madinaha-Klasse* der Königlich Saudischen Marine von Houthis an der Westküste des Jemen angegriffen. Es ereignete sich eine heftige Explosion. Laut offiziellen Daten, wurden zwei Besatzungsmitglieder getötet und drei weitere verwundet.

Am 3. April 2018 wurde ein saudischer Tanker in internationalen Gewässern im Süden der Provinz Hudaidah mit einer Anti-Schiffs-Rakete angegriffen. Das Schiff ist leicht beschädigt worden und setzte seinen Kurs fort.

Es ist schwer zu sagen wie viele der Ziele gesunken sind. Das Ausmaß der Schäden ist unterschiedlich, und selbst schwer beschädigte Schiffe können repariert werden. Andererseits hat die Marine der Koalition zweifelsfrei unersetzliche Verluste erlitten. Vielleicht war das der Grund dafür, daß die saudische Marine einen Auftrag zum Bau von 5 neuen Korvetten der Avante 2200-Klasse* an Spanien vergeben hat. Der Auftrag hat einen Wert von 3,3 Millionen (Dollar? / Anm. d. Übers.).

  
Die humanitäre Situation im Jemen

Der lange, durch externe Einmischung verkomplizierte Bürgerkrieg hat den Jemen in eine humanitäre Katastrophe geführt. Laut dem jemenitischen Zentrum für Menschenrechte und Entwicklung, sind im Frühjahr des Jahres 2015 mehr als 10.000 Zivilisten in Folge der Luftangriffe der Koalition getötet worden. Laut Schätzungen der Vereinten Nationen (VN), benötigen drei Viertel der Bevölkerung des Jemens, was 22.2 Millionen Menschen entspricht, humanitäre Hilfe.

Während des Krieges hat sich der Jemen zur weltweit größten Region humanitärer Katastrophen entwickelt. Am Vorabend der Intervention war das Land zu 90% auf den Import von Medikamenten und Nahrungsmitteln angewiesen. Derzeit ist es der größte Choleraherd auf dem Planeten. 700.000 Menschen sind mit Cholera infiziert, 44% aller Neuerkrankungen entfallen auf das Land und 32% jener Menschen, die in den vergangenen Monaten an Cholera gestorben sind, waren Kinder unter 15 Jahren. Im Dezember 2017 sind sechs Millionen Dosen des Diphterie-Impfstoffes mit einem von der VN gecharterten Flugzeug nach Sanaa gebracht worden. Dies weist darauf hin, daß die VN auch über einen Ausbruch von Diphterie in dem Land besorgt ist.

Neun Millionen Menschen mangelt es an Nahrung. 400.000 Kinder leiden bereits an akuter Unterernährung. Mindestens 14,8 Millionen Menschen haben keinen Zugang zu medizinischer Hilfe. Nach dem Beginn der Blockade, stieg der Preis von Weizenmehl um 30% und die Kraftstoffpreise haben sich verdoppelt. In einigen Regionen ist der Trinkwasserpreis seit der Blockade um das 600-fache angestiegen. Die Kindersterblichkeitsrate des Landes ist aufgrund von Hunger und Cholera hoch.

Menschenrechtsexperten der VN kamen zu dem Schluß, daß einer der Gründe für die schlimme humanitäre Katastrophe im Jemen die Luft- und Seeblockade der Koalition gewesen ist. Infolge dieser Blockade ist der Betrieb der Häfen zusammengebrochen, der Import von Nahrung, Kraftstoff und Medikamenten ist abgebrochen. Ungerechtfertigte Verspätungen bei der Ausstellung von Einfuhrgenehmigungen in jemenitische Häfen oder die Verweigerung solcher Genehmigungen durch die Koalitionsstreitkräfte wurden zur Tagesordnung.


4. Propaganda

 

Zur Verbreitung ihrer Ideen hat die Asar Allah Bewegung ihre eigene Medien-Strategie entwickelt. Diese Strategie bedient sich weitgehend der Ideen der libanesischen Hisbollah Bewegung. Sie besteht aus der Veröffentlichung von Nachrichten, Videos und der Verbreitung von Informationen durch Zeitungen und Foren in sozialen Netzwerken. Wie die Medien der Hisbollah, sind auch die Medien von Ansar Allah religiöser Natur und konzentrieren sich auf den Kampf gegen die VS-amerikanisch-saudische Invasion. Abdul-Malik al-Houthi, der derzeitige Anführer der Bewegung, hält Reden, die denen des Generalsekretärs der Hisbollah, Hassan Nasrallah, sehr ähnlich sind.

Im Jahr 2011 hat die Regierung ihren offiziellen Fernsehkanal, Al-Masirah, ins Leben gerufen. Der Kanal betreibt zwei Büros. Eines am südlichen Stadtrand der libanesischen Hauptstadt, Beirut, und ein anderes in der jemenitischen Hauptstadt. Es gibt auch zwei Radiosender in Sanaa: al-Masira Radio und Sam FM. Außerdem gibt es zusätzliche Radiosender in anderen jemenitischen Provinzen. Den Hauptaugenmerk legt die Bewegung auf Printmedien, da sehr viele Jemeniten wegen der anhaltenden Kämpfe und der Blockade keinen Fernsehempfang haben. Ansar Allah hat bis zu 25 gedruckte und elektronische Zeitungen, welche die Ideen der Bewegung verbreiten. Erwähnenswert sind die Veröffentlichungen von Al-Masira und Al-Masar, deren Online-Ausgaben zu den wichtigsten elektronischen Nachrichtendienstleistungen gehören. Die Bewegung kontrolliert einen Teil der staatlichen Medien, einschließlich der staatlichen Nachrichtenagentur, SABA, sowie über ein Dutzend der regionalen Mediennetzwerke. Die Bewegung wird auch von einigen unabhängigen oder halb-autonomen Aktivistengruppen unterstützt. Eine der populärsten dieser Gruppen ist Yemen Wrath.

Die Houthis sind sehr eifrig bei der Produktion von Videoberichten direkt aus dem Kriegsgebiet. Diese Beweise dienen als Basis für die Internetinhalte über den Konflikt, unterliegen jedoch der strikten Zensur durch soziale Medien wie YouTube, Facebook, Twitter, etc., was ihre Verbreitung erschwert.

Die Gründe für die Zensur umfassen regelmäßige Darstellungen von Leichen, hauptsächlich von Soldaten der Koalition, übertriebenen Naturalismus und dem Mangel an englischsprachigen Sendungen. Kürzlich gab es eine Verbesserung der produzierten Videoinhalte. Während frühere Videos ausschließlich Szenen vom Schlachtfeld zeigten, bestehen die Videos nun regelmäßig aus kommentierten Szenen und Animationen.

Die Propaganda von Ansar Allah nutzt die etablierten Terminologie, mit der die verstorbenen Unterstützer der Bewegung als Märtyrer und aktive Käpmfer als Mudschahedin dargestellt werden. Die Bewegung setzt auf den aktiven Einsatz von Graffitis und Plakaten, um ihre Botschaften in den Straßen zu verbreiten. Diese beinhalten oft Sprüche und Suren aus den Koran, die Äußerungen des Propheten, und Zitate des Gründers der Houthi-Bewegung.

Ansar Allah hat eine Reihe von Bands geschaffen, die traditionelle Lieder aus den im Norden gelegenen Bergen von al-Zamel spielen. Ihre Musik glorifiziert verschiedene Stämme, den Krieg, den Mut und den Glauben. Diese Lieder entsprechen in vieler Hinsicht dem Ton, Rhythmus und der Technik von Liedern der Hisbollah und verwenden auch religiöse, mit dem Jihad verknüpfte Begriffe. Sie werden in von Houthis kontrollierten Regionen, speziell in Grenznähe von deren Fernseh- und Radiosendern übertragen. Die Houthis nutzen auch Autos mit Lautsprechern, die durch dicht besiedelte Gebiete und Straßen im Jemen fahren.


5. Einkommens- und Finanzierungsquellen

 

Derzeit kommt der Großteil der Finanzierung aus dem Iran und der jemenitischen Diaspora im Ausland. Zu Beginn des zweiten Jahrzehnts des Jahrhunderts lebten etwa 2,5 bis 2 Millionen Jemeniten außerhalb des Landes, hauptsächlich in den Ölförderstaaten am Persischen Golf (etwa 800.000 in Saudi-Arabien) sowie in Dschibuti und Indonesien. Kleine jemenitische Gemeinden existieren im Vereinigten Königreich (VK) (die größte in Westeuropa mit bis zu 80.000 Menschen), in den VS und in Kanada. Laut Quellen der jemenitischen Regierung, haben allein Arbeitnehmer aus Saudi-Arabien mit bis zu 4 Milliarden (Dollar?) zur Finanzierung beigetragen. Allerdings ist der Fluß des Geldes mit dem Beginn des Konflikts versiegt. Schon vor dem Ausbruch der Feindseligkeiten gegen die Houthis ist der Großteil der jemenitischen Arbeiter von der saudischen Führung ausgewiesen worden, und derzeit ist die Anzahl jemenitischer Arbeitnehmer in Saudi-Arabien auf ein Minimum beschränkt.

Eine Reihe von Experten glaubt, daß die finanzielle Unterstützung durch den Iran nicht mehr als 10-20 Millionen Dollar im Jahr beträgt. Es muß angemerkt werden, daß die Möglichkeiten der Islamischen Republik zur finanziellen Unterstützung des Jemen derzeit eingeschränkt sind, da der Iran sowohl die Hisbollah mit Waffen und Personal unterstützt als auch die schiitischen Milizen in Syrien und dem Irak. Außerdem steht der Jemen derzeit unter einer See- und Landblockade. Daher sind die Möglichkeiten zur Unterstützung der Houthis äußerst eingeschränkt. Verschiedene iranische Schiffe, die von Koalitionsstreitkräften im Jahr 2014 aufgebracht worden sind, hatten Raketen für verschiedene Abschußrampen, MANPADs, Granatwerfer vom Typ RPG-7*, Sprengstoff, Patronen, Kleinwaffen und im Iran produzierte Nachtsichtgeräte geladen. Daraus kann geschlossen werden, daß die Bewegung es vorzieht Unterstützung in Form von Sachleistungen zu erhalten, da ihre Möglichkeit des unabhängigen Handels auf dem Waffenmarkt derzeit eingeschränkt ist.

Nach der Eroberung Sanaas und dem Sturz der Regierung Hadi sind nahezu sämtlichen Immobilien von der islamistischen Partei "al-Isla" konfisziert worden. Der Einzug der Houthis in die Hauptstadt ging dermaßen schnell vonstatten, daß weder die "al-Isla" noch Mitglieder der Regierung von Präsident Hadi Zeit gehabt haben ihre Geld oder ihre Wertgegenstände wie bspw. Schmuck zu verstecken. In den Wohnungen einer Reihe von hochrangigen Funktionären der Partei "al-Isla" sind mehrere Tonnen an Goldbarren konfisziert worden. Außerdem haben die Houthis die Beteiligungen der Zentralbank übernommen.

Allerdings ist dies in der ersten Phase des Konflikts geschehen. Der Krieg dauert nun schon mehrere Jahre an und Ressourcen, wie Zentralbankbeteiligungen, sind mittlerweile verbraucht. Die Houthis sind von den großen Erdölfeldern innerhalb des Landes und in Ma´rib abgeschnitten worden. Derzeit sind die Finanzierungsquellen der Houthis beschränkt. Die Hauptfinanzierungsquellen innerhalb des Landes sind ihnen entzogen. Manchen Angaben nach hat die Verwaltung der Houthis den Einzelhandel besteuert und den Großhandel im Land weitgehend monopolisiert.


6. Beziehungen zu lokalen Akteuren und die Tolle im Nahen Osten

Saleh und seine Kräfte 

Die Beziehungen zwischen den Houthis und dem verstorbenen Präsidenten, Saleh, lassen sich als paradox charakterisieren. Als Nachkomme des Sanhan-Stammes, der Teil der mächtigsten Koalition im Jemen gewesen ist, war Ali Abdullah Saleh in der Lage die Beziehungen unter den zahlreichen Stämmen in der Arabischen Republik Jemen (YAR) vor ihrer Vereinigung mit der Demokratischen Republik Jemen (Süd-Jemen) im Jahr 1990 aufrechtzuerhalten. Saleh, der ehemalige Präsident der YAR, unterstützte die VS nach den Ereignissen am 11. September 2001. Zu dieser Zeit haben das Vorgehen der VS in Afghanistan und Iran zu einem stark negativen geprägten Bild von den VS innerhalb der jemenitischen Bevölkerung geführt, und die Popularität des Präsidenten sank, sowohl bei sunnitischen als auch bei schiitischen Zaiditen in den Keller.

Das Attentat auf den Führer der Houthis, Hussein Badreddin al-Houthi, im Jahr 2004 hat zu einer direkten Konfrontation zwischen den Houthis und dem damals herrschenden Präsidenten geführt, deren Ergebnis politische Instabilität und eine Reihe interner Konflikte war, die im Jahr 2010 endeten. Nach dem Sturz Salehs im Jahr 2011 wurde das Amt des Präsidenten von dessen Stellvertreter, Hadi, besetzt, der tatsächlich eine Marionette Saudi-Arabiens ist. Der anschließende politische Dialog zwischen den opponierenden Kräften hat nicht zu greifbaren Ergebnissen geführt. Im Jahr 2014 ist der politische Prozeß zum Stillstand gekommen und die beteiligten Parteien wendeten sich erneut dem bewaffneten Kampf zu. Im September desselben Jahres zwangen die Houthis Hadi zur Flucht aus Sanaa. In dieser Phase des Konflikts haben sich Saleh und seine Unterstützer mit den Houthis verbündet.

Dieser Umstand hat Saudi-Arabien nicht gefallen. Eine Gruppe von neun Ländern unter saudischer Führung begann einen Feldzug gegen den Jemen. Der Konflikt dauerte an. Als erfahrener Politiker hat Saleh entschieden die Dinge in die eigenen Hände zu nehmen und sich gegen die Houthis gewandt. "Die Bürger des Jemen haben versucht die Rücksichtslosigkeit der Houthis während der letzten zweieinhalb Jahre Zu tolerieren, aber ich kann das nicht. Ich rufe die Brüder in den Nachbarländern auf den Krieg zu beenden und die Blockade aufzuheben. Laßt uns diese Seite umblättern.", sagte Saleh am 2. Dezember 2017 in einer vom Fernsehen übertragenen Rede. Mit dieser Erklärung hat er sämtliche an dem Konflikt beteiligten Parteien verärgert. Am 4. Dezember 2017 wurde sein Auto von einem Granatwerfer getroffen und Saleh starb. Nach seinem Tod ist ein kleiner Teil seiner Unterstützer der Koalition und den Hadi-freundlichen Kräften beigetreten, während ein größerer Teil von ihnen die Macht der Houthis als rechtmäßig betrachtet haben. Auch ist bekannt, daß Saleh einen Sohn hat, der sich derzeit in den Vereinigten Arabischen Emiraten aufhält.


Die Bewegung des Südens 

Die als al-Hirak bekannte, separatistische Bewegung des Südens ist eine polpuläre Bewegung für die Wiederherstellung der ehemaligen Volksrepublik Jemen. Al-Hirak, eine Koalition aus verschiedenen Parteien, Gruppen und Stämmen, ist die wichtigste Kraft im Süden des Landes. Sie besteht aus zwei Ästen: einem moderaten Zweig, der die Autonomie innerhalb eines einzigen Staates sucht, und einem radikalen Zweig, der von dem ehemaligen Anführer der Sozialisten, Ali Salem al-Beidh, geleitet wird. Die Bewegung ist seit dem Jahr 2007 aktiv.

Der Süd-Jemen ist über 120 Jahre lang eine britische Kolonie gewesen. Nach dem Erreichen der Unabhängigkeit hat die Region sich entschieden ein Sozialstaat zu werden. In der Folge waren die Rechtsstaatlichkeit sowie ein freies Gesundheits-, Bildungs- und Sozialhilfesystem der Stolz der Südjemeniten. Nach der Vereinigung hat der drastisch gesunkene Lebensstandard zu Unbehagen unter der Bevölkerung im Süden des Landes geführt. Viele Menschen in Aden sprechen Fremdsprachen oder haben, im Gegensatz zu ihren nördlichen Nachbarn, eine technische
Ausbildung.

Bis vor Kurzem wurden die Beziehungen zwischen den Parteien durch ein Bündnis der Bewegung des Südens mit dem pro-saudischen Präsidenten, Hadi, verkompliziert. Dank dieser Allianz hatte die Bewegung des Südens militärische und finanzielle Unterstützung von der Koalition erhalten. Im Januar 2018 kam es zur Uneinigkeit unter den Verbündeten, die in Zusammenstößen zwischen den Unterstützern Hadis und den Kräften der Bewegung des Südens mündete. Einerseits war der Konflikt zwischen der Bewegung des Südens und den Unterstützern Hadis für die Houthis hilfreich, weil diese ehemaligen Verbündeten nun zu Gegnern geworden sind. Andererseits hat mit den Vereinigten Arabischen Emiraten ein neuer Gegner den Ring betreten.


Die Regierung von Hadi 

Als Präsident Saleh zum Rücktritt gezwungen worden ist, wurde Hadi sein Nachvolger. Hadi hat als einziger Kandidat die frühen Präsidentschaftswahlen gewonnen und verfügte über unbegrenzte administrative Kontrolle. Allerdings konnte er keine notwendigen Reformen umsetzen und seine Macht erhalten. Er wurde von den meisten Menschen im Süden und Norden des Landes kritisch betrachtet. Während der Offensive der Houthis ist Hadi in den Süden von Aden geflohen und die ihm treuen Gebiete haben sich eines nach dem anderen ergeben. Aden war, als die Bewegung des Südens die Houthis bekämpft haben, der einzige Hort des Widerstands. Nachdem die Bewegung des Südens die Houthis mit Unterstützung der VAE und Saudi-Arabiens in Aden aufgehalten hatte, hat sie später fast das gesamte Territorium des ehemaligen Süd-Jemens besetzt, woraufhin die Fronten eingefroren sind. Die schlecht bewaffneten Jemeniten aus dem Norden waren nicht in der Lage die Jemeniten im Süden zu schlagen, habe es aber leicht mit den Sondereinheiten der Saudis und der Emirate aufgenommen, die von gepanzerten Fahrzeugen und der Luftwaffe unterstützt worden sind.

Die Soldaten von Hadi und ihre saudischen Verbündeten waren nicht in der Lage den Widerstand der Houthis im Süd-Jemen zu brechen. Im Gegenzug haben die Unterstützer von Präsident Hadi auf Sanaa verzichtet. Sie waren mehr an der Kontrolle über Aden und einer Lösung für das von den Houthis eroberte Territorium interessiert, auf dem die Bewegung des Südens an Stärke gewann.


Der Iran, die Hisbollah und die Länder des "Shiitischen Halbmonds"

Die Grundlage der Interaktion zwischen dem Iran, der Hisbollah und den Houthis liegt sowohl auf dem Feld der Information und Propaganda als auch in der militärisch-technischen Zusammenarbeit. Die Houthis benutzen die Erfahrung der Hisbollah auf Gebiet der Massenmedien und verwenden die Nachrichtenquellen der libanesischen Bewegung, um ihre einen Interessen zu fördern. Der Iran unterstützt sie mit Waffenlieferungen und stellt technische Spezialisten und militärische Berater aus den Reihen der Hisbollah und der Islamischen Revolutionsgarden zur Verfügung. Wahrscheinlich verfolgen die Mitglieder dieses Blocks folgende Ziele:
  1. Den Erhalt der territorialen Integrität und Souveränität ihrer Länder.
  2. Den Aufbau einer vollständigen Zusammenarbeit auf den Gebieten der Verteidigung und der Sicherheit vor Bedrohungen durch den islamischen Extremismus und der aggressiven Politik Israels und der Vereinigten Staaten.
  3. Die Entwicklung gemeinsamer politischer Ziele, was die Verbesserung der Qualität der Zusammenarbeit auf verschiedenen wirtschaftlichen Gebieten ermöglicht.
Dieser Block bezieht einen modernen Jemen in der ein oder anderen Weise mit ein. Die derzeitige Rolle des Jemens und der Ansar Allah Bewegung besteht in der Drosselung der Expansion und der Begrenzung der Möglichkeiten zur Gestaltung einer aktiven Politik im Nahen Osten durch pro-westliche Monarchien am Persischen Golf. Die Monarchien sind gezwungen Ressourcen für Operationen im Jemen umzulenken. Dies unterminiert ihre Wirtschaft und die Moral ihrer Streitkräfte.


Saudi-Arabien 

Die Beziehungen zwischen dem Jemen und Saudi-Arabien sind seit langem extrem angespannt und bleiben es weiterhin. Die Gründe für die Konfrontation liegen in Geschichte, der Kultur und dem Zusammenspiel der verschiedenen Stämme und Völker auf der Arabischen Halbinsel.

Zum Beispiel existierten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die drei Distrikte, Asir, Nadschran und Jizan, mit vornehmlich zaidisch-schiitischer und ismailitischer Bevölkerung, die von saudischen Truppen besetzt worden sind. Die Kampfhandlungen, in denen der Jemen besiegt worden ist wurden mit dem ersten Abkommen von Taif vom 23. Juni 1943* beendet. Hierdurch erhielt Saudi-Arabien die Anerkennung der jemenitischen Regierung für seine Kontrolle über Asir, Jisan und Teile Nadschans. Die Houthis glauben, daß die besetzten Provinzen und die dort residierenden Stämme zum Jemen zurückkehren müssen. Die Ahrar al-Najran* Bewegung operiert in der Provinz Nadschran. Sie stehen für die Unabhängigkeit von dem saudischen Königreich. Die Bewegung entstand, nachdem Riad die ehemaligen Verträge zwischen dem Königreich und den Stämmen während der saudischen Operationen gegen den Nachbarn im Süden verletzt hatte.

Die in den zu Saudi-Arabien gehörenden Regionen der Provinzen Asir, Nadschran und Jizan lebenden Schiiten stellen einen großen Teil der Bevölkerung, besitzten jedoch nicht dieselben Rechte wie die sunnitische Mehrheit. Diese angespannte Situation verschärfte sich im März und November des Jahres 2011, als die saudischen Schiiten Kundgebungen veranstaltet haben, die von den Behörden brutal aufgelöst worden sind. Im Januar 2016 haben die Behörden des Königreichs den prominenten schiitischen Prediger, Nimr al-Nimr*, und 46 seiner Unterstützer hingerichtet, was zu einer neuen Eskalation zwischen Sunniten und Schiiten geführt hat.

Das zu erkennende Verhaltensmuster des saudischen Regimes gegenüber dem Jemen beruht wahrscheinlich auf den mit einer schiitischen Rebellion hisichtlich einer Sezession von Saudi-Arabien verbundenen Risiken. Ein ähnliches Szenario wurde im Jahr 2013 von der New York Times vorgestellt, als diese eine Karte veröfffentlicht hat, auf der das Königreich in 5 Staaten aufgeteilt war. Diese Karte ist auf Basis der geographischen Besiedlung durch die Stämme erstellt worden.
Das Szenario beinhaltet die Errichtung eines neuen Staates: Ost-Arabien, entlang der Straße von Hormuz. Die Region Hejaz wird zu West-Arabien gehören. Die an den Jemen grenzenden Gebiete wurden als Süd-Arabien dargestellt. Die nördlichen Landesteile würden in Nord-Arabien überführt, und das derzeitige Saudi-Arabien würde mit dem zentralen Landesteil und der Hauptstsdt Riad bestehen bleiben, welche die Hauptstadt von Wahabistan wäre.
Dies könnte erklären, warum das Land dermaßen lange und verbissen gegen die Houthis kämpft und dabei den Verlust an Menschen und Ressourcen ignoriert. Das Königreich führt einen Krieg um den Erhalt seiner derzeitigen Existenz. Ein anderer Grund für die Intervention Saudi-Arabiens in den Jemen-Konflikt liegt in einem logistischen, das Erdöl betreffenden Faktor. Der Jemen ist im Besitz des Erdölhafens von Aden, der die Hauptdrescheibe für Erdölprodukte im erweiterten Nahen Osten ist.


Die Vereinigten Arabischen Emirate 

Die Arabische Koalition im Jemen hat den Krieg gegen die Unterstützer von Ansar Allah, AQAP und ISIS zu ihrem Ziel erklärt. Jedoch haben die Mitglieder dieser Koalition (Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate) grundlegend verschiedenen Ansichten. Während die Expeditionskorps Saudi-Arabiens nicht in Anti-Terroroperationen verwickelt sind, haben die Einheiten der VAE mit Hilfe unbemannter Flugzeuge des Vereinigten Staaten zahlreiche erfolgreiche Operationen gegen Al-Qaida in Handramaut (einschließlich der Befreiung des Verwaltungszentrums von al-Mukalla) und in der Umgebung von Aden durchgeführt. Aus Sicht der Verantwortlichen in den Emiraten sollte das Hauptiel im Jemen darin bestehen die Verbreitung des Terrorismus auf der arabischden Halbinsel zu verhindern, unc nicht in der Bekämpfung schiitischer Rebellen.

Die VAE haben scharf auf Saudi-Arabiens Wunsch nach der Vorherrschaft in die Region sowie nach dem Vorsitz im Golf-Kooperationsrat* reagiert. Die Emirate sind zurecht der Meinung, daß ihr Land beachtliche wirtschaftliche Erfolge erzielt, genügend solides politisches Kapital gesammelt und neben dem hohen Ansehen, daß sie in der Weltgemeinschaft erreicht haben, zum größten Finanzzentrum in der Golfregion geworden sind, weswegen sie es nicht länger verdienen die Nebenrolle in der Region zu besetzen.

Während Riad Präsident Hadi unterstützt und in kriegerische Auseinandersetzungen im Jemen verstrickt ist, erlangen die VAE Einfluß im Süden des Landes, wo sie ihr Projekt zur Kontrolle Schlüsselhäfen am Golf von Aden konkrete Formen verleihen, um die Bewegung des Südens auf ihre Seite zu bringen. Zum Beispiel haben die VAE am Golf von Aden auf der Insel Socotra* (Jemen), am Hafen von Assab*, einschließlich am Flughafen der Stadt (Eritrea), am Hafen von Dschibuti*, einschließlich des Flughafens, und auf der Basis Berbera* (Somalia) bereits Militärstützpunkte eingerichtet. Seit dem 16. Juni 2016 haben die VAE ihre uneingeschränkte Teilnahme an der Operation im Jemen eingestellt. Der Außenminister der VAE, Anwar Gargash, hat angekündigt, daß alle Ziele der Militärintervention im Jemen erreicht worden sind, der Krieg der Truppen der VAE dort so gut wie beendet ist und sie nur noch im Land bleiben, um eine politische Entwicklung zu überwachen und dem Jemen zu helfen und die jemenitischen Sicherheitsstrukturen in den eroberten Gebieten zu sichern. Ein weiterer Grund für den Austritt aus der Koalition war die Ernennung von General Ali Mohsen al-Ahmar*, der seit dem Februar 2016 die Jemen-treuen Soldaten kommandierte, zum Vizepräsidenten des Jemen. Dies ist von Dschibuti als Affront betrachtet worden. Dieser hochrangige Militäroffizier ist Mitglied der Partei al-Isla, einem lokalen Flügel der Muslimbruderschaft. Jedoch bestand für die VAE der wichtigste Grund für ihren Austritt aus der Koalition in den zweifelhaften Ergebnissen und den noch weniger gewissem Ausgang der Operation. Laut offiziellen Angaben der VAE, hat das Land während der jahrelangen Intervention über 120 Menschen verloren, worin der Verlust an Waffen und militärischem Gerät nicht eingerechnet sind. Dies ist ein unakzeptabler Verlust für das Land. Daher sind die Truppen der VAE seit Juni 2016 hauptsächlich mit der Sicherung ihrer Stützpunkte in Mukalla* und auf der Insel Socotra, während ihre Teilnahme an Operationen in Nord-Jemen sehr eingeschränkt ist.

In dieser Hinsicht kann von einer weiteren begrenzten Teilnahme der VAR an dem Konflikt ausgegangen werden, während sie versuchen die Kontrolle über die Bewegung des Südens und anschließend die über die Infrastruktur der Häfen im Süden des Landes zu erlangen.


Der Einfluß des Jemen-Konflikts auf das Machtgleichgewicht in der Region

Derzeit ist der Jemen ein sehr komplexes Gebilde aus Konflikten. Es gibt keinen alleinigen Weg für einen Friedensschluß innerhalb des Landes, in der Region und vielleicht sogar weltweit. Wenn die Koalition ihre Bemühungen mit zunehmender Stärke fortsetzt, werden die Houthis die Hauptstadt wahrscheinlich verlassen und ihre Hochburg in den Nordwesten des Landes verlegen müssen. Dies wird con einem Guerillakrieg auf dem Gebiet der Distrikte Asir, Jizan und Nadschran begleitet werden, in dem die Houthis die Bewegung Ahrar al-Najran unterstützen werden. Im Falle eines militärisch-politischen Konflikts in der Region, werden die Houthis zunehmend in den Einflußbereich des Irans gezogen. Der Jemen wird an der Spitze der regionalen Konflikte verbleiben, was die globale militärisch-politische Agenda beeinflussen wird.

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Quelle: https://southfront.org/the-houthis-and-war-in-yemen-2/

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